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"The Square" räumt beim Europäischen Filmpreis ab

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"The Square" räumt beim Europäischen Filmpreis ab

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Bekannte und weniger bekannte Gesichter auf dem Roten Teppich in Berlin bei der 30. Verleihung des Europäischen Filmpreises am Wochenende – man amüsierte sich.

Als eine Art europäischer Oscar war der Preis – damals noch als “Felix” – im Jahr vor dem Mauerfall 1988 in Berlin zum ersten Mal vergeben worden – zu Zeiten, als Europa noch geteilt und viele Filme nationale Produktionen waren. Heute ist es die wichtigste Veranstaltung für Filme “made in Europe”.

Lebenswerk-Preis für Sokurov, Europa-Ehrung für Delpy

Die französisch-amerikanische Schauspielerin und Regisseurin Julie Delpy wurde für ihre europäischen Leistungen in der Welt des Kinos geehrt, der russische Filmemacher Alexander Sokurov für sein Lebenswerk. In knapp vierzig Jahren war Sokurov eine wichtige Inspiration für das russische und das europäische Kino, auch durch sein Engagement für freie Rede und künstlerische Freiheit. Seine Filme wurden bei etlichen internationalen Festivals prämiert. Unter seinen bedeutendsten Werken sind der Dokumentarfilm “Russian Ark”, gefilmt in einer einzigen, ungeschnittenen Einstellung, und “Faust”, der den Goldenen Löwen in Venedig gewann.

Delpy begann ihre Karriere als Jugendliche. Seitdem hat sie in gut vierzig Jahren in mehr als siebzig Filmen mitgewirkt – als Schauspielerin, Regisseurin, Produzentin oder Drehbuch-Autorin. “Für mich war es sehr wichtig, einen Preis von einem europäischen Komitee zu gewinnen”, sagte sie am Rande der Preisverleihung, “denn in meinen Augen ist der Wert des europäischen Kinos gar nicht zu bemessen. Das ist ein künstlerischer Wert, ein intellektueller Wert, ein kultureller Wert, der außergewöhnlich ist.”

Sechs Preise für “The Square”

Der am häufigsten genannte Titel war The Square, für den Regisseur Ruben Östlund den Preis für den besten Film und für die beste Regie erhielt. Sechs Preise gab es insgesamt für das Werk, auch noch die Auszeichnung als beste Komödie, für das beste Drehbuch, das beste Design und Claes Bang als bester Hauptdarsteller.



“Ich war richtig glücklich, dass du als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet wurdest, das verdienst du”, beglückwünschte Östlund seinen Hauptdarsteller. “Und ich als bester Regisseur – da war ich superglücklich, denn die Konkurrenz war hart…”



Bang konnte das Lob an seinen Regisseur nur zurückgeben: “Als Schauspieler so viel Vertrauen zu bekommen – zu sehen, dass der Regisseur dir derart vertraut, dass er dir die Zeit zugesteht, die Rolle zu erforschen und zu erkunden, das war wirklich überraschend. Es war das Verrückteste in meiner ganzen Schauspielerkarriere.”

Borbély verliert die Fassung

Viele Tränen flossen – auch bei den Gästen – als Alexandra Borbély als beste Schauspielerin in Körper und Seele ausgezeichnet wurde. Sie verlor völlig die Fassung und stammelte auf der Bühne, sie habe zwar ihre Dankesworte aufgeschrieben, könne sie jetzt aber nicht vorlesen.
Die Herausforderung, die asexuelle, autistisch anmutende Maria in der Schlachthaus-Lovestory von Ildikó Enyedi zu spielen, hatte Borbély souverän gemeistert.

Die Berliner Gala war eine Ode an das geeinte Europa – gegen Brexit und Nationalismus fielen scharfe Worte. Und kaum ein Film in Europa kann heutzutage ja noch ohne Ko-Produktion mit einem anderen Land finanziert werden.

Unterstützt von European Film Awards

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