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Die hochschwangere Yorladis im Dschungel von Kolumbien.
Die hochschwangere Yorladis im Dschungel von Kolumbien. -
Copyright
Catalina Martin-Chico, Panos

Nominiert für den World Press Photo Contest: Die Friedenskinder im kolumbianischen Dschungel

Yorladis war hochschwanger, als die spanisch-französische Fotografin Catalina Martin-Chico sie in einem der ehemaligen Guerillacamps der FARC im kolumbianischen Dschungel von Guaviare traf und fotografierte. Das Bild hat die Fotografin "wiedergeboren" genannt – denn genau das ist mit dessen Protagonisten passiert, nachdem die FARC die Waffen niedergelegte.

Seit mehr als zehn Jahren fotografiert Martin-Chico. Kaum kann sie sich damit ihren Lebensunterhalt verdienen, sagt sie – doch jetzt könnte sie als erste Frau Europas den „World Press Photo Award“ gewinnen, einem der prestigeträchtigsten Preise im Fotojournalismus.

Es war kein Zufall, dass Martin-Chico Yorladis schwanger fotografierte. Sie hatte sie bereits 2017 bei ihrem ersten Besuch porträtiert, als sie durch die „zonas veredales“ reiste – das sind Gebiete, in denen die FARC-Guerillas während des Friedensprozesses leben. Damals trugen sie immer noch Uniformen und patrouillierten mit Waffen, erzählt die Fotografin.

"Dort sah ich Yorladis zum ersten Mal. Sie war nicht schwanger, sie hatte keine Kinder, ich habe eher zufällig ein Foto von ihr gemacht", sagt sie. Yorladis und sie sind in Kontakt geblieben.

Neun Monate später kehrte Martin-Chico zurück und fand eine ganz andere Gegend vor. Es gab keine Uniformen mehr, keine Kontrollpunkte und die Hälfte der ehemaligen Guerillas hatte sich mit ihren Familien niedergelassen. Auch Yorladis führte in vielerlei Hinsicht ein neues Leben.

Ich erkannte, wie viel Geschichte hinter diesem Bild einer schwangeren Frau steckt. Angesichts all der Jahre, in denen Schwangerschaften verboten waren und all der Opfer, die sie für die Guerillas bringen mussten.
Catalina Martin-Chico
Fotografin

Trotz der Verhütungsspritzen, die Yordalis und anderen Frauen von Krankenschwestern verabreicht wurden, war dies ihre sechste Schwangerschaft. Früher war sie immer gezwungen gewesen, abzubrechen. Denn die Vorschriften der FARC waren klar: "Wir akzeptieren Frauen, aber keine Schwangerschaften und Kinder.“

"Yorladis ist nicht die Einzige, die schwanger wurde und eine Abtreibung vornehmen musste", erzählt Martin-Chico. "Es konnte immer wieder sein, dass man am nächsten Tag einen 50-Kilo-Rucksack schultern musste, um acht Stunden durch den Dschungel zu laufen. Häufig wurden die Lager gewechselt, unabhängig davon, ob gerade jemand eine Abtreibung hatte oder nicht.“

"Andere Frauen haben ihre Kinder ausgetragen und ihre Kinder im Dschungel zur Welt gebracht. Aber auch sie mussten ihre Babys verlassen", fügt sie hinzu.

Geboren und wiedergeboren

Mit Fotografien von Yorladis und anderen Bewohnern des Lagers hat Martin-Chico ein Album mit dem Titel "Reborn" auf ihrer Webseite veröffentlicht. "Es ist eine Geschichte von diesen Babys, die zur Welt kommen. Aber vor allem ist es eine Geschichte von den Vätern und Müttern, die wiedergeboren werden", sagt sie. "Viele von denen waren Kinder, vielleicht elf, zwölf oder 13 Jahre alt, als sie in die FARC eintraten."

Yorladis brach im Alter von zwölf Jahren den Kontakt zur Familie und allem ab, was sie mit der Gesellschaft verband: zu Menschen, zu Geld und zur normalen Arbeit. Jetzt müssen sie wieder über Dinge des täglichen Lebens nachdenken, wie etwa, in einem Geschäft einkaufen zu gehen, berichtet die Fotografin.

Die Babys in den Bäuchen seien Friedenskinder, sagt sie. Sie ersetzen die Waffen, geben den Erwachsenen wieder eine familiäre Beziehung, den sie seit ihrer Kindheit selbst nicht mehr kannten. Und sie können dadurch neu lernen, wie man in einer Gesellschaft lebt.

Am Tag, an dem Martin-Chico von ihrer Nominierung bei "World Press Photo" erfuhr, sprach sie mit Yorladis. Bald wird das Baby ein Jahr alt und der Vater arbeitet auf einem Bauernhof in der Nähe des Lagers. Die ehemalige Guerilla gratulierte zu der Nominierung: "Oh mein Gott und dieser Bauch wird von allen gesehen werden."