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Wie Menschen mit Behinderung die Coronakrise erleben

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Wie Menschen mit Behinderung die Coronakrise erleben
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Gerade Menschen mit Behinderungen, die noch in ihrer eigenen Wohnung leben, werden von der Coronakrise hart getroffen. Denn manchmal fallen Helfer und Sozialdienst aufgrund Covid-19 aus. Welche Konsequenzen Kontakteinschränkungen für behinderte Menschen haben, zeigt der folgende Bericht mit Beispielen aus ganz Europa.

Persönliche Assistenten sind unentbehrlich

2003 hat der 46-jährige César Giménez einen Hirnschaden erlitten. Er war wegen Kopfschmerzen ins Krankenhaus gegangen. Der ehemalige Sprachlehrer und heutige Aktivist lebt im spanischen Malaga. Dank Sozialdienst und Unterstützung seiner Familie führt er ein aktives Leben, aber er fürchtet den Ausfall seines persönlichen Assistenten:

"Wenn mein persönlicher Assistent krank würde, wären meine Eltern nicht in der Lage, mich unter die Dusche zu setzen oder mich zu unterstützen."

Persönliche Assistenten gelten nicht in allen europäischen Ländern als unentbehrliche medizinische Fachkräfte, und viele verfügen nicht über die richtige persönliche Schutzausrüstung.

Angst vor Zwangseinweisung

Alice Jorge lebt und arbeitet in Brüssel. Normalerweise ist sie auf den täglichen Besuch einer Krankenschwester und eines persönlichen Assistenten angewiesen. Derzeit kümmert sich ihre Schwester um sie. Ihr Unterstützungsnetzwerk ist aufgrund Covid-19 weggebrochen.

"Die an Covid-19 erkrankte Krankenschwester ist noch nicht vollständig wieder gesund", erzählt Alice Jorge. "Aber sie bittet mich zu entscheiden, ob sie kommen und ihre Kollegen und meine Schwester entlasten kann. Da ich darauf angewiesen bin, ist es keine leichte Entscheidung."

Organisationen befürchten, dass selbstständig lebende behinderte Menschen zwangsweise in Pflegeheime eingewiesen werden könnten.

"Wir wissen, dass auch in Einrichtungen, in Pflegezentren, ein hoher Grad an Isolation und auch ein höheres Risiko besteht, sich anzustecken, weil die Menschen nahe beieinander sind", erzählt Frank Sioen vom Europäischen Netzwerk für unabhängiges Leben.

Einsam im Pflegeheim

Herman Hillen lebt in einem Pflegezentrum für ältere Menschen in der Nähe von Antwerpen, seit er aufgrund OP-Komplikationen wegen eines gebrochenen Beins aus Brasilien zurückgeschickt wurde.

"Eine Person aus dem Heim hat sich mit dem Coronavirus infiziert. Das ist sehr schlecht, denn das bedeutet 14 Tage auf dem Zimmer zu bleiben. Man hat das Gefühl, dass uns alles weggenommen wird. Ich bin sehr deprimiert und ich bin sicher, dass ich nicht der Einzige bin", sagt Hillen.

Die EU wacht über die Rechte aller EU-Bürger

In der EU liegt die Gesundheitsfürsorge in der jeweiligen nationalen Zuständigkeit. Aber die Europäische Kommission wacht darüber, dass die Rechte aller, einschließlich der Europäer mit Behinderungen, während der Krise respektiert werden. Laut dem EU-Kommissar für Sozialfürsorge Nicolas Schmit können EU-Länder Mittel beim Europäischen Sozialfonds und beim Fonds für die europäische Hilfe für Bedürftige beantragen.

Für behinderte Menschen in Europa stellt die Coronakrise eine besondere Herausforderung dar.