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Brexit stößt Fischerei in die Krise

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Von Isabel Marques da Silva
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Fischerboote im Hafen von Whitby im Nordosten Englands
Fischerboote im Hafen von Whitby im Nordosten Englands   -   Copyright  OLI SCARFF/AFP or licensors
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Die belgische Fangflotte, Arbeitsplatz von rund 400 Fischern, wartet auf Nachrichten aus Brüssel - und zwar über die neuen Fangquoten in britischen Gewässern nach dem Brexit. Laut dem mit Großbritannien geschlossenen Handelsabkommen dürfen die Belgier in den nächsten fünf Jahren nur noch ein Viertel weniger fischen. Seit Jahresbeginn kommt noch ein logistisches Problem hinzu.

Die Fischer seien es gewohnt, ihren Fang zunächst in britische Häfen zu bringen und von dort mit Container-LKW zu kontinentalen Auktionen zu transportieren, so der Chef der belgischen Fischer-Vereinigung, Emiel Brouckaert. Dies sie nun erheblich komplizierter zu organisieren. So schwierig, dass man inzwischen Fanggebiete ansteuere, die eigentlich erst später im Jahr genutzt würden. Denn die Gefahr sei zu groß, dass der frische Fisch in Großbritannien feststecke.

Auf britischer Seite hört man Vorwürfe über verrottenden Fisch in ihren Häfen, der nicht rechtzeitig auf Märkte in der EU gebracht worden sei. Aber auch die Briten sind über die neuen Fangquoten enttäuscht. Kleine Käufer täten sich zusammen, denn inzwischen gebe es enorme bürokratische Hürden zu überwinden, meint der Chef des britischen Fischereiverbandes Barrie Deas. Der Export und Verkauf von Fisch in die EU sei das dringendste Problem. Einige Fischer müssten nun mit geringeren Quoten auskommen als im Vorjahr.

Mit dem Brexit sind elf EU-Staaten vom Verlust von Fangrechten in britischen Gewässern betroffen. Am stärksten unter ihnen Belgien, was mehr als 40 Prozent seiner Fangmenge aus britischen Gewässern fischte. Gefolgt von Irland, Dänemark und den Niederlanden. Für das erste Quartal 2021 wurden provisorische Fang-Lizenzen ausgegeben.

An diesem Montag begannen die für Fischerei zuständigen EU-Minister die Verhandlungen über die genauen Fangquoten für das laufende Jahr - ein Prozess, der sich bis in den Sommer hinziehen könnte. Beraten wird auch über mögliche finanzielle Hilfen.

Es gehe darum, Überfischung zu vermeiden und zugleich die vom Fischfang abhängigen Gemeinden nicht im Stich zu lassen, so der portugiesische Ratsvorsitzende, Ricardo Serrão Santos. Der finanzielle Schaden auf die Branche müsse abgefedert werden. All dies sei sehr komplex und vor dem Hintergrund der Pandemie sehr schwierig.

Im Haushalt sind mindestens fünf Milliarden Euro als Untersützung für die europäische Fischerei-Industrie in der EU vorgesehen. Dazu gehören auch mögliche Umschulungsmaßnahmen.

Journalist • Stefan Grobe