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Intelligenter Protest oder peinliche Aktion? #allesdichtmachen

Schauspieler Jan Josef Liefers und seine Frau Anna Loos
Schauspieler Jan Josef Liefers und seine Frau Anna Loos   -   Copyright  RALPH ORLOWSKI/AFP
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Lob für die Künstler-Initiative #allesdichtmachen kommt vor allem aus der rechten und Querdenker-Ecke, viel Kritik aus den eigenen Reihen - von Schauspieler:innen, die sich für ihre Kolleg:innen schämen.

Mehr als 50 Film- und Fernsehschauspieler:innen aus Deutschland haben eine gemeinsame Protestaktion gegen die Corona-Politik der Bundesregierung unter dem Hashtag #allesdichtmachen gestartet. Künstler:innen wie Ulrich Tukur, Volker Bruch, Meret Becker, Ulrike Folkerts, Richy Müller oder Jan Josef Liefers verbreiteten am Donnerstag bei Instagram und auf der Videoplattform Youtube gleichzeitig ironisch-satirische Clips mit persönlichen Statements.

Begeisterten Beifall gab es vom früheren Präsidenten des Inlandsgeheimdienst, Hans-Georg Maaßen, der die Aktion auf Twitter "großartig" nannte.

Der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit sprach von einem "Meisterwerk", das "uns sehr nachdenklich machen" sollte.

Die AfD-Bundestagsabgeordnete Joana Cotar twitterte: "Das ist intelligenter Protest."

Die Corona-Aktion spaltet deutsche Schauspielwelt, viele Schauspielkolleg:innen äußern sich entsetzt über die Videos. "Heute bisschen für Kollegen schämen", schrieb zum Beispiel Christian Ulmen.

Jan Josef Liefers hat mittlereile eine Klarstellung gepostet. In dieser heißt es: "Eine da hinein orakelte, aufkeimende Nähe zu Querdenkern u.ä. weise ich glasklar zurück. Es gibt im aktuellen Spektrum des Bundestages auch keine Partei, der ich ferner stehe, als der AfD."

In seinem Video-Beitrag hatte der 56-Jährige sich mit ironischem Unterton "bei allen Medien unseres Landes" bedankt, "die seit über einem Jahr unermüdlich verantwortungsvoll und mit klarer Haltung dafür sorgen, dass der Alarm genau da bleibt, wo er hingehört, nämlich ganz, ganz oben."

Ich setze mich kritisch mit den Entscheidungen meiner Regierung zu SarsCoV2 und Covid 19 auseinander. Besonders wegen...

Gepostet von Jan Josef Liefers am Donnerstag, 22. April 2021

Schauspieler Elyas M'Barek kritisierte die Aktion mit den Worten: "Mit Zynismus ist doch keinem geholfen." Jeder wolle zur Normalität zurückkehren, und das werde auch passieren. Hans-Jochen Wagner nannte die Aktion peinlich. Er verstehe sie nicht, schrieb der Schauspieler, der an Liefers gerichtet fragte: "Das kann doch nicht Dein Ernst sein." Nora Tschirner warf den Machern der Clips Handeln aus Langeweile und Zynismus vor.

Satiriker Jan Böhmermann schrieb, das einzige Video, das man sich ansehen solle, "wenn man Probleme mit Corona-Eindämmungsmaßnahmen hat", sei die ARD-Doku aus der Berliner Charité mit den Titel "Station 43 – Sterben". Dazu stellte er den Hashtag #allenichtganzdicht.

Die Schauspieler:innen von #allesdichtmachen können sich ihre Ironie gerne mal tief ins Beatmungsgerät schieben, twitterte Moderator Tobias Schlegl, der auch Notfallsanitäter ist.

Richy Müller atmet in seinem Clip für die Aktion #allesdichtmachen abwechselnd in zwei Tüten und kommentiert ironisch: "Wenn jeder die Zwei-Tüten-Atmung benutzen würde, hätten wir schon längst keinen Lockdown mehr. Also bleiben Sie gesund und unterstützen Sie die Corona-Maßnahmen. Ich geh jetzt mal Luft holen."

Danke, Richy Müller! Posted by Martina Krohn on Thursday, April 22, 2021

Die Kunst- und Kulturszene leidet seit mehr als einem Jahr schwer unter den Corona-Maßnahmen. Laut dem Bundesverband Schauspiel (BFFS) etwa haben viele der Schauspieler:innen in Deutschland seit März 2020 kaum Einkommen.

Dem Verband zufolge leben zwei Drittel bis drei Viertel aller Schauspieler:innen von Gastverpflichtungen an Theatern, die aktuell nicht oder kaum arbeiten können. In Deutschland gibt es insgesamt etwa 15.000 bis 20.000 Schauspieler:innen.