Die Explosion ereignete sich in einer Sprengstoff-Abteilung. Die Fabrik gehört zur europäischen Holding KNDS, die aus einem EU-Programm 40 Millionen Euro erhält.
Eine gewaltige Explosion hat sich vor den Toren von Colleferro ereignet, rund 60 Kilometer südlich von Rom. Die Detonation gab es in einer Waffenfabrik, die früher Simmel Difesa hieß und heute zum Konzern KNDS Ammo Italy gehört.
Dort wird Munition mittleren und großen Kalibers für Land- und Seestreitkräfte produziert neben Treibstoff für die Raumfahrt. Das Unglück passierte nach ersten Angaben im Bereich der "Pulverpressen“.
Vor Ort waren Feuerwehr und Carabinieri bereits wegen eines Brandes im Einsatz. Dann folgte die dramatische Explosion, die man in den umliegenden Orten noch kilometerweit hören konnte.
Nach Angaben der Einsatzkräfte gibt es keine Verletzten. Der Brand und die anschließende Detonation beschränkten sich auf einen einzigen Bereich des Werks, in dem Explosivstoffe und Munition produziert und gelagert werden.
Die Staatsanwaltschaft in Velletri ermittelt. Die zuständige Staatsanwältin wollte den Unglücksort in Kürze besichtigen.
Schwere Explosion schon 2007
Im Oktober 2007 hatte es in dem Werk, das damals noch Simmel Difesa hieß, bereits eine schwere Explosion gegeben. Sie forderte einen Toten und 13 verletzte Arbeiter.
Der Bürgermeister von Colleferro, Giulio Calamita, schreibt auf Facebook: „Im Moment ist die Situation unter Kontrolle. Der Schreck ist groß, doch jetzt ist es entscheidend, Ruhe zu bewahren und vor allem keine falschen Nachrichten zu verbreiten, etwa zu dem Unfall von 2007, der erneut die Runde macht. Wir informieren euch so bald wie möglich mit überprüften Angaben.“
Die erste Meldung an die Einsatzzentrale der Polizeibehörde in Rom ging am Donnerstag, 13. August, um 14.45 Uhr ein.
Bürgerinnen und Bürger filmten die Explosion mit ihren Handys. Sie hatten bereits die Flammen aus mehr als einem Kilometer Entfernung aufgenommen.
Colleferro: Rüstungsindustrie mit Tradition und Zukunft
Die Rüstungsindustrie prägt die Gegend seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Colleferro entstand 1935, um Arbeiterinnen und Arbeiter der Bomprini Parodi Delfino anzusiedeln, einer Fabrik für Sprengstoffe und Schießpulver, die die industrielle Entwicklung im Tal des Flusses Sacco bis Ende der 1990er-Jahre vorantrieb.
2025 legte die italienische Sparte des Rüstungskonzerns KNDS den Vorschlag vor, das Werk Ex Winchester zu erweitern. Es gehört derselben Firma und steht in der nahe gelegenen Stadt Anagni. Die Erweiterung soll das Werk in Colleferro stützen, das nun von der gewaltigen Explosion am Donnerstag betroffen ist.
Der Plan, der bisher nur auf dem Papier steht, sieht den Bau von elf neuen Hallen vor. Dort sollen rund 40 Tonnen Nitroglycerin pro Monat für Munition produziert werden.
Nach Angaben der lokalen Komitees gegen den Krieg wird der multinationale Konzern KNDS von 40 Millionen Euro aus neuen Mitteln des europäischen Programms Asap, dem „Act in Support of Ammunition Production“, profitieren. Es wurde 2023 beschlossen, um die europäische Munitionsproduktion langfristig zu erhöhen, zugunsten der Ukraine und der EU-Mitgliedstaaten.
Das Werk in Colleferro soll dadurch erweitert werden und künftig 150 Kilogramm Nitrogelatine pro Stunde produzieren.