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Hungerstreik undokumentierter Migranten in Belgien

Von Jack Parrock
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Hungerstreik undokumentierter Migranten in Belgien
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Ausländer ohne Papiere sind in Belgien seit über einem Monat im Hungerstreik.

Mindestens 250 von ihnen haben sich in einer Kirche im Zentrum von Brüssel versammelt, ungefähr noch einmal so viele an anderen Orten der belgischen Hauptstadt.

Sie fordern ihre amtliche Anerkennung, eine Aufenthaltserlaubnis für alle.

Ahmed, einer der Hungerstreiker sagt uns:

"Ich frage mich manchmal wie unsere Regierung nachts schlafen kann, wenn es hier so viele hungernde, ja, verhungernde Menschen gibt."

Die Menschen kommen überwiegend aus Nordafrika - Tunesien, Marokko, Algerien und Ägypten - aber auch aus Pakistan.

Sie sagen, dass sie hier seit vielen Jahren, manche sprechen von Jahrzehnten, in Belgien leben und arbeiten, den Behörden unbekannt.

Ohne Papiere bleiben ihnen die Gesundheitsversorgung und viele andere Dienstleistungen verwehrt.

Freiwillige medizinische Helfer vor Ort halten die Situation der Hungerstreikenden mittlerweile für kritisch. so die praktische Ärztin Cecile Vanheuverzwijn:

"Die Situation ist schon ein bisschen katastrophal. Den Patienten geht es immer schlechter. Wir haben es mit schweren Herz- und Nierenproblemen zu tun, und mit psychologischen. Es hat schon mehrere Selbstmordversuche gegeben."

In den belgischen Medien findet der Hungerstreik bisher eher begrenzte Aufmerksamkeit, aber das könnte sich ändern, wenn die medizinische Lage kippt.

Die belgische Regierung gerät unter Druck, etwas zu unternehmen. Schätzungen gehen von 150.000 undokumentierten Migranten im Lande aus.

Sammy Mahdi, der zuständige Staatssekretär will sich aber nicht erpressen lassen. Gegenüber Euronews erklärt er:

"Es ist frustrierend. Wir versuchen alles, um den Menschen zu helfen und ihre Akten werden so schnell als möglich bearbeitet. Natürlich kann aber nicht jeder undokumentierte hier in Belgien bleiben. Wir versuchen es mit Informationskampagnen, aber der Hungerstreik hilft da nicht."

Die Menschen hier weigern sich, individuelle Anträge auf Aufenthaltserlaubnis zu stellen, weil sie fürchten, dann ausgewiesen zu werden.

Die belgische Regierung hält den Protest für einen Beleg dafür, dass das Asyl- und Migrantensystem besserer EU-weiter Zusammenarbeit, auch bei der Verteilung, bedarf.

Journalist • Andreas Rogal