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Bauern kritisieren EU-Agrarreform: zu schnell, zu realitätsfern

Von Gregoire Lory
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Bauern kritisieren EU-Agrarreform: zu schnell, zu realitätsfern
Copyright  JOHN THYS/AFP
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Die Reform der gemeinsamen Agrarpolitik nimmt Formen an. Kernstück dabei ist die Einführung von Öko-Regelungen. Das Prinzip ist einfach: Erzeuger, die auf eine umweltfreundlichere Produktion umsteigen, bekommen höhere Subventionen.

Ab 2023 sollen die Öko-Regelungen 25 Prozent der Direktbeihilfen für die Erzeuger ausmachen. Landwirte, die sich an Umweltprogrammen beteiligen, bekommen dann mehr Geld. Wie die Umweltregelungen genau aussehen sollen, steht noch nicht fest.

"Öko-Regelung wird den Verlust niemals ausgleichen"

In Belgien stellen die ersten betroffenen Betriebe Berechnungen an. So wie Landwirtin Dominique Lebrun: "Für mich geht das viel zu schnell, um sich darauf vorbereiten zu können", sagt sie.

"Ja, sie werden es uns erklären, aber wir brauchen Maßnahmen, wir müssen das alles umsetzen, das sind viele Veränderungen bei gleichzeitig einem deutlich geringeren Budget. Für unseren Betrieb bedeutet das, dass wir von einem Jahr zum anderen 10.000 Euro verlieren. Wir haben zwar die Entschädigung durch die Öko-Regelung, aber die wird den Verlust von 10.000 Euro niemals ausgleichen, weil wir geringere Erträge haben werden und uns niemand für die Erträge bezahlen wird."

Um diese Prämien zu erhalten, können Landwirte den Wert von Grünland als Kohlenstoffspeicher erhöhen, Pflanzenschutzmittel reduzieren und Brachflächen für die Artenvielfalt anlegen.

In ihrem Familienbetrieb in der Wallonie produziert Dominique Lebrun Rote Bete und Kartoffeln, sie hat außerdem etwa vierzig Rinder und drei mobile Hühnerställe.

Dominique Lebrun ist verärgert, dieses System verliere das Wesentliche aus dem Auge: die Ernährung der Bevölkerung. "Es wird nicht jeden ernähren können, aber wir müssen weiterhin die Welt ernähren und unabhängige Lebensmittelversorgung ist wichtig, das hat uns auch Corona gezeigt. Was würde passieren, wenn wir eine Hungersnot erleben?"

"Ich kann Ihnen sagen, als der Lockdown anfing, kam jeder hierher, um meine Eier zu kaufen. Die standen hier immer morgens um 10 Uhr an. Die Leute hatten Angst, Angst um das Essen. Und schon ist es vergessen! Wenn wir uns darüber mehr Gedanken machen würden, würden wir auch sehen, dass wir produzieren und Menschen ernähren müssen", so Lebrun.

Für den Landwirtschaftsverband in der Wallonie ist die Regelung lobenswert, kommt aber zu plötzlich, sagt Isabelle Jaumotte: "Problematisch ist das Konzept, die Regelung quasi verpflichtend einzuführen. Denn sie sagen zwar 'Es ist freiwillig und wir werden die Bauern mitnehmen', aber es wird wieder einmal zu abrupt eingesetzt und bedeutet für die Bauern eine Einkommenslücke von 25 Prozent! Ich weiß nicht, wer heute ein Viertel seines Gehalts ausgeben würde, um etwas Gutes für die Umwelt zu tun. Ich wüsste ehrlich gesagt nicht, welcher Bürger das machen würde."

Der Wallonische Landwirtschaftsverband weist darauf hin, dass der Sektor seinen CO2-Ausstoß cin den letzten 30 Jahren um 20 Prozent reduziert hat.

Die Erzeuger sitzen jetzt vor den Taschenrechnern, um die neuen Umweltmaßnahmen an ihre Betriebsbudgets anzupassen.