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Belgien - Wie die Energiearmut weiter um sich greift

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Von Gregoire Lory
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Belgien - Wie die Energiearmut weiter um sich greift
Copyright  Jennifer Jacquemart/ EC - Audiovisual Service

Angesichts des kommenden Winters bereitet sich bei Véronique Duquesne Unruhe aus. Die Belgierin lebt seit Jahren in Energiearmut. Seit langem wacht sie über ihren Stromverbrauch, doch der jüngste starke Anstieg der Gaspreise hat die Situation alarmierend werden lassen. Künftig muss Véronique ihre Stromnutzung noch weiter einschränken.

Um sich eine Tasse Tee heiß zu machen, habe sie früher die Mikrowelle benutzt, sagt sie. Jetzt nutze sie eine Kaffeemaschine mit der exakt nötigen Wassermenge, um so wenig wie möglich Strom zu verbauchen. Auch habe sie ihre täglichen Duschen auf zwei pro Woche reduziert.

Zwar behält sie ihr Lächeln, doch fühlt sich Véronique verloren. Finanziell hat sie null Spielraum. Wenn sie einkaufen geht, hat sie ihre Ausgaben auf den Cent genau berechnet.

Die frühere Eigentümerin eines Cafés hat einen Sozialtarif bei Erdgas, aber nicht bei Elektrizität. Noch heizt sie ihre Wohnung eine Stunde pro Tag, aber wenn der Winter hart wird muss sie sich entscheiden: frieren oder Schulden machen. Für Véronique ist dies ein unerträgliches Gefühl.

Nach allem, was zuletzt passiert sei, sie die derzeitige Situation ein Skandal, sagt sie. Die Menschen, die unter den schweren Überschwemmungen im Sommer zu leiden hätten, wüssten nicht, wie es weiter gehe. Es sei unmenschlich, jetzt die Strompreise zu erhöhen.

Die Hilferufe in Belgien mehren sich. Stefan Goemare und sein Hilfsverein "Samenlevingsopbouw" (Gemeinschaftshaus) sehen bereits ein neues Profil der Menschen, die immer mehr in die Armut schlitterten.

Er stehe in Kontakt mit Bürgern, die Schwierigkeiten hätten, ihre Rechnungen zu bezahlen. Doch zunehmend stünden sogar Menschen mit mittlerem Einkommen vor dem selben Problem. Sie fragten sich, was im Moment vor sich gehe.

Während der Pandemie erleichterte die belgische Regierung den Zugang zu Sozialtarifen. Doch diese Regelung läuft Ende des Jahres aus. Für Tausende könnte dies den Absturz in die Armut bedeuten.

Journalist • Stefan Grobe