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9 Tage Lockdown: Schanghai macht dicht - in zwei Phasen

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Von Alexandra Leistner
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China verfolgt eine Null-Covid-Strategie: Die harten Maßnahmen zeigten bisher Erfolg. Doch wie sieht das in der Omikron-Welle aus?
China verfolgt eine Null-Covid-Strategie: Die harten Maßnahmen zeigten bisher Erfolg. Doch wie sieht das in der Omikron-Welle aus?   -   Copyright  AP/Chinatopix

Massentests und Kontaktbeschränkungen: In Schanghai gilt für die 26 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner der größte Lockdown in dem Land seit zwei Jahren. Bislang hatte die Metropole mit lokalen Abriegelungen von Wohnsiedlungen und Firmen Ausbrüche in den Griff bekommen.

Die stadtweite Abriegelung, die in zwei Phasen durchgeführt wird, wird die umfangreichste in China sein, seit die zentrale Stadt Wuhan, in der das Virus erstmals Ende 2019 entdeckt wurde, Anfang 2020 ihre 11 Millionen Einwohner 76 Tage lang in ihre Wohnungen verbannte.

Nach Informationen der lokalen Behörden wird zuerst das Finanzviertel Pudong - von Montag bis Freitag - abgeriegelt. In dieser Zeit wird die Bevölkerung auf das Coronavirus getestet. 

Ab Freitag gilt dann für das Stadtzentrum westlich des Huangpu-Flusses eine fünftägige Ausgangssperre. Die Menschen werden mit Lebensmittellieferungen an bestimmten Abholorten versorgt, damit Kontakte so weit wie möglich beschränkt werden. Büros und alle nicht als wesentlich erachteten Geschäfte werden geschlossen und der öffentliche Verkehr eingestellt.

Bereits seit einer Woche waren mehrere Bezirke innerhalb Schanghais im Lockdown. Blaue und gelbe Plastikbarrieren weisen auf die Abgeriegelung hin. Nur wer mehrfach negativ auf Sars-CoV-2 getestet wurde, kommt raus.

Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, wurden in vielen Viertel Kontrollpunkte eingerichtet, an denen Personen in Schutzanzügen Wache stehen.

Am Sonntag kam es Berichten zufolge zu Hamsterkäufen: Die Menschen deckten sich mit Lebensmitteln, Getränken und Haushaltsartikel ein.

Die Feierlichkeiten zum chinesischen Totengedenktag Qingming am 5. April wurden abgesagt, Gedenkveranstaltungen sollen online stattfinden.

Auch der Themenpark Disneyland in Shanghai hat bereits geschlossen. Medienberichten zufolge hat auch der Autohersteller Tesla die Produktion in seinem Werk in Shanghai eingestellt.

Andy Wong/AP
Anstehen für den Covid-Test: China schickt Schanghai in einen Zwei-Phasen-Lockdown.Andy Wong/AP

In Schanghai waren am Sonntag weitere 3.500 Infektionsfälle gemeldet worden. Allerdings wiesen nur 50 Personen Symptome von COVID-19 auf. Auch Menschen ohne Symptome können andere anstecken. 

China kategorisiert solche Fälle jedoch getrennt von den "bestätigten Fällen" - also den Fällen, in denen Menschen erkrankt sind - was zu wesentlich niedrigeren Gesamtzahlen in den täglichen Berichten führt.

Landesweit wurden am Sonntag 1.219 neue bestätigte Fälle von häuslicher Infektion festgestellt, mehr als 1.000 davon in der nordöstlichen Provinz Jilin, zusammen mit 4.996 asymptomatischen Fällen, berichtete die Nationale Gesundheitskommission am Montag.

China hat in diesem Monat landesweit mehr als 56.000 bestätigte Fälle gemeldet, wobei der Anstieg in Jilin den größten Teil ausmacht. Die Provinz hat Reiseverbote und teilweise Abriegelungen in mehreren Städten verhängt, darunter auch in Changchun, einem der Zentren der chinesischen Autoindustrie. Obwohl in der Provinz täglich mehr als 1.000 neue Fälle bestätigt wurden, scheinen die Präventions- und Bekämpfungsmaßnahmen dort nicht so extrem gewesen zu sein wie in anderen Orten.

Wie inzwischen üblich, hat Jilin vorgefertigte provisorische Krankenstationen gebaut, um COVID-19-Patienten und solche, die als Verdachtsfälle unter Beobachtung stehen, unterzubringen. Die Stadt Suzhou, etwa eine Stunde von Schanghai entfernt, sowie Changsha im Zentrum des Landes und Shenyang im Nordosten errichten ebenfalls solche Strukturen, in denen mehr als 6.000 Menschen untergebracht werden können.

Shanghai selbst hat zwei Sporthallen, eine Ausstellungshalle und andere Einrichtungen zur Unterbringung potenziell infizierter Patienten umgebaut.

China hat seinen seit langem verfolgten "Null-Toleranz"-Ansatz als die wirtschaftlichste und wirksamste Präventionsstrategie gegen COVID-19 bezeichnet.