Die Ermittlungen nach dem tödlichen Feuer in dem Walliser Ferienort schreiten voran. Während Behörden von einer schnellen Brandentwicklung ausgehen, bleibt die Identifizierung vieler Opfer schwierig - Kliniken arbeiten am Limit, mittlerweile ist auch internationale Hilfe im Einsatz.
Nach Angaben der Schweizer Behörden deutet derzeit alles darauf hin, dass der verheerende Brand in einer Bar im Walliser Ferienort Crans-Montana durch Sprühfontänen und Wunderkerzen ausgelöst wurde, die an Champagnerflaschen befestigt waren. Das teilte die Polizei am Nachmittag auf einer Pressekonferenz mit.
Die Generalstaatsanwältin des Kantons Wallis, Béatrice Pilloud, erklärte, es sei eine umfassende Untersuchung eingeleitet worden, um die genauen Umstände des Brandes zu klären. "Alle Spuren werden geprüft, ohne irgendeine Hypothese auszuschließen. Einige Annahmen werden heute bestätigt. Man geht allgemein davon aus, dass das Feuer von glühenden Kerzen oder Bengallichtern ausgegangen ist, die auf Champagnerflaschen angebracht waren", sagte Pilloud. Eine der Kerzen sei offenbar zu nah an die Decke gehalten worden, was eine schnelle und großflächige Brandentwicklung ausgelöst habe.
Um zu ersten Schlussfolgerungen zu gelangen, seien Videos gesichert und ausgewertet, zahlreiche Personen befragt sowie Untersuchungen direkt am Brandort durchgeführt worden, so die Generalstaatsanwältin weiter. Die Ermittlungen dauerten an.
Identifizierung der Opfer weiterhin schwierig
Die Identifizierung der Todesopfer gestaltet sich nach Angaben der Behörden auch weiterhin schwierig, da viele Leichen schwer verbrannt sind. Angehörige mussten DNA-Proben abgeben, in zahlreichen Fällen wurden persönliche Dokumente vollständig zerstört.
"Unter den formal identifizierten Verletzten sind 71 Schweizer Staatsangehörige. Zudem haben wir 14 französische, 11 italienische, vier serbische, einen bosnischen, einen belgischen, einen luxemburgischen, einen polnischen und einen portugiesischen Staatsbürger", sagte Polizeichef Frédéric Gisler. Er betonte, dass alle Zahlen vorläufig seien und sich mit dem Fortschritt des Identifizierungsprozesses noch ändern könnten. Die Nationalität von 14 Personen ist derzeit weiterhin unklar.
Nach Angaben der Polizei sind viele der Verletzten im Teenageralter oder zwischen Anfang und Mitte 20 Jahre alt. Viele erlitten schwere Verbrennungen und werden weiterhin in regionalen Krankenhäusern behandelt. Für Angehörige wurde eine Hotline eingerichtet. Nach Angaben der Walliser Sicherheitsbehörden befinden sich derzeit zwischen 80 und 100 Menschen in kritischem Zustand.
Zivilcourage und Krankenhäuser an der Belastungsgrenze
Der Walliser Staatsrat und Regierungspräsident Mathias Reynard würdigte am Freitag im Radiosender RTS den Einsatz von Helfern und Augenzeugen. "Wir haben zahlreiche Berichte über heroische Handlungen, man könnte sagen, über eine sehr starke Solidarität in diesem Moment", sagte Reynard. Zwar lobte er auch die Arbeit der Rettungskräfte, betonte jedoch: "In den ersten Minuten waren es Bürgerinnen und Bürger - zu einem großen Teil junge Menschen -, die mit ihrem Mut Leben gerettet haben."
Das regionale Krankenhaus in Sion nahm innerhalb von drei Stunden rund 80 Schwerverletzte auf und erreichte rasch seine Kapazitätsgrenze. Mehrere Patienten wurden per Hubschrauber in spezialisierte Kliniken in anderen Landesteilen gebracht. Auch Tage nach dem Unglück werden dort noch etwa 30 Schwerverletzte intensivmedizinisch betreut.
Behandlung der Verletzten auch in Deutschland
Mehrere der bei der Silvesterveranstaltung im Schweizer Skiort Crans-Montana schwer verletzten Brandopfer sollen zur weiteren Behandlung in das Unfallkrankenhaus Berlin gebracht werden. Nach Angaben von Kliniksprecher Hans-Christian Bustorf gegenüber der Deutschen Presse-Agentur ist vorgesehen, dass am Samstag drei Patienten dort eintreffen. Zuvor hatte der Nachrichtensender Welt TV über die geplante Verlegung berichtet.
Insgesamt liegen laut Krankenhausangaben rund 40 Hilfeersuchen aus Crans-Montana für Behandlungen in deutschen Kliniken vor. Einige Verletzte werden bereits in Einrichtungen in Stuttgart, Tübingen und Ludwigshafen behandelt.
Auch andere europäische Staaten unterstützen: Belgien nimmt zunächst vier schwer verletzte Jugendliche auf, insgesamt sind sieben Plätze zugesagt. Frankreich hat bereits drei Verletzte nach Lyon und Paris verlegt und zusätzlich 19 Krankenhausbetten bereitgestellt. Polen erklärte sich bereit, bis zu 14 Patientinnen und Patienten zu übernehmen. Unterstützung sagten zudem Nordmazedonien und Kroatien zu.
Beileid aus dem In- und Ausland
Weltweit bekundeten Politiker ihr Mitgefühl. Papst Leo XIV sandte ein Beileidstelegramm an den Bischof von Sitten und sprach den Familien der Opfer sowie der gesamten Schweiz sein Mitgefühl aus. Er versicherte den Verstorbenen und Überlebenden seine Gebete.
Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen äußerte sich auf der Plattform X. Sie zeigte sich tief betroffen und erklärte, die Europäische Union stehe in engem Kontakt mit den Schweizer Behörden, um medizinische Hilfe über den EU-Katastrophenschutzmechanismus zu leisten. Europa stehe in voller Solidarität mit der Schweiz.
Auch aus Deutschland kamen Beileidsbekundungen. Friedrich Merz schrieb auf der Plattform X: "Ein Moment der Freude ist in Crans-Montana, Schweiz, in eine Tragödie umgeschlagen. Diese Ereignisse sind zutiefst erschütternd. Unsere Gedanken sind bei den Betroffenen und ihren Angehörigen. Den Verletzten wünschen wir eine schnelle und vollständige Genesung."
Der Präsident der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Guy Parmelin, rief fünf Tage Staatstrauer aus. Eine offizielle Gedenkzeremonie für die Opfer ist für den 9. Januar angekündigt.