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Deutscher Nachrichtendienst: "Sanktionen gegen Russland wirken"

Laut einer Auswertung des deutschen Nachrichtendienstes steht es um die russische Wirtschaft langfristig schlecht.
Laut einer Auswertung des deutschen Nachrichtendienstes steht es um die russische Wirtschaft langfristig schlecht. Copyright  AP Photo
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Von Zara Riffler
Zuerst veröffentlicht am
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Laut einer Auswertung des Bundesnachrichtendienstes (BND) entfalten die Sanktionen gegen Russland "weitreichende Wirkung". Russland würde Zahlen "schönen". Dies würden geheimdienstliche Erkenntnisse zeigen.

Am Mittwoch veröffentlichte der deutsche Auslandsgeheimdienst eine Analyse, wie stark die Sanktionen gegen Russland wirken würden.

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Allerdings gilt es bei der Bewertung der Zahlen zu beachten: Die Auswertung beruht allein auf Informationen des Bundesnachrichtendienst (BND). Die deutsche Regierung hat wie andere westliche Regierungen das Interesse, die Wirksamkeit zu betonen. In den wesentlichen Punkten des Papiers stimmen die Resultate allerdings überein und sind plausibel bis überprüfbar.

Laut der BND-Auswertung:

  • Die Sanktionen wirken im fünften Kriegsjahr 2026 deutlich
  • Fast alle Sektoren der russischen Wirtschaft zeigen Negativentwicklungen
  • Russland verkauft Öl mit hohem Abschlag zum Weltmarktpreis
  • Indien hat seine Ölimporte aus Russland auf US-Druck stark reduziert
  • Extraterritoriale US-Sanktionen lassen Öl- und LNG-Einnahmen massiv einbrechen
  • Das offizielle Haushaltsdefizit 2025 ist geschönt
  • Die Ölwirtschaft leidet unter hoher Steuerlast, Drohnenangriffen und Sanktionen

Deutscher Geheimdienst wirft Putin "geschönte Zahlen" vor

Laut dem Bericht des Bundesnachrichtendienstes schönt Russland die Zahlen, um schmerzhafte Einbußen zu vermeiden (verbergen?): "Dem BND liegen nachrichtendienstliche Erkenntnisse vor, wonach das Defizit des föderalen Haushalts für 2025 um ca. 26 Prozent höher ausfällt als offiziell angegeben, und damit knapp 3,6 Prozent des BIP entspricht".

Die Sanktionen machen Russland wirtschaftlich schwere Probleme.
Die Sanktionen machen Russland wirtschaftlich schwere Probleme. AP Photo

Dieses höhere reale Defizit wird in der Analyse direkt mit den Kosten des Angriffskrieges gegen die Ukraine verknüpft. Es zeige "die wahren Kosten", die der Kreml "billigend in Kauf" nehmen würde und "über Jahre nachwirken werden".

Höherer Abschlag beim Ölverkauf

Besonders der Punkt des Ölverkaufs im BND-Papier trifft zu. Der Nachrichtendienst behauptet: "Dank der westlichen Sanktionen muss Russland sein Öl mit erheblichem Abschlag zum Weltmarktpreis verkaufen". Der BND beschreibt den Abschlag nicht mit einer konkreten Zahl.

Tatsächlich ist der hohe Abschlag beim Verkauf russischen Öl in erster Linie eine direkte Folge der westlichen Sanktionen. Das bestätigen aktuelle Marktberichte und -analysen.

Denn: Russland verkauft sein Öl (Urals) heute billiger als das normale Welt-Öl (Brent). Das ist der sogenannte Abschlag (Rabatt). Der Transport für Diktator Wladimir Putin ist nun sehr teuer geworden. Schiffe fahren längere Strecken, sind alt und müssen teuer versichert werden.

An russischen Export-Häfen (wenn das Öl gerade aufs Schiff geladen wird) liegt Urals oft bei 28–30 USD pro Barrel unter Brent. Brent liegt teils bei bis zu 30,62 USD Anfang März 2026 - das ist der tiefste Stand seit April 2023. Bedeutet: Russland verdient beim Start am Hafen extrem wenig durch großen Rabatt. Der Urals-Preis am Exportpunkt liegt häufig nur bei 40-44 US-Dollar pro Barrel, während Brent um 70-82 USD schwankt.

Wenn das Öl dann in Asien ankommt, schrumpft der Rabatt. Also ist der Preis, den der Käufer zahlt, höher – weil die teure Fahrt dazukommt. Aber: Russland hat trotzdem weniger Geld pro Barrel als früher, weil sie den Rabatt plus Transportkosten schlucken müssen.

Die wichtigen Sanktionen, die zu hohem Discount führen: EU-Importverbot Dezember 2022, G7-Preisdeckel Dezember 2022, Sanktionen von USA, EU und UK gegen Schattenflotte, US-Sanktionen gegen russische Ölkonzerne November 2025, US-Druck auf Indien.

Laut dem Bundesnachrichtendienst führen die Sanktionen nun zu einer schleichenden, strukturellen Zerstörung der russischen Wirtschaft.
Laut dem Bundesnachrichtendienst führen die Sanktionen nun zu einer schleichenden, strukturellen Zerstörung der russischen Wirtschaft. AP Photo

US-Sanktionen "lassen Einnahmen stark einbrechen"

"Es sind vor allem die extraterritorial wirkenden US-Sanktionen, die die Einnahmen Russlands aus Öl- und LNG-Exporten stark einbrechen lassen“, analysiert der Bundesnachrichtendienst.

Und "Indien – neben China der letzte verbliebene Großkunde – hat seine Ölimporte auf US-Druck bereits erheblich reduziert", heißt es weiter im BND-Papier.

Russland verkauft Öl belegbar deutlich billiger als üblich, weil die Sanktionen der USA dies erzwingen. Indien kauft viel weniger russisches Gas aufgrund des Drucks der USA mit Drohungen von Strafen und Zöllen.

Dadurch brechen die Einnahmen aus Öl und LNG (verflüssigtem Erdgas) enorm ein. Für Russlands Finanzen muss dies ein großer Schlag sein.

"Alle Sektoren weisen Negativentwicklung auf"

Besonders hart ist die Einschätzung des BND bezüglich der Gesamtwirtschaft Russlands infolge der Sanktionen: "Nahezu alle Sektoren der russischen Volkswirtschaft weisen eine Negativentwicklung auf."

Russland stehe laut dem deutschen Geheimdienst vor Langzeitfolgen. "Sollte umfassendes Gegensteuern ausbleiben, werden dadurch die Strukturprobleme der sehr stark vom Energiesektor abhängigen russischen Wirtschaft langfristig vertieft und drohen chronisch zu werden". Mehr noch: "Die Zukunftsfähigkeit der russischen Wirtschaft erodiert immer weiter."

In der Auswertung schreiben die Nachrichtendienstler zudem: "Das Kalkül Putins, Russland zu alter Größe zurückzuführen, kann so nicht aufgehen."

Zusammenfassend würde dies bedeuten: dass die gesamte russische Wirtschaft nicht nur rückwärtgehen, sondern die Sektoren schrumpfen und stagnieren. Die Abhängigkeit vom Energiesektor macht in der Realität zudem alles schlimmer: Wenn Öleinnahmen weiter einbrechen, werden die Probleme dauerhaft und nicht mehr heilbar. Die Wirtschaft verliert langfristig ihre Lebensfähigkeit, auch weil Russland für viele Investoren extrem riskant geworden ist.

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