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Kontrollen nach Crans-Montana: Behörden schließen Dutzende Lokale in Frankreich

ILLUSTRATIONSFOTO - Seit der Tragödie in der Schweiz führt der Staat vermehrt Kontrollen in Bars und Festlokalen durch, insbesondere in den Untergeschossen.
ILLUSTRATIONSFOTO - Seit der Tragödie in der Schweiz führt der Staat vermehrt Kontrollen in Bars und Festlokalen durch, insbesondere in den Untergeschossen. Copyright  AP Photo/Bernat Armangue
Copyright AP Photo/Bernat Armangue
Von Sophia Khatsenkova
Zuerst veröffentlicht am
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Seit der Tragödie von Crans-Montana kontrolliert der Staat Bars und Festlokale strenger, vor allem Untergeschosse. Euronews sprach mit Betreibern über Umbauten, Bürokratie und die Angst vor Schließungen.

In einer Keller-Tanzbar im Zentrum von Paris flackern auf jedem Tisch noch Kerzen. Die Kellner zwängen sich zwischen dicht gedrängten Gästen hindurch und streifen dabei beinahe die brennbare Dekoration. Als einziger Notausgang dient eine schmale Metalltreppe.

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Am Eingang seufzt der Türsteher: "Es nervt mich, sie hören nicht auf mich. Seit dem Brand in Crans-Montana hat sich hier nichts geändert."

Die Szene steht exemplarisch für die anhaltenden Sicherheitsmängel in manchen Nachtlokalen – Wochen nach dem verheerenden Brand im Schweizer Crans-Montana, bei dem 41 Menschen ums Leben kamen.

In Frankreich haben die Behörden ihre Kontrollen von Einrichtungen mit Publikumsverkehr (ERP), insbesondere Bars und Veranstaltungslokalen, inzwischen deutlich verschärft. Nach Angaben des Innenministeriums wurden 443 Betriebe in 78 Départements überprüft. Wie aus einer Euronews vorliegenden Mitteilung hervorgeht, stellten die Kontrolleure in 195 Fällen Mängel fest. 45 Betriebe wurden vorübergehend administrativ geschlossen.

Allein in Paris kontrollierte die Präfektur seit dem 1. Januar 164 Lokale. Für 21 Veranstaltungssäle mit Untergeschoss wurde eine negative Stellungnahme abgegeben. Wiederkehrende Probleme sind fehlende oder ungeeignete Alarmanlagen, mangelhafte Sicherheitsbeleuchtung, versperrte oder überfüllte Notausgänge, nicht vorschriftsmäßige Türen sowie Dekorationen und Materialien ohne Nachweis ihres Brandverhaltens.

Nach Angaben der Pariser Präfektur musste bislang jedoch keines der dort beanstandeten Lokale geschlossen werden.

Lokalbetreiber in Angst wegen möglicher Schließungen

Vor Ort betonen einige Betreiber, sie hätten bereits nachgebessert. Andere – wie in dem Pariser Kellerlokal – scheinen trotz möglicher unangekündigter Kontrollen weiterzumachen wie bisher.

Für viele Betriebe, die vom Nachtgeschäft leben, wird die Einhaltung der Vorschriften zu einem Wettlauf gegen die Zeit.

So erging es Virginie, Betreiberin der Bar "FullMoon" in Lille. In der Nacht zum 12. Februar führten Stadt und Präfektur des Départements Nord eine unangekündigte Kontrolle durch. Die Bar wurde wegen "schwerer und unmittelbarer Gefahr" umgehend geschlossen.

Die Angehörigen der Opfer legen in Crans-Montana eine Schweigeminute ein, um der Opfer des tödlichen Brandes zu gedenken.
Die Angehörigen der Opfer legen in Crans-Montana eine Schweigeminute ein, um der Opfer des tödlichen Brandes zu gedenken. AP Photo

Virginie berichtet, die Behörden hätten das Fehlen einer vorgeschriebenen Alarmanlage sowie Mängel an Elektroinstallation und Dekoration beanstandet. "Ich wusste nicht, dass eine Alarmanlage Pflicht ist, darüber wurde ich nie informiert. Die Elektroinstallation habe ich inzwischen komplett erneuert. Für die Dekoration habe ich alle Nachweise vorgelegt, dass sie feuerfest ist", schreibt sie per SMS.

Für sie steht die Sicherheit der Gäste an erster Stelle – auch wenn die Sanktionen hart sind: "Das ist eine große Investition. Der gesamte Cashflow, den ich erwirtschaftet habe, fließt nun in die Anpassung an die Vorschriften und wird vermutlich nicht ausreichen. Es ist eine schwierige Zeit, aber ich sehe es als notwendigen Schritt, um die Bar sicher neu aufzustellen."

Tausende Euro für Nachbesserungen

Gleichzeitig wünscht sie sich mehr Unterstützung: "Ich verstehe die Aufgabe der Behörden. Trotzdem wäre mir Begleitung lieber gewesen als Bestrafung."

Auch im Département Ain führten unangekündigte Kontrollen zu Schließungen. In Bourg-en-Bresse wurde die Bar "La Place Rouge" Ende Januar sofort dichtgemacht. Betreiber Serge Sadefo zählt die Mängel auf: "Ein Tisch stand vor dem Notausgang, die Batterie im Feueralarm war defekt, und ich musste mein Sicherheitsbuch aktualisieren."

Bereits bei einer Kontrolle im Juni 2025 seien Punkte beanstandet worden, räumt er ein: "Einige habe ich umgesetzt, aber nicht alle."

Die Nachbesserungen kosten ihn nach eigenen Angaben zwischen 6.000 und 7.000 Euro. Er hofft auf eine baldige Wiedereröffnung, doch die Schließung belastet ihn: "Es geht mir nicht gut. Solange mein Lokal geschlossen ist, verliere ich Geld."

Sollte sich die Situation hinziehen, fürchtet er um seine Existenz: "Wir haben keine Begleitung, keine Unterstützung. Wenn das so weitergeht, muss ich irgendwann endgültig schließen." Andere Betreiber setzen bewusst auf Prävention, um eine Schließung zu vermeiden.

Nahe Valence im Département Ardèche zeigt sich Maxime Ogier, Mitbetreiber der Bar "Numéro 5", tief betroffen vom Unglück in der Schweiz: "Es hat mich wachgerüttelt. Ich habe mich gefragt: Bin ich auf dem richtigen Weg?" Sein erster Schritt sei gewesen, sich an die Stadtverwaltung zu wenden.

Dabei stellte sich heraus, dass unter anderem ein Notausgang dringend ausgetauscht werden musste – ein Mangel, der zur Schließung hätte führen können. Die Arbeiten ließ er noch vor der Kontrolle erledigen. Sein Betrieb blieb geöffnet.

Ganz abgeschlossen sind die Investitionen dennoch nicht: "Ich muss mit einem Architekten einen Antrag für ERP-Arbeiten stellen und meine Alarmanlage austauschen. Allein der neue Alarm kostet zwischen 3.000 und 4.000 Euro."

Oft sind es scheinbar kleine Details, die entscheidend werden können – besonders dann, wenn ein Saal voll ist und im Ernstfall innerhalb weniger Minuten evakuiert werden muss.

Zugleich beobachtet Ogier, dass viele Gäste kaum wissen, worauf sie achten sollten, um sich sicher zu fühlen. Zwar hätten ihn einige seit dem Drama gefragt, ob alles den Vorschriften entspreche. "Aber das geschieht in einem wohlwollenden Ton", sagt er.

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