Der Grüne Cem Özdemir gewinnt die Landtagswahl in Baden-Württemberg knapp vor CDU-Herausforderer Manuel Hagel. Auch die AfD geht mit einem deutlichen Gewinn aus der Landtagswahl.
Der Spitzenkandidat der Grünen, Cem Özdemir, hat die Landtagswahl in Baden-Württemberg knapp gewonnen. Laut dem vorläufigen amtlichen Ergebnis konnte er 30,2 % der Stimmen auf sich vereinen – trotz kleiner Verluste von 1,4 Prozentpunkten.
Für den Koalitionspartner CDU unter Herausforderer Manuel Hagel reichte es mit 29,7 % nur zum zweiten Platz. Hagel konnte jedoch im Vergleich zur Wahl 2021 deutlich zulegen: Er gewann 5,6 Prozentpunkte hinzu (damals 24,1 %).
Drittstärkste Kraft wurde die AfD mit 18,8 %. Auch für sie ist das Ergebnis ein Erfolg: Im Vergleich zu 2021 erzielte die Partei ein Plus von über 9 Prozentpunkten. Die SPD kam auf 5,5 %, während FDP und Linke mit jeweils 4,4 % den Einzug in den Landtag verpassten.
Voraussichtlich werden die Grünen erneut ein Bündnis mit der CDU anstreben. Neuer Ministerpräsident könnte Cem Özdemir, ehemals Landwirtschaftsminister, werden. Wie sein Vorgänger Winfried Kretschmann gilt er als Vertreter des pragmatischen Realo-Flügels von Bündnis 90/Die Grünen.
Özdemir rief die Christdemokraten bereits zur Fortsetzung der Zusammenarbeit auf und verwies auf die Erfolge der vergangenen Regierungsjahre, auf denen man aufbauen solle. Vor der Wahl betonte er zudem: "Ich will offen sein für Ideen aus der Breite der Gesellschaft – über Parteigrenzen hinweg. Entscheidend ist: Was bringt Baden-Württemberg voran?" Zudem sprach er sich für Bürokratieabbau, Verwaltungsmodernisierung und Digitalisierung aus.
Der Grünen-Bundesvorsitzende Felix Banaszak wertete das Wahlergebnis als Rückenwind und einen guten "Start in dieses Superwahljahr": Mit den Grünen sei in Baden-Württemberg zu rechnen. AfD-Spitzenkandidat Markus Frohnmaier hob angesichts des starken Abschneidens seiner Partei ihre neue Rolle als wichtigste Oppositionskraft hervor.
Die CDU, die unter Manuel Hagel auf das Amt des Ministerpräsidenten gehofft hatte, setzte bis zum Abend noch auf "ein kleines Wunder", so CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann in der ARD angesichts des knappen Vorsprungs der Grünen.
Nach dem bitteren Absturz kündigte SPD-Landtagsfraktionschef Andreas Stoch seinen Rücktritt an, berichtet die dpa. 2021 hatte die SPD noch 11 % erzielt. Mit einem Minus von 5,5 Prozentpunkten erreichte sie ihr historisch schlechtestes Ergebnis in Baden-Württemberg. SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf bezeichnete das Ergebnis als "sehr bitter" und führte den Grund auf den Zweikampf zwischen Grünen und CDU zurück, so die Tagesschau.