Die Golfstaaten reagieren auf iranische Raketen- und Drohnenangriffe mit modernen Luftabwehrsystemen. Offizielle Leitfäden erklären die Luftabwehrmaßnahmen, und wie die Bevölkerung sich verhalten sollte.
Die Golfstaaten leben seit den amerikanisch-israelischen Angriffen auf den Iran in einer neuen Realität: Plötzliche Explosionen, grelle Blitze am Himmel und Sirenen sind für Menschen in Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien, Kuwait, Bahrain und Oman jetzt Teil des Alltags.
Behörden und Medien haben Leitfäden veröffentlicht, um Bevölkerung und Touristen über die Luftabwehrmaßnahmen zu informieren und Schutzverhalten zu erklären.
Die Medien in Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten veröffentlichten in kürzester Zeit visuelle und informative Leitlinien, damit die Menschen besser verstehen, was passiert, und wissen, wie sie sich schützen können.
Was sind das für Geräusche, die man am Himmel hören kann?
In den Leitlinien erklären die Behörden, die lauten "Dröhngeräusche", die sie seit Beginn des Krieges zu hören sind, seien die Geräusche der Luftabwehr, die die ankommenden Raketen und Drohnen abfängt.
Je nachdem, wo man sich befindet, kann das Geräusch sehr laut sein und sogar Schockwellen aussenden und Gebäude zum Wackeln bringen.
Die Golfstaaten verfügen über einige der modernsten und leistungsfähigsten Luftabwehrsysteme, die Bedrohungen aus der Luft aufspüren und zerstören können, bevor sie ihr Ziel erreichen, einschließlich Drohnen und Raketen.
Sollte die Öffentlichkeit besorgt sein?
In den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien und Katar wurden viele ankommende Luftziele von Patriot-Batterien mit großer Reichweite abgefangen, einem der modernsten und kampferprobten Boden-Luft-Raketenabwehrsysteme der Welt.
Patriot ist nach wie vor eines der wichtigsten Instrumente zur Abwehr ballistischer Raketen und damit eines der beliebtesten und begehrtesten Systeme der Welt.
Offiziellen Stellen am Golf zufolge sind die Luftabwehrsysteme so konzipiert, dass sie Bedrohungen möglichst weit entfernt von bewohnten Gebieten abfangen, da sie Raketen kurz nach dem Start aufspüren, verfolgen und Abfangjäger so steuern, dass sie vor dem Einschlag zerstört werden.
Die meisten Abfangvorgänge finden mehrere Kilometer über dem Boden statt. Ziel ist es, die Bedrohung zu neutralisieren, lange bevor sie ihr Bodenziel erreicht.
Sobald Patriots oder andere Luftabwehrsysteme in Betrieb sind, sind laute Explosionen zu hören und Blitze am Himmel zu sehen.
Wie schnell sind diese Raketen und wie groß sind sie?
Ballistische Raketen gehören zu den schnellsten Waffen der modernen Kriegsführung.
Ballistische Kurz- und Mittelstreckenraketen können Geschwindigkeiten von etwa 3 km/s erreichen, also etwa das Achtfache der Schallgeschwindigkeit.
Ballistische Raketen werden für eine kurze Startphase angetrieben und bewegen sich dann auf einer gekrümmten Flugbahn, auf der sie in wenigen Minuten Hunderte von Kilometern zurücklegen.
Luftabwehrsysteme haben daher nur ein kurzes Zeitfenster, um die Bedrohung zu erkennen, ihre Flugbahn zu berechnen und einen Abfangjäger zu starten.
Marschflugkörper, sogenannte Cruise Missiles, haben eine andere niedrige und flache Flugbahn. Sie bewegen sich in der Regel mit Unterschallgeschwindigkeiten von etwa 800 bis 900 Kilometern pro Stunde und fliegen oft tief über dem Boden, um eine Radarerfassung zu vermeiden.
Ballistische Raketen können recht groß sein. Viele Kurz- und Mittelstreckenraketen sind zwischen acht und 12 Meter lang, was in etwa der Größe eines Kleinbusses entspricht.
Marschflugkörper sind kleiner, in der Regel etwa fünf bis sieben Meter lang, und sind so konzipiert, dass sie näher am Boden fliegen.
Abfangraketen in Luftabwehrsystemen sind mehrere Meter lang. Die Patriot-Abfangraketen sind etwa fünf Meter lang, während die THAAD-Abfangraketen länger und für größere Höhen ausgelegt sind.
Das iranische Drohnenarsenal
Neben Raketen hat der Iran auch eine große Flotte unbemannter Luftfahrzeuge entwickelt, die für Langstreckenflüge geeignet sind.
Eine der bekanntesten ist die Shahed-136. Dabei handelt es sich um eine Loitering-Munition, die auf ein Ziel zufliegt und beim Aufprall explodiert. Diese UAVs sind bis zu 3,5 Meter lang und haben eine Flügelspannweite von 2,5 Metern.
Die Drohne ist mit einem dreieckigen Flügel und einem kleinen Heckmotor ausgestattet und hat eine geschätzte Reichweite von bis zu 2.000 Kilometern und eine Geschwindigkeit von 150 bis 190 Kilometern pro Stunde.
Eine kleinere Variante, die Shahed-131, hat ein ähnliches Design, aber eine geringere Reichweite.
Der Iran setzt auch die Mohajer-6 ein, eine größere Drohne zur Überwachung und für Angriffe. Sie kann Lenkmunition tragen und lange in der Luft bleiben.
Drohnen sind günstiger als ballistische Raketen, weshalb sie manchmal in großer Zahl und in Wellen eingesetzt werden.
Da die Golfstaaten meist mit teuren und hochentwickelten Luftabwehrsystemen arbeiten, haben sie die Drohnen vom Typ Shahed, die ebenfalls viel billiger als Raketen sind, oft nicht abgefangen.
Wie weit entfernt können Drohnen und Raketen entdeckt werden?
Moderne Luftabwehrsysteme, die in der gesamten Golfregion eingesetzt werden, sind darauf ausgelegt, Bedrohungen zu erkennen, lange bevor sie sich Städten oder kritischen Infrastrukturen nähern.
Ballistische Raketen, Marschflugkörper und Langstreckendrohnen werden mit einer Kombination aus Bodenradar, Satellitenwarnsystemen und regionalen Verteidigungsnetzen aufgespürt. Zusammen können diese Systeme einen Start innerhalb von Sekunden erkennen und die Flugbahn der Waffe berechnen.
Frühwarnsatelliten können die Wärmesignatur des Starts einer ballistischen Rakete fast sofort erkennen. Während die Rakete höher steigt, beginnen leistungsstarke Bodenradare mit ihrer Verfolgung.
Radare wie das AN/TPY-2-System - ein X-Band-Radar, das zur Erkennung und Verfolgung von Raketen eingesetzt wird -, das beim THAAD zum Einsatz kommt, können ballistische Raketen je nach Höhe und Bedingungen in Entfernungen von bis zu 1.000 Kilometern erkennen.
Warum mehrschichtige Verteidigungssysteme wichtig sind
Verschiedene Waffen bewegen sich mit sehr unterschiedlichen Geschwindigkeiten und in verschiedenen Höhen.
Ballistische Raketen bewegen sich extrem schnell und erreichen große Höhen, bevor sie in Richtung ihres Ziels sinken. Marschflugkörper und Drohnen sind langsamer und fliegen in der Regel niedriger, um nicht vom Radar erfasst zu werden.
Aus diesem Grund setzen die Golfstaaten mehrere integrierte Luftabwehrsysteme ein: Einheiten in großer Höhe fangen ballistische Raketen bereits im Sinkflug ab, während Einheiten in geringer Höhe Drohnen und Marschflugkörper in Bodennähe ins Visier nehmen.
Gelingt es einem System nicht, die Bedrohung abzufangen, hat ein anderes eine zweite Chance, sie zu zerstören, bevor sie ihr Ziel erreicht.
Für die Menschen am Boden sind die Blitze und das plötzliche Dröhnen am Himmel oft das einzige sichtbare Zeichen einer rasanten Verteidigungsschlacht, die sich weit über dem Golf abspielt.