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Vom Jäger zum Gejagten: Diese neue Drohne fängt feindliche Drohnen ein

Eine abgefangene Drohne, 28.05.2026
Eine abgefangene Drohne, 28.05.2026 Copyright  Johanna Urbancik/ Euronews
Copyright Johanna Urbancik/ Euronews
Von Johanna Urbancik
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Flughäfen, Kasernen, kritische Infrastruktur: Drohnensichtungen nehmen zu. Euronews war bei einer exklusiven Vorführung eines Systems dabei, das diese Flugobjekte einfangen statt zerstören soll.

Circa eine Stunde lang stand am Samstagmorgen am Münchner Flughafen alles still. Der Grund: eine mutmaßliche Drohnensichtung. Berichten zufolge konnten etwa 26 Maschinen in dieser Zeit nicht landen und wurden umgeleitet. Auch bei Abflügen kam es zu Verspätungen.

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Drohnensichtungen dieser Art sind nichts Neues, allein in den ersten drei Monaten des Jahres wurden laut der Deutschen Flugsicherung 37 Drohnen an deutschen Flughäfen registiert. Zudem ist unbekannt, woher die Flugobjekte kommen, da bislang noch keine eingefangen werden konnte. So könnte es sich demnach um sogenannte "feindliche" Spionageflugobjekte handeln, aber auch um Hobbydrohnen.

Um die Herkunft einer Drohne zu bestätigen, muss jedoch entweder das Gerät intakt gefangen werden, oder der Pilot gefasst werden.

Drohnenjäger mit Radar und Fangnetz

Das deutsche Unternehmen Argus Interception hat dafür in Zusammenarbeit mit der US-amerikanischen Firma Echodyne eine Lösung entwickelt: eine Drohne, die mithilfe eines Radars auf Drohnenjagd geht, um so das unbekannte Flugobjekt mithilfe eines Netzes einzufangen. Ziel der A1-Falke ist es, die Drohne möglichst unbeschädigt zu sichern, um Kollateralschäden durch herabfallende Trümmer zu vermeiden und das Fluggerät anschließend untersuchen zu können. Um das gegnerische Gerät einzufangen, hat die Drohne zwei Netzladungen und kann somit einen zweiten Fangversuch starten, falls der erste misslingt.

Das Einfangen der Drohne mit dem Netz
Das Einfangen der Drohne mit dem Netz Johanna Urbancik/ Euronews

Bei einer exklusiven Präsentation vor ausgewählten Journalisten, darunter auch Euronews, haben Argus Interception und Echodyne die Drohnenjagd gezeigt.

Auf einem Übungsplatz in der Nähe von Hamburg fliegt eine feindliche Drohne über die Wiese, die dann von dem A1 Falke gejagt wird. Nach einer kurzen Verfolgungsjagd hört man ein schussähnliches Geräusch und das Flugobjekt befindet sich in den Fängen der Jagddrohne. Ins Netz gegangen!

Im Gespräch mit Euronews erklärt Sven Steingräber, Mitgründer und Geschäftsführer im Bereich Vertrieb und Marketing von Argus Interception, dass das System insbesondere für Umgebungen gedacht ist, in denen ein Abschuss nicht infrage kommt, so wie etwa in der Nähe von Flughäfen, kritischer Infrastruktur oder in urbanen Gebieten.

"Wir sind letztendlich dafür angetreten, weil wir die Fähigkeitslücke gesehen haben", erklärt Steingräber. Dabei gehe es auch darum, "verhältnismäßig letztendlich auf eine Drohne" zu wirken. Denn, das Ziel sei die Vermeidung von Kollateralschäden und herunterfallenden Teilen. Genau das solle das Netzsystem ermöglichen. "Wir sind in der Lage, die Drohne einzufangen, abzutransportieren und dort abzulegen, wo wir es letztendlich möchten", ergänzt Steingräber. "Und so vermeiden wir Schäden Unbeteiligter oder einfach Materialschäden." Gerade in dicht besiedelten Gebieten spiele das eine wichtige Rolle.

Steingräber und Frankenberg in der Argus Interception Fabrik
Steingräber und Frankenberg in der Argus Interception Fabrik Johanna Urbancik/ Euronews

Wie funktioniert das System?

Vereinfacht gesagt: Echodyne liefert die Augen des Systems, Argus den Greifarm. So soll eine Drohne zunächst aufgespürt und anschließend kontrolliert gesichert werden.

Innerhalb desselben Systems übernehmen die beiden Firmen Argus Interception und Echodyne unterschiedliche Aufgaben: Während Echodyne mit seinen Radaren den Luftraum überwacht und verdächtige Flugobjekte erkennt, übernimmt die Abfangdrohne A1-Falke von Argus den eigentlichen Abfangeinsatz.

Das größere Radar "EchoShield" erkennt zunächst eine Drohne, die in den überwachten Bereich einfliegt, verfolgt sie mit hoher Präzision und übermittelt die Daten an die Einsatzzentrale, erklärt Echodyne-CEO Eben Frankenberg im Gespräch mit Euronews. Daneben komme das kleinere Radar "EchoGuard" zum Einsatz, das dieselbe Aufgabe auf kürzere Entfernungen übernehme.

Sobald eine Zieldrohne identifiziert wurde, werde ihre Position an das Abfangsystem übermittelt. Auf der Abfangdrohne selbst befinde sich zudem das Radar "EchoFlight", das die Zieldrohne während des Anflugs verfolgt und es der A1-Falke ermöglicht, ihrem Ziel bis zum Fangmanöver zu folgen.

Echodyne CEO Eben Frankenberg neben einem Radarsystem
Echodyne CEO Eben Frankenberg neben einem Radarsystem Johanna Urbancik/ Euronews

Die A1-Falke verfolgt daraufhin das Flugobjekt und versucht, es mit einem Netz einzufangen. Dafür ist die Drohne mit zwei Netzen ausgestattet. Geflogen wird die Drohne am Boden von einem Piloten. Künstliche Intelligenz dient hier zur Hilfe, die Entscheidungen werden jedoch von einem Menschen getroffen.

Wer darf Drohnen vom Himmel holen?

Im Gespräch mit Euronews betont Steingräber, dass viele immer noch denken, dass eine Drohne, die über einem Gebäude fliegt, erstmal keinen Schaden anrichten würde. "Moderne Kriege fangen oftmals nicht mit dem ersten Schuss an, sondern mit dieser Informationsgewinnung. Dass diese kritischen Informationen vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt eine große Wirkung haben können, dessen sind sich viele gar nicht bewusst", erklärt er.

"Solche Drohnenüberflüge über kritische Infrastrukturen können ein großes Nachspiel haben. Handlungsabläufe werden gefilmt, Versorgungswege und kritische Punkte für den Gegner evaluiert, sodass er im Falle eines Falles gezielt zuschlagen kann, weil er die Informationen hat."

Drohnensichtungen über kritischer Infrastruktur, wqie Flughäfen oder auch Bundeswehrstandorten häufen sich seit Russlands völkerrechtswidrigen Angriffskrieg auf die Ukraine im Jahr 2022. Rechtlich war die Polizei verantwortlich, die Drohnen vom Himmel zu holen.

Die Bundeswehr durfte sich lediglich um die Drohnen über den eigenen Liegenschaften kümmern. Vergangenes Jahr wurde deswegen das Luftsicherheitsgesetz geändert. Die Hauptverantwortung liegt zwar immer noch bei der Polizei, doch darf die Bundeswehr helfen, wenn die Länder oder zuständigen Behörden Amtshilfe anfordern und die vorhandenen Mittel nicht ausreichen.

Radar und Drohne, in der Nähe von Hamburg, 28.05.2026
Radar und Drohne, in der Nähe von Hamburg, 28.05.2026 Johanna Urbancik/ Euronews

Kritiker der aktuellen Regelungen argumentieren jedoch, dass Betreiber kritischer Infrastruktur bislang nur begrenzte Möglichkeiten haben, auf unerlaubte Drohnenflüge zu reagieren. Sie plädieren dafür, ihnen künftig den Einsatz entsprechender Abwehrsysteme zu ermöglichen, wie beispielsweise mit der Argus-Abfangdrohne.

Da diese keine scharfe Munition trägt und somit auch nicht als Waffe gilt, können Betreiber die Drohne starten, das eindringende Flugobjekt selber vom Himmel holen und untersuchen lassen.

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