Etwa 40 Prozent der von Renault im letzten Jahr in Europa verkauften Fahrzeuge waren noch mit Verbrennungsmotoren ausgestattet.
Der französische Autobauer Renault will den Verkauf von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor in Europa bis 2030 beenden. Der Konzern stellte am Dienstag seinen Strategieplan für die Jahre 2026 bis 2030 vor und kündigte dabei an, künftig vollständig auf elektrifizierte Modelle zu setzen.
Zugleich soll eine neue Plattform für Elektrofahrzeuge in Zusammenarbeit mit Google entstehen. Mit dem neuen Mehrjahresplan peilt Renault zudem deutlich höhere Absatzzahlen an. Bis 2030 soll der Verkauf von Fahrzeugen der Kernmarke um fast 23 Prozent steigen – auf rund zwei Millionen Einheiten pro Jahr.
"Bis 2030 strebt die Marke…100 Prozent elektrifizierte Verkäufe in Europa und 50 Prozent außerhalb Europas an", erklärte das Unternehmen. In diese Zielsetzung werden auch Hybridfahrzeuge einbezogen.
Im vergangenen Jahr waren allerdings noch rund 40 Prozent der in Europa verkauften Renault-Modelle ausschließlich mit klassischen Verbrennungsmotoren ausgestattet. Damit passt der französische Hersteller seine bisherige Elektrostrategie an. Ein früheres Ziel aus dem Jahr 2021 sah noch vor, bis 2030 ausschließlich vollelektrische Autos zu produzieren.
Nun sollen auch Hybridmodelle eine größere Rolle spielen. Hintergrund ist unter anderem die schwächere Nachfrage nach rein elektrischen Fahrzeugen als ursprünglich erwartet. Zudem lockerte die EU im Dezember ihr Elektrifizierungsziel für 2035 und öffnete damit auch Hybridtechnologien wieder stärker die Tür. Renault plant daher, Hybridmodelle in Europa auch über das Jahr 2030 hinaus im Programm zu behalten.
"In Europa entwerfen und produzieren"
Die Strategie von Renault unterscheidet sich deutlich von der seines Konkurrenten Stellantis. Der Konzern überraschte Investoren im vergangenen Monat mit der Ankündigung einer Abschreibung von 22 Milliarden Euro (25 Milliarden US-Dollar) auf sein Geschäft mit Elektrofahrzeugen.
Damit räumte das Unternehmen ein, die Bereitschaft der Verbraucher zum Umstieg auf sauberere Autos überschätzt zu haben. Renault-Chef François Provost erklärte hingegen, der Konzern wolle in den kommenden Jahren "in Europa Produkte entwickeln und bauen, die bei Attraktivität, Technologie und Wettbewerbsfähigkeit neue Maßstäbe setzen".
Geplant ist die Einführung von insgesamt 22 neuen Modellen in Europa, darunter 16 vollelektrische Fahrzeuge. Zusätzlich sollen 14 Modelle für internationale Märkte auf den Markt kommen. Nach Marken aufgeschlüsselt strebt Renault bis 2030 einen Absatz von mehr als zwei Millionen Fahrzeugen pro Jahr an. Derzeit liegt der Wert bei rund 1,6 Millionen.
Künftig sollen zudem etwa 50 Prozent der Fahrzeuge außerhalb Europas verkauft werden – derzeit sind es rund 38 Prozent. Auch die günstige Konzernmarke Dacia soll ihre Elektrifizierung deutlich beschleunigen. Bis 2030 sollen zwei Drittel der Verkäufe elektrifiziert sein. Zudem plant die Marke vier Elektroautos im Angebot zu haben – aktuell ist es erst ein Modell.
Das Unternehmen deutete zudem an, seine neue Plattform für Elektrofahrzeuge gemeinsam mit Google entwickeln zu wollen. "Es wird außerdem das erste gemeinsam mit Google entwickelte Fahrzeugbetriebssystem sein, das auf Android basiert", erklärte Renault.
Nach Angaben des Konzerns sollen künftig rund 90 Prozent der Fahrzeugfunktionen per Fernupdate aktualisiert werden können. Dadurch sollen Software-Updates deutlich schneller bereitgestellt werden. Zudem stellt Renault eine ultraschnelle Ladefunktion in Aussicht, mit der sich Batterien in nur zehn Minuten aufladen lassen. Gleichzeitig bleibt das Geschäft mit Elektroautos für den Hersteller bislang weniger profitabel als das mit klassischen Verbrennern.
Die operative Marge sank von 7,6 Prozent im Jahr 2024 auf 6,3 Prozent im vergangenen Jahr und dürfte im kommenden Jahr voraussichtlich weiter auf 5,5 Prozent zurückgehen. Renault erklärte jedoch, das Ziel sei es weiterhin, die operative Marge langfristig in einer Spanne zwischen fünf und sieben Prozent zu halten.