Vor wenigen Tagen wurde der beiden Militärs aus Polen gedacht, die bei der Fremdenlegion waren und inzwischen verstorben sind. Welche Aufgaben hat die mysteriöse Fremdenlegion innerhalb von Frankreichs Armee?
In der Fremdenlegion oder "légion étrangère", die an Kampf-, Antiterror- und anderen Einsätzen in der ganzen Welt teilnimmt, dienen Freiwillige 150 verschiedener Nationalitäten. Sie sind Zeitsoldaten aus dem nichtfranzösischen Ausland und gehören zu den Streitkräften Frankreichs.
Die Fremdenlegion, die vor allem als Stoßtruppe oder Kampftruppe des Heeres eingesetzt wird, stellt laut dem Verteidigungsministerium in Paris mit rund 9.000 Mann etwa 11 Prozent der französischen Landstreitkräfte (FOT, für "Force opérationnelle terrestre").
Die Fremdenlegion gibt keine Einzelheiten über die Nationalitäten ihrer Soldaten bekannt, um zu verhindern, dass sie mit bestimmten Ländern in Verbindung gebracht werden. "Mehr als 34 % sind Westeuropäer, fast 28 % Slawen, etwa 12 % stammen vom afrikanischen Kontinent, 13 % sind Asiaten, 13 % kommen aus Lateinamerika. 90 % der Legionäre sind Ausländer. Die Frankophonen, hauptsächlich Franzosen, machen 11 % der Rekruten aus. Die Anwesenheit einer Mindestanzahl an Frankophonen in der Truppe trägt zum Französischlernen bei, was für das Verständnis der Befehle unerlässlich ist", teilt das französische Verteidigungsministerium mit.
Eine neue Identität
Doch wie viele Polen dienen in der Fremdenlegion? Ein Soldat erinnert sich in einem Interview mit polnischen Medien daran, dass früher offenbar jeder dritte Legionär ein Pole war. Heute wird ihre Zahl inoffiziell auf mehrere hundert geschätzt.
Offiziell waren in den letzten zwei Jahrzehnten Russen und Ukrainer die stärksten Nationalitäten in der Formation, aber der Krieg in der Ukraine hat diesen Trend geändert. Zuletzt kamen die Rekruten vor allem aus Südamerika und Nepal.
Die Fremdenlegion ist von Legenden umgeben, die zwei Jahrhunderte zurückreichen. Früher schlossen sich ihr Abenteurer und Rebellen an. Es wurde nicht nach der Vergangenheit gefragt, sondern bekamen eine neue Zukunft - fern der Heimat.
Die Truppe gilt weiterhin als ein Ort, an dem man seinen Wurzeln entfliehen kann - und genau das erwartet die Legion auch heute noch von ihren Freiwilligen.
Jeder Soldat erhält bei seinem Eintritt eine neue Identität. Wie ein polnischer Legionär in einem Interview mit dem Portal Wirtualna Polska erklärt, wird "der Name zufällig aus einem französisch-polnischen Wörterbuch ausgewählt".
Die Legionäre leisten den Eid jedoch nicht auf Frankreich, sondern auf die Legion. Daher auch der Slogan der Formation: "Legio Patria Nostra" - "Die Legion ist unser Vaterland".
Die Fremdenlegion ist für ihre harten Bedingungen bekannt. Zunächst einmal sollen die Soldaten nur begrenzten Kontakt zu ihren Angehörigen haben. Laut der offiziellen Rekrutierungsseite ist es Pflicht, die Uniform auch außerhalb des Dienstes zu tragen, wenn sie weniger als fünf Jahre gedient haben. Heiraten können die Soldaten erst, wenn ihr militärischer Status geregelt ist und sie ihr Kommando darüber informiert haben.
Soldaten, die in der Fremdenlegion dienen, berichten in verschiedenen Foren über die niedrige Bezahlung und die harte Behandlung. Als Vorteile des Dienstes betonen viele das Gefühl der Zugehörigkeit und die Freundschaften. Ein weiterer Vorteil ist, dass man nach fünf Jahren die französische Staatsbürgerschaft erhalten kann. Wenn ein Soldat an der Front verwundet wird, verkürzt sich die Wartezeit erheblich.
Polen, die im Einsatz starben
Die Polen der Fremdenlegion dienten unter anderem in Irak, in Afghanistan, Algerien, Korsika oder Französisch-Guayana.
Nach dem Beginn von Russlands Angriffskrieg in der Ukraine gingen Freiwillige aus der ganzen Welt an die Front, und polnische Medien berichteten, dass Frankreich Legionäre dorthin geschickt hätte. Doch das war falsch.
Paris dementierte die Entsendung von Soldaten der Fremdenlegion an die Front in der Ukraine. Es wurden jedoch Ausländer in großer Zahl angeworben, um in der Ukraine gegen Russland zu kämpfen.
Im Januar starb der Pole Kacper Bass, alias der "Franzose", in der Region Charkiw. Er hatte jahrelang in der Fremdenlegion gedient. Der 28-Jährige hatte sich im Alter von 19 Jahren der Fremdenlegion angeschlossen. Er war unter anderem in Guyana stationiert und ging nach seinem Ausscheiden aus der Fremdenlegion der Internationalen Brigade der Territorialverteidigung der Ukraine an.
Ein weiterer Soldat aus Polen, der bei einem Auslandseinsatz starb, war Bogusz Pochylski vom 2. Infanterieregiment der Fremdenlegion. 2016 nahm er an der Operation SENTINEL teil, einer militärischen Anti-Terror-Mission in Frankreich zur Stärkung der inneren Sicherheit. Im Jahr 2018 wurde er in den Irak geschickt, wo er bei einem Sturz in einen Aufzugsschacht ums Leben kam.
Fremdenlegion in der NATO
Die Fremdenlegion ist hauptsächlich als Truppe für "Sonderaufgaben" tätig und gehört formal zur französischen Armee. Ihre Soldaten werden überall dorthin entsandt, wo die französische Regierung sie hinschickt.
Da das Land Mitglied der NATO ist, könnte die Fremdenlegion im Ernstfall auch in Polen eingesetzt werden. Die Legion hat bereits an NATO-Operationen in verschiedenen Ländern teilgenommen - 2022, nachdem Russland den estnischen Luftraum verletzt hatte, führten hundert Soldaten des 2. Foreign Airborne Regiment im Rahmen der Operation Thunder Lynx taktische Übungen in einem von der estnischen Armee besetzten Gebiet durch.
Soldaten der Fremdenlegion waren unter anderem bei Konflikten im Tschad, im Kongo, im Libanon, in Ruanda, Gabun, Kambodscha und Somalia im Einsatz. Außerdem unterstützten sie die französischen Streitkräfte im ehemaligen Jugoslawien und in Afghanistan im Rahmen von UN-Missionen.