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Iran droht Rückschritt um Jahre: Umweltzerstörung gefährdet langfristige Gesundheit

ARCHIV - Dichte Rauchwolke steigt am achten März zweitausendsechsundzwanzig über einem nachts getroffenen Öllager in Teheran im Iran auf.
ARCHIV: Am achten März 2026 steigt eine dichte Rauchwolke aus einem über Nacht getroffenen Öllager in Teheran im Iran auf. Copyright  AP Photo/Vahid Salemi, File
Copyright AP Photo/Vahid Salemi, File
Von Marta Iraola Iribarren mit AP
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Angriffe auf Gasfelder, Atomanlagen und Meerwasserentsalzer setzen giftige Stoffe frei. Sie verseuchen Luft, Boden und Wasser und gefährden die Gesundheit über Jahrzehnte.

Öllager stoßen schwarzen Rauch aus. Trümmer versinken im Persischen Golf. Raketen treffen Militäranlagen.

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Der Krieg gegen Iran setzt einen giftigen Cocktail aus Chemikalien, Schwermetallen und anderen Schadstoffen frei, der Landwirtschaft, Trinkwasser und die Gesundheit der Menschen bedroht. Fachleute warnen, dass die ökologischen Folgen und Gesundheitsrisiken noch jahrzehntelang spürbar sein könnten.

„All das Brennen von Öl- und Gasfeldern an der Küste, all die Schiffe dort, die brennenden oder versenkten Öltanker - all das bedeutet Verschmutzung“, sagte Kaveh Madani, iranischer Wissenschaftler und Direktor des Instituts für Wasser, Umwelt und Gesundheit der Universität der Vereinten Nationen.

„Für jemanden wie mich, der in der Region lange für Nachhaltigkeit und Umweltschutz gekämpft hat, fühlt sich das an wie ein Rückschritt um viele Jahre“, fügte er hinzu.

Das Ausmaß der Schäden zu erfassen, ist äußerst schwierig; eine vollständige Bilanz ist derzeit unmöglich, erklärte Doug Weir, Direktor des Conflict and Environment Observatory, einer in Großbritannien ansässigen Organisation, die Umweltschäden durch bewaffnete Konflikte dokumentiert.

Die Gruppe nutzt Satellitendaten und Informationsquellen aus dem offenen Netz, um Zerstörungen zu identifizieren und Umweltrisiken für Menschen, Ökosysteme und landwirtschaftliche Flächen zu bewerten.

Bislang hat sie mehr als 400 umweltrelevante Vorfälle im Zusammenhang mit dem Krieg erfasst. Vieles ist jedoch weiter unklar, weil Satellitenbilder verzögert eintreffen und Iran weitgehend vom Internet abgeschnitten ist, so Weir.

Freigesetzte Luftverschmutzung birgt massive Gesundheitsrisiken

Zu den eindrücklichsten Bildern des Krieges gehören die verdunkelten Himmel über brennender Öl-Infrastruktur nach Luftangriffen - zuletzt vor zwei Wochen, als in der Nähe von Teheran, der iranischen Hauptstadt, schwarzer Regen niederging.

Winzige Rußpartikel erhöhen das Risiko für Lungen- und Herzkrankheiten. Giftige Chemikalien können langfristig Krebs auslösen, und Schwermetalle aus dem Niederschlag können Böden und Wasserressourcen verseuchen, warnen Expertinnen und Experten.

Ruß, Asche und Schadstoffe aus Angriffen auf Treibstofflager und eine Raffinerie verbanden sich mit Wassertröpfchen in der Atmosphäre und fielen als öliger, saurer Regen zur Erde. Die Behörden riefen die Menschen auf, möglichst in den Häusern zu bleiben.

Trümmerteile und Rückstände von Raketen sowie mögliche Angriffe auf Produktionsstätten und andere Infrastruktur können nach Einschätzung von Fachleuten ebenfalls gefährliche Schadstoffe in der gesamten Region freisetzen.

„Wenn eine Anlage zur Ammoniakproduktion für Dünger oder die Lebensmittelindustrie getroffen wird, gelangen Chemikalien in die Umwelt, die beim Austritt hochgiftig und extrem gefährlich sind“, sagte Mohammed Mahmoud, Leiter für Klima- und Wasserpolitik im Nahen Osten am Institut für Wasser, Umwelt und Gesundheit der Universität der Vereinten Nationen und Gründer der Climate and Water Initiative.

Zugang zu sauberem Wasser ist größte Sorge

Die Länder am Persischen Golf sind für ihr Trinkwasser auf Hunderte von Entsalzungsanlagen angewiesen. Werden diese Anlagen beschädigt oder das Meerwasser verunreinigt, entstehen erhebliche Gesundheits- und Sicherheitsrisiken, warnen Fachleute.

Menschen in der Region „kämpfen selbst in Friedenszeiten darum, Zugang zu sauberem Trinkwasser zu haben“, sagte Madani, der iranische Wissenschaftler und UN-Vertreter. „Jeder Schaden an der Wasserinfrastruktur kann sehr langfristige Folgen haben.“

Iran meldete, ein US-Luftangriff habe eine seiner Entsalzungsanlagen beschädigt. Das Nachbarland Bahrain wiederum warf Iran vor, eine eigene Anlage getroffen zu haben. Fachleute befürchten, dass mit fortdauernden Kämpfen weitere Werke ins Visier geraten könnten.

ARCHIV - Einsatzkräfte inspizieren die Überreste eines Wohngebäudes, das in der Nacht bei einem Angriff während der US-israelischen Militäroperation in Täbris, Iran, am 24. März 2026 getroffen wurde.
ARCHIV - Einsatzkräfte inspizieren die Überreste eines Wohngebäudes, das in der Nacht bei einem Angriff während der US-israelischen Militäroperation in Täbris, Iran, am 24. März 2026 getroffen wurde. AP Photo/Matin Hashemi, File

Aufräumen der Umweltschäden dauert wohl Jahrzehnte

Nach dem Krieg werden Iran und andere Staaten am Golf ihre Infrastruktur wiederaufbauen. Fachleute rechnen damit, dass Umweltschäden in dieser Phase oft nachrangig behandelt werden.

Im Vordergrund werden Energie- und Wasserleitungen, Fabriken und Lebensmittelproduktion stehen, sagte Mahmoud. Gerade Verschmutzungen im Golf oder in anderen Gewässern „wird man wohl so bald kaum angehen und in manchen Fällen gar nicht“.

Im dicht besiedelten Teheran trafen zahlreiche Angriffe nicht nur Öl-Anlagen, sondern auch Gebäude und ganze Wohnviertel. Beim Einschlag entsteht giftiger Staub aus zermahlenem Baumaterial.

Viele Menschen atmen diesen Staub und die Chemikalien ein. Die Belastung könnte noch lange anhalten, selbst wenn der Krieg endet und der Wiederaufbau beginnt.

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