Verteidigungsminister Boris Pistorius zieht den Kauf der australischen "Ghost Bat"-Drohne in Betracht. Bei dem Besuch des Ministers in Australien wurde auch eine Absichtserklärung zugunsten des deutschen Rüstungsunternehmens Thyssen-Dynamit-Werke (TDW) unterzeichnet.
Im Zuge der Modernisierung seiner Luftwaffe erwägt Deutschland den Kauf der australischen "Ghost Bat"-Kampfdrohne. Geplant ist, bis 2029 hunderte unbemannte Kampfjets einzusetzen und das deutsche Verteidigungsministerium will in Kürze eine Entscheidung treffen. Derzeit werden verschiedene Optionen aus Deutschland, Europa und den USA verglichen.
Nach der Besichtigung der Ghost Bat in Queensland am Freitag bezeichnete Pistorius die Drohne vor Journalisten als "ernsthafte Konkurrenz" und betonte, dass Deutschland "so bald wie möglich eine Entscheidung treffen" werde.
Die Ghost-Bat-Drohne wird gemeinsam von Boeing Australia und der Royal Australian Air Force (RAAF) entwickelt. Sie ist als "Loyal Wingman" konzipiert – also als autonomer Begleiter, der zusammen mit bemannten Flugzeugen operiert und sie unterstützen kann. Die Drohne hat eine Reichweite von mehreren tausend Kilometern und soll sowohl bei Überwachungs‑ als auch Kampfeinsätzen eingesetzt werden können.
Australien selbst will die Ghost Bat nach einem erfolgreichen Waffentest im vergangenen Jahr in seine Streitkräfte aufnehmen.
Pistorius: Keine Umleitung von Ukraine-Waffen in den Nahen Osten
Die "Washington Post" berichtete indes unter Berufung auf mehrere anonyme Quellen, das Pentagon prüfe eine mögliche Umleitung ursprünglich für die Ukraine vorgesehener Waffen in den Nahen Osten, da der Krieg mit dem Iran die Munitionsreserven der USA stark beanspruche.
Pistorius reagierte darauf zurückhaltend: eine deutsche Beteiligung am sogenannten Purl-Programm könne er nicht bestätigen, erklärte der SPD-Politiker bei seinem Besuch eines Rheinmetall-Werks in der Nähe von Brisbane.
DasPURL‑Programm steht für Prioritized Ukraine Requirements List und ist ein Beschaffungsmechanismus, mit dem NATO‑Partner und andere Verbündete gemeinsam US‑Waffen für die Ukraine kaufen. Dabei zahlen die beteiligten Länder Geld in einen gemeinsamen Topf, aus dem dann Ausrüstung, Munition und Systeme aus US‑Lagerbeständen oder über US‑Verträge gezielt für die ukrainischen Verteidigungsbedürfnisse beschafft werden.
Deutschland ist zwar kein offizieller Partner des PURL‑Programms, wird aber oft in Verbindung damit erwähnt, weil Änderungen bei US-Lieferungen an die Ukraine indirekt deutsche Beschaffungen betreffen können und das Land eng in NATO- und europäische Verteidigungsprojekte eingebunden ist.
Auf die Frage nach möglichen Auswirkungen auf zukünftige Munitionslieferungen an Deutschland antwortete Pistorius: "Wir tun bereits alles, um schneller unabhängig zu werden. Wir beschaffen zügiger als je zuvor." Jetzt gehe es darum, gemeinsam mit der Industrie sicherzustellen, dass die Lieferungen auch tatsächlich erfolgen.
Bei seinem Australien‑Besuch wurde am Rande auch eine Absichtserklärung zwischen dem Verteidigungsministerium und dem deutschen Rüstungsunternehmen Thyssen-Dynamit-Werke (TDW) unterzeichnet. TDW ist auf die Herstellung von Gefechtsköpfen und Zündsystemen spezialisiert, etwa für Raketen und Präzisionsmunition.
Die Vereinbarung sieht vor, gemeinsam mit australischen Partnern Möglichkeiten für die Produktion und Wartung fortschrittlicher Gefechtsköpfe in Australien zu prüfen – ein Schritt hin zu einer stärkeren lokalen Rüstungsfertigung und engeren Industriekooperation zwischen Deutschland und Australien im Bereich hochrangiger Waffentechnologie.