Ihre Stiche können Allergien auslösen, wo sie auftaucht, verdrängt sie einheimische Arten: die Asiatische Nadelameise. Die EU stuft die Insekten darum als besonders problematisch ein. Forscher haben die Problem-Ameisen nun erstmals in Deutschland entdeckt, in einem Stuttgarter Park.
"Wir konnten in dem Park eine vollständige Kolonie der Asiatischen Nadelameise mit Nachwuchs entdecken. Das zeigt, dass es sich nicht nur um einzelne eingeschleppte Tiere handelt, sondern sehr wahrscheinlich um eine lokale überwinterungsfähige Population", berichtet Dr. Brendon Boudinot vom Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt in einer Pressemitteilung. "Damit liegt der erste gesicherte Nachweis dieser Art in Deutschland vor."
Risiko für heimische Arten und Gefahr für Menschen
Der Forscher hat die Studie zum deutschen Erstnachweis heute im wissenschaftlichen Fachjournal "Zootaxa" veröffentlicht. Beteiligt waren zudem Dr. Maura Haas-Renninger vom Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart sowie Forscher der Universität Hohenheim.
Invasive Ameisen gelten seit Langem als ernstzunehmendes Risiko für die heimische Biodiversität und Ökosysteme und können auch für Menschen eine Gesundheitsgefahr darstellen, erläutert das Senckenberg Forschungsinstitut in seiner Mitteilung.
Ameisen als blinde Passagiere in importierten Topfpflanzen
Die Forscher vermuten, dass die Ameisenart (Brachyponera chinensis) in Stuttgart über importierte Pflanzen eingeschleppt wurde. "Urbane Gebiete stehen häufig im Zentrum der Etablierung gebietsfremder Arten: hier kommen sie vermehrt als blinde Passagiere, beispielsweise in Topfpflanzen oder anderen Importgütern an und können sich oft auch besonders gut etablieren", erklärt Dr. Maura Haas-Renninger vom Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart. "Dass wir geflügelte Königinnen im Stuttgarter Rosensteinpark gefunden haben, zeigt, dass sich die Tiere hier bereits eigenständig weiter ausbreiten könnten."
Problem-Ameise zuvor in Italien aufgetaucht
In der Europäischen Union seien rund 70 gebietsfremde Ameisenarten bekannt. Die Asiatische Nadelameise stammt ursprünglich aus Ostasien, hat sich seit den 30er Jahren aber auch im Südosten der USA ausgebreitet und heimische Ameisenarten verdrängt, berichtet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung weiter. Aus den USA seien auch allergische Reaktionen nach Stichen bekannt.
In Europa wurde ein Exemplar 2020 in Neapel gefunden, später folgten weitere Funde in Italien, unter anderem am Comer See.
2025 wurde die Asiatische Nadelameise von der Europäischen Union in die sogenannte "Unionsliste" aufgenommen und damit als potenziell besonders schädliche invasive Art eingestuft.
Durch Klimawandel steigt das Risiko
Noch sei unklar, wie weit die Asiatische Nadelameise in Deutschland bereits verbreitet ist. Die Wissenschaftler setzen sich für eine gezielte Beobachtungsprogramme ein.
"Durch den Klimawandel besteht in Europa grundsätzlich ein erhöhtes Risiko für die Ansiedlung gebietsfremder Ameisenarten," warnt Dr. Boudinot. "Bereits vor einigen Jahren wurde das potenzielle Auftreten der Asiatischen Nadelameise in Europa prognostiziert." Dr. Haas-Renninger ergänzt: "Nur wenn wir wissen, welche Arten sich ausbreiten oder zurückgehen, können gezielte Schutzmaßnahmen entwickelt werden."