Frankreich probt seit Tagen den Hitzeschutz, nun steckt das Land selbst unter einer Hitzeglocke fest.
Frankreich erlebt den heißesten Maitag seit Beginn der Aufzeichnungen. Das Land stellt sich auf noch extremere Hitze ein.
Die Wetterbehörde Météo France meldete am Montag neue Monatsrekorde an 352 Wetterstationen, vor allem im Westen. Die höchste Temperatur von 37,1 °C wurde nahe Hossegor bei Biarritz registriert. Klimaforschende sprechen von einem „beispiellosen“ Ereignis, das zu dieser Jahreszeit nur eine Chance von eins zu 1.000 habe – gemessen an Datenreihen, die bis 1979 zurückreichen.
Vorhersagen zufolge bleibt das Land in den kommenden Tagen in glühender Hitze gefangen. Frankreich liegt unter einem „außergewöhnlich starken“ Hitzedom, einem atmosphärischen Muster, das Hitzewellen einschließt und sich durch den menschengemachten Klimawandel immer häufiger bildet.
Für heute (26. Mai) erwarten Meteorologinnen und Meteorologen in Nantes Höchstwerte von 35 °C. In Paris, Lyon, Toulouse und Bordeaux sollen 34 °C erreicht werden. Selbst im Norden, etwa in Lille, steigen die Temperaturen auf bis zu 30 °C.
Die Hitzewelle steht bereits im Verdacht, mehrere Todesfälle verursacht zu haben. Dazu gehört ein 53-jähriger Läufer, der am Sonntag bei einem Rennen in Paris starb. Die Ereignisse gelten vielen als Warnsignal dafür, was Frankreich im Sommer bevorstehen könnte.
Wird Frankreich immer heißer?
Im vergangenen Jahr wurde Frankreich von einer ganzen Reihe von Hitzewellen getroffen, bei denen die Temperaturen in Teilen des Landes auf bis zu 40 °C kletterten. Dutzende Départements standen auf Alarmstufe Orange. Im Département Aude kam es zu einem der schlimmsten Waldbrände der vergangenen 50 Jahre, angefacht von Hitze und Trockenheit. 2025 war im Gebiet der Europäischen Union das bisher verheerendste Jahr für Waldbrände.
Nach Angaben des Copernicus Climate Change Service der EU (C3S (Quelle auf Englisch)) herrschten im Sommer 2025 in Frankreich weitgehend überdurchschnittliche Temperaturen. In den meisten Regionen gab es im Schnitt 15 zusätzliche „Sommertage“, an denen die Höchsttemperatur mindestens 25 °C erreicht.
Vor allem im Südwesten registrierten Meteorologinnen und Meteorologen besonders starke Abweichungen. Dort lagen die Spitzenwerte rund 6 °C über dem üblichen saisonalen Maximum.
Nach dem extrem heißen Sommer kam eine Schnellanalyse der London School of Hygiene & Tropical Medicine zu dem Ergebnis, dass der Klimawandel rund 68 Prozent der 24.000 Hitzetoten in 854 europäischen Städten mitverursacht hat, indem er die Temperaturen um bis zu 3,6 °C in die Höhe trieb.
In Frankreich führte der Klimawandel demnach zu 1.444 hitzebedingten Todesfällen, mit einer besonders hohen Zahl in Paris.
Ein solches Szenario bereitet Frankreich seit Jahren vor – unter anderem mit der viel beachteten Krisenübung „Paris bei 50 °C“.
Ist Frankreich auf extreme Hitze vorbereitet?
Im Jahr 2023 organisierte die Stadt Paris die Initiative „Paris bei 50 °C“ in zwei Arrondissements, um die Bevölkerung auf eine Zukunft mit extremer Hitze vorzubereiten.
Stadtplanerinnen und Stadtplaner, Gesundheitsfachleute, Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler und Behördenvertreterinnen und -vertreter analysierten gemeinsam, wo zentrale Bereiche wie Wohnen, Gesundheitswesen, Energieversorgung und öffentlicher Raum verwundbar sind.
Im Rahmen der Übung stiegen rund 70 Kinder in einen dunklen Tunnel mit konstant 18 °C hinab. Unter Tage spielten sie durch, welche Folgen extreme Hitze künftig haben könnte.
Die Szenarien reichten von Kindern, die eine Lebensmittelvergiftung nach einem Stromausfall nachstellten, bis hin zu simulierten Kohlenmonoxidvergiftungen durch einen defekten Generator. Die Erziehungsberechtigten hatten der Teilnahme vorab ausdrücklich zugestimmt.
Einsatzkräfte des Roten Kreuzes nutzten die gespielten Szenen, um zu üben, wen sie im Ernstfall zuerst ins Krankenhaus bringen würden. Ihnen ist bewusst, dass das Gesundheitswesen während Hitzewellen schnell an seine Grenzen kommt. Feuerwehrleute, Stadtverwaltung und Lehrkräfte beteiligten sich ebenfalls und probten das Chaos, das ein solcher Vorfall auslösen kann.
Die Auswertung der Übung kommt zu dem Schluss, dass extreme Hitze eine erhebliche Gefahr für die öffentliche Gesundheit in Frankreich darstellt, insbesondere für vulnerable Gruppen. Auch Infrastrukturen wie Metro und Bahnlinien gelten als stark belastet.
Der Bericht empfiehlt, Paris in eine „Oasenstadt“ zu verwandeln: mehr Grünflächen, zusätzliche schattige öffentliche Räume, weniger hitzespeichernde Oberflächen sowie Schulen und öffentliche Gebäude, die an extreme Temperaturen angepasst sind.
Paris leidet wie viele andere europäische Städte unter dem städtischen Wärmeinseleffekt. Beton, Asphalt und andere Baustrukturen speichern Wärme und halten die Temperaturen hoch. Klimaanlagen in Innenräumen verstärken diesen Effekt, sind für viele Bürgerinnen und Bürger aber lebenswichtig.
„Die Länder, die im kommenden Jahrzehnt am besten zurechtkommen, sind nicht unbedingt die reichsten“, erklärt Ionna Vergini, Gründerin des weltweiten Wetterdienstes WFY24 (Quelle auf Englisch), gegenüber Euronews Earth. „Entscheidend ist, ob ein Land Hitze als gesundheitlichen Notfall behandelt – und nicht nur als Wettergeschichte.“
Was unternimmt Frankreich gegen extreme Hitze?
Paris hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten stark verändert und wird Schritt für Schritt grüner. Nach Angaben der International Union for Conservation of Nature (IUCN) wurden seit 2020 mehr als 100.000 Bäume in der Stadt gepflanzt, darunter 40.000 allein im Winter 2023.
Seit 2020 verschwanden mehr als 6.000 Parkplätze und 1,3 Hektar Asphalt, um Straßen zu begrünen. Bis 2024 gab es fast 100 Pariser Straßen mit Pflanzbeeten, in denen sich Natur und Stadtleben nebeneinander entfalten. Bäume und andere Pflanzen verbessern zudem die Luftqualität – ein wichtiger Vorteil für stark verschmutzte Städte.
„Diese Umgestaltungen werden dank des künftigen bioklimatischen Lokalen Stadtentwicklungsplans (PLUb) vereinfacht und zur Norm“, so die IUCN. „Der Plan schreibt den Weg zu mehr Vegetation und Natur in Paris fest und verfolgt das Ziel, zusätzlich 300 Hektar naturnahe Flächen zu schaffen.“
Neben den Empfehlungen aus der Übung „Paris bei 50 °C“ geht Frankreich auch die Ursachen der extremen Hitze an.
Beim Gipfel zu fossilen Brennstoffen in Santa Marta im April veröffentlichte Frankreich seine nationale Roadmap für den Ausstieg aus fossilen Energieträgern, die vor allem auf Elektrifizierung setzt.
Der Plan sieht vor, die Nutzung von Kohle bis 2030 zu beenden, Öl bis 2045 und Erdgas zur Strom- und Wärmeerzeugung bis 2050. Damit will Frankreich sein übergeordnetes Ziel der Klimaneutralität erreichen.
Die Strategie bündelt bestehende Maßnahmen – darunter ein Verbot von Gasheizkesseln in Neubauten ab 2026 und das Ziel, dass bis 2030 zwei Drittel der neuen Autos elektrisch fahren. Zugleich bekräftigt Frankreich, andere Staaten beim Übergang zu unterstützen.