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Ozeanriesen: Emdener Hafen soll bald gigantische Kreuzfahrtschiffe ausrüsten

Künftig sollen in Emden Kreuzfahrtschiffe ausgerüstet werden. Dazu wird ein Teil des Hafens tiefer gegraben. Rund 1000 Arbeitsplätze entstehen.
Künftig sollen in Emden Kreuzfahrtschiffe ausgerüstet werden. Dazu wird ein Teil des Hafens tiefer gegraben. Rund 1000 Arbeitsplätze entstehen. Copyright  Falcon Crest/NPorts
Copyright Falcon Crest/NPorts
Von Franziska Müller
Zuerst veröffentlicht am
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Niedersachsen holt sich die Kreuzfahrt zurück: 2027 sollen vier Schiffe im Emdener Hafen fertiggestellt werden. Die Stadt verspricht sich davon langfristige Arbeitsplätze, der notwendige Umbau wird vom Sondervermögen teilfinanziert.

Reisen ohne Sorge um Essen, Hotel und Kulturprogramm: ein Kreuzfahrtschiff bringt Urlauber binnen weniger Tage an mehrere Orte, zusätzlich gibt es Programm auf dem Schiff selbst, die Kabine zum Schlafen und das Essen sind inklusive.

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Ein Reisestil, der ankommt. Für eine Kreuzfahrt haben sich in den vergangenen Jahren immer mehr Deutsche entschieden, rund 1,3 Millionen Passagiere sind 2024 alleine aus Hamburg dem größten deutschen Kreuzfahrthafen in See gestochen, deutschlandweit sind es mehr als drei Millionen gewesen.

Doch bis ein schwimmendes Hotel seine mehrere Tausend Gäste willkommen heißen kann, vergehen mit dem Bau Jahre. Den letzten Schliff vor ihrer ersten großen Reise könnten die gigantischen Schiffe bald in der norddeutschen Stadt Emden erhalten. Dort sollen ab 2027 Kreuzfahrtschiffe ausgerüstet werden, vier Aufträge einer deutschen Werft stehen bereits in Aussicht.

Bis es soweit ist, sollen im laufenden Jahr rund 49,5 Millionen Euro in den Hafen von Emden investiert werden. Das plant die landeseigene Hafengesellschaft. "Wir treiben in Emden große Infrastrukturprojekte voran" sagt Holger Banik, Geschäftsführer des Unternehmens Niedersachsen Ports (NPorts).

Im Vergleich zum vergangenen Jahr ein neues Rekordhoch - 2025 lagen die dortigen Investitionen Schätzungen zufolge bei 6,6 Millionen Euro. Emden löst damit die niederländische Stadt Eemshaven ab und holt die Fertigung zurück nach Deutschland.

"Niedersachsen beweist einmal mehr: Wir können Schiffbau – und wir können ihn komplett", erklärte der Ministerpräsident Niedersachsens, Olaf Lies Anfang März. Die Zusammenarbeit im maritimen Sektor zeige ihm zufolge "was möglich ist, wenn Unternehmen, Hafenwirtschaft und Politik gemeinsam an einem Strang ziehen".

Volle Fahrt voraus: Hafenumbau mithilfe von Sondervermögen

Die große Investitionssumme ergibt sich unter anderem durch Kapital aus dem Sondervermögen der schwarz-roten Koalition im Bund. Die Investitionen schaffen laut Pressemitteilung von NPorts "finanzielle Spielräume". Denn es bedarf so einiger Umbauten im Hafengebiet.

Damit die riesigen schwimmenden Hotels Emden auch wieder sicher verlassen können, müsse einerseits die vorhandene Wassertiefe angepasst werden. Außerdem ist die derzeitige Liegewanne für die riesigen Kreuzfahrtschiffe zu klein - sie müsste entsprechend der Schiffsabmessungen erweitert werden. Deshalb müssen erst Baggerarbeiten durchgeführt werden.

Bereits geplant ist die Ausrüstung von vier Schiffen aus der Meyer Werft - einem jahrhundertealtem Familienunternehmen, bei dem seit 2024 Bund und das Land Niedersachsen eingestiegen sind. Die Werft hat sich auf den Bau von Luxuslinern spezialisiert, mit dem Betrieb sind in der gesamten Region etwa 20.000 Arbeitsplätze verbunden. Die neuen Schiffe aus der Werft in Papenburg sollen nach Angaben des Unternehmens NPorts eine Länge von bis zu 350 Metern erreichen.

Erster Ozeanriese könnte März 2027 ausgerüstet werden

Im März des kommenden Jahres könnte der erste Ozeanriese am Emder Außenhafen einlaufen, um dort ausgerüstet zu werden, erklärte das Unternehmen NPorts.

Während der Koloss im Hafenbecken liegt, werden Kabinen und öffentliche Bereiche des beliebten Urlaubsschiff eingerichtet. Auch Möblierungen, Beschilderungen sowie umfangreiche Reinigungs- und Funktionsarbeiten gehören zu den abschließenden Arbeiten, bevor ein Kreuzfahrtschiff seine erste große Reise antreten kann.

315 Meter lang, 1.426 Kabinen: 2008 war die Solstice der US-Reederei Celebrity das größte Kreuzfahrtschiff, das jemals in Deutschland gebaut wurde.
315 Meter lang, 1.426 Kabinen: 2008 war die Solstice der US-Reederei Celebrity das größte Kreuzfahrtschiff, das jemals in Deutschland gebaut wurde. Copyright 2008 AP. All rights reserved.

Das Unternehmen verspricht Beschäftigung für mehrere Tausend Arbeitnehmer. Die Stadt Emden, die rund 49.000 Einwohner hat, nannte die heimische Endausrüstung eine "gute Nachricht". Damit entstehe erstmals eine durchgehende Wertschöpfungskette vom Bau in Papenburg bis zur Endausrüstung in Emden und damit zur Stärkung des maritimen Wirtschaftsstandorts Niedersachsen, betonte die Niedersächsische Staatskanzlei in einer Pressemitteilung.

"Wenn mehr Wertschöpfung im Land bleibt, stärkt das unsere Häfen, unsere Betriebe und unsere Regionen", erklärt Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies. Man setze ein starkes Zeichen für industrielle Kompetenz, regionale Wertschöpfung, wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit und Beschäftigung, sagte er weiter.

Die Werft in Papenburg hat sich im Dezember einen weiteren Großauftrag gesichert. Vier schiffe der neuen Generation "New Frontier" sollen dort für MSC Cruises entstehen. Mit einer maximalen Passagierkapazität von 5.400 Personen sollen die "New Frontier"-Schiffe ab 2030 jährlich abgeliefert werden.

"Deutschland an der Spitze der maritimen Ingenieurskunst"

"Gemeinsam werden wir Schiffe bauen, die das Kreuzfahrterlebnis neu definieren und gleichzeitig die Handwerkskunst bewahren, die Deutschland an der Spitze der maritimen Ingenieurskunst hält", erklärte der Aufsichtsratvorsitzende von MSC Cruises, Pierfrancesco Vago. Ziel ist unter anderem der Einbau von neuen Umwelttechnologien, um das Netto-Null-Ziel für 2050 einhalten zu können.

Die Kreuzfahrtbranche steht zunehmend im Fokus der Klimadebatte: Große Schiffe verursachen erhebliche Emissionen von Schwefeloxiden, Stickoxiden und CO2, insbesondere beim Einsatz von Schweröl.

Laut der Europäische Umweltagentur tragen Kreuzfahrten nicht nur zur Luftverschmutzung in Küstenregionen bei, sondern belasten auch sensible Meeresökosysteme durch Abwässer und Lärm. Reedereien reagieren mit neuen Technologien wie Flüssigerdgas-Antrieben und Landstromanschlüssen in Häfen.

Umweltverbände warnen jedoch: Die meisten Kreuzfahrtreedereien, die in Deutschland aktiv sind, belasten nach Angaben des Naturschutzbundes (NABU) die Umwelt mit ihren Schiffen erheblich. Denn sie nutzen unter anderem vorwiegend Schweröl. Die bisherigen Maßnahmen würden diesen Organisationen bislang nicht ausreichen, um die wachsenden Passagierzahlen klimaverträglich zu kompensieren.

Deutschland ist nach den USA der zweitgrößte Kreuzfahrmarkt weltweit, im vergangenen Jahr haben mehr als drei Millionen Deutsche eine Kreuzfahrt unternommen. Im Durchschnitt dauert sie 10 Tage, gestartet wird von den Häfen Hamburg, Kiel und Rostock.

Laut der Branchenvereinigung Cruise Line International Organization (CLIA) waren 2024 insgesamt 34,6 Millionen Menschen auf Kreuzfahrtschiffen unterwegs. Ein Trend, der nach Branchenexperten weiter zunehmen wird. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Kreuzfahrt demnach um etwa 9,3 Prozent gewachsen.

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