Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

"Sterbende Flamingos, depressive Schildkröten": Rama spricht von "hybridem Krieg" um Kushner-Projekt

Albaniens Regierungschef Edi Rama im Euronews-Interview
Albaniens Premier Edi Rama im Euronews-Interview Copyright  Euronews
Copyright Euronews
Von Marina Stoimenova & Maria Tadeo
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Das Luxusprojekt auf einer geschützten Insel und einem Küstenabschnitt im Süden Albaniens stößt auf Widerstand. Premier Edi Rama glaubt, Bots, antisemitische Erzählungen und feindliche Kräfte von außen sollten die Spannungen in Albanien anheizen.

Albaniens Regierungschef Edi Rama hat Euronews gesagt, der Widerstand gegen ein geplantes Immobilienprojekt an der Südküste des Landes mit Verbindungen zur Familie Trump-Kushner werde künstlich verstärkt. Bots, antisemitische Erzählungen und feindliche Kräfte von außen sollten die Spannungen in Albanien anheizen.

WERBUNG
WERBUNG

Rama sprach aus Montenegro, wo sich am Freitag EU-Spitzen mit den Beitrittskandidaten aus dem Westbalkan trafen. Tirana sei ins Visier einer koordinierten Kampagne von Akteuren von außen geraten, die die Unzufriedenheit in der Bevölkerung ausnutzen wollten, sagte er. Wer dahinter stehe, ließ er offen.

Seine Aussagen kommen, während Aktivisten und Umweltverbände weiter gegen Pläne protestieren, die mit Affinity Partners verbunden sind. Das ist die von Jared Kushner, dem Schwiegersohn des US-Präsidenten Donald Trump, gegründete Investmentfirma. Vorgesehen ist ein Luxusresort vor der albanischen Küste.

Er sagte weiter, antisemitische Erzählungen würden von den „Feinden Israels und Albaniens“ verbreitet. Dazu zähle auch, so Rama, falsche Spekulation im Netz über ein geheimes Abkommen zwischen Israel und seiner Regierung, das die Umsiedlung von Palästinensern erleichtern solle.

„Es kursiert die Geschichte, es gehe um einen geheimen Deal zwischen mir und Bibi Netanjahu über Jared Kushner, um Palästinenser in dieses Gebiet zu bringen – völlige Fantasie“, sagte er. Sein Land habe „eine sehr stolze Geschichte der Rettung von Juden, wir hatten nie antisemitische Ressentiments“. Albanische Muslime seien „unglaublich tolerant“.

Auf die Frage, ob die Sorgen der Demonstrierenden berechtigt seien, räumte Rama ein, ihre Motive seien nachvollziehbar. Zugleich warf er feindlich gesinnten Akteuren vor, diese „gut gemeinten“ Bedenken zu instrumentalisieren. Sie setzten eine abgestimmte Online-Strategie ein, um die Stimmung rund um Umweltschutz und die Beziehungen Albaniens zu Israel auszunutzen.

„Es sind sehr viele Bots, sehr viele Fake-Profile, sehr viele Angriffe aus allen Richtungen“, sagte Rama. „Ich habe das in dieser Woche in den sozialen Medien gesehen. Was in anderen Ländern passiert ist, sehe ich jetzt in meinem eigenen Land.“

Die Proteste haben sich in dieser Woche verstärkt. Demonstrierende tragen pinkfarbene Flamingo-Schilder als Verweis auf den natürlichen Lebensraum der Insel, der ihrer Ansicht nach irreversibel geschädigt würde, falls gebaut wird.

Trotz der Unruhen machte Rama deutlich, dass allein Demonstrationen nicht über die Zukunft der Investition im sich entwickelnden Tourismussektor Albaniens entscheiden werden.

„Das wird niemals passieren. Nicht, solange ich im Amt bin“, sagte Rama zu Euronews.

Rama: Noch kein Projekt eingereicht trotz sichtbarer Arbeiten

Rama wies auch die Kritik an dem Vorhaben selbst zurück. Bisher sei den albanischen Behörden noch kein endgültiger Vorschlag vorgelegt worden, betonte er.

„Gibt es eine Interessensbekundung für ein Projekt? Ja. Gibt es ein Projekt? Nein“, sagte er zu Euronews. „Die Investoren arbeiten noch an dem Entwurf. Wir müssen abwarten, wann das Projekt vorgelegt wird.“

Er fügte hinzu, jeder Vorschlag müsse zunächst geprüft und genehmigt werden, bevor gebaut werden könne. Demonstrierende berichten allerdings, sie hätten seit Mai Anzeichen von Bautätigkeit auf der Insel gesehen, darunter schweres Gerät und Bagger.

Das Vorhaben zählt inzwischen zu den am stärksten beobachteten Immobilienprojekten in Albanien. Es macht den wachsenden Konflikt sichtbar zwischen den Bemühungen des Landes, ausländische Investoren anzuziehen, und dem Schutz der Umwelt.

Rama argumentiert, das Projekt könne für Albanien eine Zäsur bedeuten, weil sich das Land als Tourismusdrehscheibe positionieren wolle. Es passe zu den umfangreichen Immobilienentwicklungen entlang der Adriaküste in Nachbarländern wie Kroatien und Montenegro.

Umweltorganisationen warnen dagegen, großflächige Bautätigkeit in sensiblen Küstenzonen könne geschützte Lebensräume gefährden und Landschaften dauerhaft verändern – zum Vorteil eines kleinen Kreises von Investoren und ausländischem Kapital.

Rama hält die im Netz kursierenden Bilder dennoch für überzogen.

„In den sozialen Medien kursieren viele Bilder von Projekten, die mit diesem Vorhaben nichts zu tun haben – von sterbenden Flamingos, von depressiven Schildkröten. So etwas gibt es dort nicht“, sagte er und betonte, das Resort befinde sich noch in einer frühen Planungsphase.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

Albanien: Widerstand gegen geplantes Kushner-Luxusresort auf Insel wächst

Albanien: Tausende protestieren gegen Jared Kushners Luxusprojekt

"Sterbende Flamingos, depressive Schildkröten": Rama spricht von "hybridem Krieg" um Kushner-Projekt