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Sonnenfinsternis 2026 in Spanien: Ein Buch von 1485 verrät, wie man sie "überlebt"

Eclipse-Dateibild, Ring des Feuers, 2025
Eclipse-Dateibild, Ring des Feuers, 2025 Copyright  ALBUQUERQUE JOURNAL PUBLISHING COMPANY
Copyright ALBUQUERQUE JOURNAL PUBLISHING COMPANY
Von Jesús Maturana
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Eine Inkunabel aus dem 15. Jahrhundert im Archiv von Teruel enthält Anweisungen eines Astrologen, wie man die Sonnenfinsternis von 1485 überstehen sollte. 541 Jahre später erlebt Spanien erneut eine totale Finsternis – und zwei weitere folgen.

Das Archiv des Bistums Teruel beherbergt eine der ungewöhnlichsten Inkunabeln des spanischen Kulturerbes: einen Text des Arztes und Astrologen Diego de Torres aus Salamanca über die Sonnenfinsternis vom 16. März 1485.

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Als Inkunabel bezeichnet man frühe Drucke aus der Anfangszeit des Buchdrucks, also aus der Zeit zwischen etwa 1450 und 1500. Entdeckt wurde das Werk von Inmaculada Gómez, der Leiterin des Archivs, in der Diözesanbibliothek.

Wie es von Salamanca nach Teruel gelangte, ist unklar. Teruel liegt in der autonomen Region Aragón im Osten Spaniens, zwischen Zaragoza und Valencia, und ist vor allem für seine Mudéjar-Architektur bekannt – ein Baustil, der im Mittelalter entstand, als Christen, Muslime und Juden dort zusammenlebten.

Das Buch wird in einem abgedunkelten Raum aufbewahrt, denn Sonnenlicht könnte das zerstören, was seit Jahrhunderten auf Leinenfasern festgehalten ist.

Das Exemplar ist einzigartig in Spanien. Weltweit existiert nur ein weiteres, unvollständiges Exemplar in der Huntington Library in Kalifornien. Das Stück aus Teruel ist dagegen bis heute vollständig erhalten. Die 24 Seiten sind keine gelehrte astronomische Abhandlung, sondern ein Text für die breite Bevölkerung, der die Menschen auf das bevorstehende Ereignis vorbereiten sollte.

Rotwein, Essig und Bewegung

In diesem Zusammenhang wurde eine Sonnenfinsternis nicht als berechenbares astronomisches Ereignis verstanden, sondern als Vorzeichen von Unheil – insbesondere im Zusammenhang mit Krankheiten wie der Pest.

Diego de Torres ging es nicht darum, die Finsternis zu erklären, sondern die Menschen auf das vorzubereiten, was aus seiner Sicht folgen würde: eine Seuche. Die Empfehlungen sind erstaunlich konkret und wirken heute wie eine Mischung aus praktischen Ratschlägen und Aberglauben: Eier und Fisch sollten gemieden werden. Getrunken werden sollte Rotwein, Weißwein hingegen lieber nicht.

Haus und Hände seien mit Wasser und Essig zu reinigen. Tagsüber solle man nicht schlafen. Bewegung wiederum werde empfohlen – allerdings an einem warmen Ort.

Vor allem aber solle man sich in Bewegung setzen: "Flieh schnell und weit weg und kehre erst spät zurück", heißt es in dem Text – eine Logik, die zeigt, wie wenig man wusste, ob das drohende Unheil auch wieder verschwindet.

Darin spiegelt sich ein Weltbild, in dem Astronomie, Astrologie und Aberglaube eng miteinander verwoben waren und eine Sonnenfinsternis als schlechtes Omen galt, oft verbunden mit Krankheiten oder Epidemien.

Was in dem Buch hingegen völlig fehlt, ist jeder Hinweis auf den Schutz der Augen. Vermutlich wagte es ohnehin kaum jemand, in die Sonne zu blicken – die Finsternis war zu furchteinflößend, um sie direkt zu betrachten.

Wer war Diego de Torres?

Diego de Torres, geboren am 27. Januar 1435 in Salamanca, war Professor für Astrologie an der dortigen Universität und Autor des "Opus Astrologicum", eines Werkes, das astronomische Beobachtungen mit astrologischen Deutungen verbindet – ganz im Sinne der vorwissenschaftlichen Denkweise seiner Zeit.

Fragmente des
Fragmente des 'Opus Astrologicum', 1485 Universidad de Salamanca

Im 15. Jahrhundert war die Grenze zwischen Wissenschaft und Magie fließend. Was wir heute als Astronomie bezeichnen und was wir als Aberglauben ansehen würden, stand damals nebeneinander – im selben Text und oft auch in ein und derselben Person.

Die letzte Seite der Inkunabel ist leer. Auf der Rückseite findet sich ein Hinweis darauf, dass der Autor sich auch mit Handlesekunst beschäftigte – etwas, das zu jener Zeit verboten war. Das Buch endet mit einem "Amen" und einem Lobpreis Gottes. Für jemanden, der sich in Bereichen bewegte, die von der Kirche streng kontrolliert wurden, war das wohl die sicherste Tarnung.

Spanien: Sonnenfinsternisse 2026, 2027 und 2028

Was im Jahr 1485 noch Angst auslöste und als Vorzeichen für Unheil galt, wird im August 2026 zum Ereignis für Wissenschaft und Tourismus. Am Mittwoch, dem 12. August 2026, wird erstmals seit mehr als hundert Jahren wieder eine totale Sonnenfinsternis von der Iberischen Halbinsel aus zu sehen sein.

Der Streifen der Totalität verläuft von Westen nach Osten quer über Spanien und zieht unter anderem über A Coruña, Oviedo, León, Bilbao, Zaragoza und Valencia. Von allen Provinzhauptstädten wird Oviedo mit einer Minute und 48 Sekunden die längste Phase der Totalität erleben.

Die Finsternis von 2026 ist zudem Teil einer seltenen Abfolge: Bereits im darauffolgenden Jahr, am 2. August 2027, wird eine weitere Sonnenfinsternis über Südspanien zu sehen sein.

Und am 26. Januar 2028 wird eine ringförmige Sonnenfinsternis folgen, die von Katalonien aus sichtbar sein wird. Drei Jahre in Folge mit bedeutenden Finsternissen über der Iberischen Halbinsel – ein Ereignis, das es so bislang nicht gegeben hat.

Die Europäische Weltraumorganisation hat León als Referenzort für das Ereignis ausgewählt. Schon jetzt treiben die erwarteten Besucherzahlen die Übernachtungspreise in die Höhe: In der Stadt León werden teilweise bis zu 21.172 Euro pro Nacht verlangt.

Diego de Torres riet einst dazu, die Stadt zu verlassen. Heute zahlen die Menschen dafür, um dorthin zu kommen.

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