Antisemitisches Graffiti mit einem Mordaufruf sorgt in Berlin-Pankow für Entsetzen. Anwohner übermalen die Hassbotschaft mit Herzen. Der Staatsschutz ermittelt wegen Volksverhetzung und verfassungswidriger Symbole.
In Berlin-Pankow ist ein Wohnhaus mit antisemitischen Graffiti beschmiert worden, die offen zur Tötung von Juden aufrufen. Der Vorfall im Ortsteil Prenzlauer Berg wird nun vom Staatsschutz untersucht.
Nach Angaben der Polizei entdeckten Bewohner eines Einfamilienhauses in der Ueckermünder Straße am frühen Samstagmorgen zwei großflächige Schmierereien an ihrer Hauswand. Neben dem Hauseingang befand sich ein etwa 75 mal 100 Zentimeter großer Schriftzug mit der Aufschrift "Kill all Jews". Daneben wurde ein etwa 70 mal 70 Zentimeter großes Hakenkreuz aufgesprüht.
Wer für die Tat verantwortlich ist, ist bislang unklar. Die Polizei teilte mit, dass der Staatsschutz Ermittlungen wegen des Verdachts der Volksverhetzung sowie der Verwendung verfassungswidriger Kennzeichen aufgenommen habe.
Ein Foto der Schmierereien wurde in sozialen Medien verbreitet. Der Urheber des Fotos schrieb, er sei "wütend und erschüttert" gewesen, als er die Botschaft entdeckt habe. Zugleich rief er dazu auf, sich gegen Antisemitismus zu engagieren und entsprechende Vorfälle nicht zu ignorieren.
Die antisemitischen Parolen sind inzwischen überdeckt worden. Nach Medienberichten haben Anwohner die Graffiti eigenständig mit silber-grauen Herzen übersprüht, um die Botschaft unkenntlich zu machen und ein sichtbares Zeichen gegen Hass zu setzen.
Der Vorfall reiht sich in eine wachsende Zahl antisemitischer Straftaten in Berlin ein. Laut aktuellen Statistiken hat die Zahl antisemitisch motivierter Delikte in der Hauptstadt zuletzt einen neuen Höchststand seit Mitte der 1990er-Jahre erreicht.
Behörden und zivilgesellschaftliche Initiativen warnen seit längerem vor einer zunehmenden Sichtbarkeit antisemitischer Gewalt und Hetze im öffentlichen Raum. Die Ermittlungen zu dem Vorfall in Berlin dauern an.