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Orbáns Niederlage lässt Europas Rechte an MAGA zweifeln

US-Vizepräsident JD Vance mit Viktor Orbán bei einem Besuch wenige Tage vor den ungarischen Wahlen am Sonntag
US-Vizepräsident JD Vance mit Viktor Orbán bei einem Besuch wenige Tage vor den ungarischen Wahlen am Sonntag Copyright  AP
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Von Vincenzo Genovese & Peggy Corlin & Maïa de La Baume
Zuerst veröffentlicht am
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Orbáns Niederlage bei der ungarischen Wahl wirft Zweifel am Nutzen der Unterstützung durch Trump und J.D. Vance auf. Die MAGA-Botschaft verliert in Europas rechter Szene offenbar an Wirkung.

Der Besuch von JD Vance in Ungarn in der Woche vor der Wahl hat Viktor Orbán kaum genutzt – im Gegenteil: Er könnte sich sogar als kontraproduktiv erwiesen haben. Orbáns Rivale Péter Magyar errang schließlich einen historischen Sieg.

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Zwei Tage nach diesem Erdrutschsieg, der Orbáns 16-jährige Regierungszeit beendete, beginnen Teile der europäischen Rechten, den politischen Nutzen der Unterstützung durch Donald Trump und JD Vance offen zu hinterfragen.

Diese Neubewertung verweist auf eine grundsätzliche Entwicklung: Trumps Rhetorik und seine schwer kalkulierbare geopolitische Agenda werden zunehmend als Belastung für seine politischen Verbündeten jenseits des Atlantiks wahrgenommen – auch für enge Partner wie Orbáns Fidesz-Partei.

"Die Ungarn standen den Vereinigten Staaten schon immer sehr nahe", sagte der französische Abgeordnete Thierry Mariani vom Rassemblement National gegenüber Euronews. "Das ist bei uns anders."

Auch sein Parteikollege Fabrice Leggeri äußerte Kritik: Die US-Zölle gegenüber Europa seien "strafend", und Washingtons Rolle im aktuellen Konflikt mit dem Iran "für uns schwer nachvollziehbar".

"Wir haben andere politische Kulturen und Traditionen als die USA", so Leggeri.

Trumps schwindende Attraktivität in Europa

JD Vance unterstützte Viktor Orbán während eines Besuchs in Budapest vergangene Woche und beschuldigte "Bürokraten in Brüssel", "die ungarische Wirtschaft zerstören" zu wollen. Er machte Bemerkungen, die bekannte rechtsaußen Themen aufgriffen.

Der Besuch von Vance reiht sich in eine Serie früherer Unterstützungsbekundungen ein – etwa für die rechtsextreme deutsche AfD vor einem Jahr. Diese könnten sich nun als politisch unerquicklich erweisen, da sich souveränistische Kräfte in Europa zunehmend leise von der US-Regierung distanzieren.

Nach Einschätzung von Beamten des Europäischen Parlaments hat Donald Trump für viele nationalistische Bewegungen in Europa an Attraktivität verloren. Mit Blick auf kommende Wahlen könnten rechtsextreme Parteien ihre Nähe zur MAGA-Bewegung daher bewusst herunterspielen.

Auch andere Abgeordnete der Fraktion Patriots for Europe (PfE) relativierten die Bedeutung von Vances Besuch, räumten jedoch ein, dass Trumps Vorgehen – etwa in Venezuela oder im Iran – dem von ihnen betonten Prinzip nationaler Souveränität zu widersprechen scheint.

"Der beste Weg, nicht-demokratische Regime zu verändern, ist die Einhaltung des Völkerrechts. Die jüngsten militärischen Maßnahmen der USA werfen hier jedoch Fragen auf", sagte der Europaabgeordnete Paolo Borchia von der italienischen Lega.

Ein zentraler Grund für die wachsende Distanz ist der Konflikt mit dem Iran. In Europa wird der US-Angriff auf Teheran vielfach mit steigenden Energiepreisen in Verbindung gebracht – eine Entwicklung, die die Kaufkraft der Bevölkerung zusätzlich belastet.

Hinzu kommt: Die inhaltliche Nähe bei Themen wie Migration bedeutet nicht automatisch Unterstützung für die US-Regierung insgesamt.

Der Politikwissenschaftler Dave Sinardet von der Vrije Universiteit Brussel argumentiert, dass sich viele Wähler in Ungarn stärker für konkrete Alltagsprobleme interessiert hätten als für die ideologischen Konflikte, die Viktor Orbán in den Mittelpunkt seines Wahlkampfs stellte. Orbán habe versucht, sich als Schutzschild gegen eine vermeintliche "Invasion" von Migranten und gegen eine Missachtung nationaler Interessen durch die EU zu inszenieren.

"Der Besuch von Vance war wahrscheinlich kontraproduktiv und hat Fidesz kaum geholfen", sagte Sinardet.

Zugleich könnten die demonstrative Unterstützung durch Vance und Trump die Wahrnehmung ausländischer Einmischung verstärkt haben – ein Argument, das die Opposition gezielt im Wahlkampf nutzte.

"Das Ergebnis zeigt, dass rechtsextreme Führungspersonen vorsichtig sein sollten, wenn sie sich zu eng an Figuren wie Trump oder Putin binden“, so Sinardet. Es sei eine „Ironie“, dass Parteien, die nationale Souveränität ins Zentrum stellen, zugleich externe Einflussnahme akzeptierten.

Ähnlich äußerte sich auch Belgiens Verteidigungs- und Handelsminister Theo Francken. Auf X schrieb er, Vances Unterstützung sei ein „sehr dummer Wahlkampfzug“ gewesen.

"Die MAGA-Leute sollten aufhören, international Wahlkampf zu machen – am Ende verlieren alle, die sie unterstützen", so Francken. Seine Partei, die Neue Flämische Allianz (N-VA), teilt zwar Orbáns harte Linie in der Migrationspolitik, lehnt jedoch eine Annäherung an Russland ab.

Eine verlorene Schlacht für die Rechtsextremen

Mit der Wahl in Ungarn hat die extreme Rechte in Europa einen schweren Rückschlag erlitten, denn Viktor Orbán war ihre bei weitem prominenteste Figur an der Macht und ein Vorbild für andere rechte Parteien.

Vom französischen Rassemblement National über die italienische Lega bis hin zur Vox in Spanien wurde der Tag nach der Wahl zu einer Gelegenheit, Orbán zu loben, Ungarn als Demokratie anzuerkennen und gegen die Europäische Kommission zu wettern.

Marine Le Pen, Vorsitzende der französischen Rechten, kritisierte auf X die "grotesken Anschuldigungen der 'Diktatur'" gegen Orbán, "der sechzehn Jahre lang die Freiheit und Souveränität Ungarns mit Mut und Entschlossenheit verteidigt hat."

"Die Genugtuung der Europäischen Kommission, die ihre Vorrechte und Befugnisse immer wieder zum Nachteil des Volkswillens überschritten hat, sollte die Ungarn um den Fortbestand dieser Freiheit beunruhigen, die sie seit Jahren so hartnäckig verteidigt haben", so Le Pen.

Auch andere rechtsaußen Politiker prangerten die Einmischung der EU in die ungarische Politik an. Der Europaabgeordnete der Alternative für Deutschland, Petr Bystron, forderte sogar einen Untersuchungsausschuss zu dem Druck, den die EU auf die ungarische Regierung ausübt, indem sie "Gelder in Milliardenhöhe einfriert und finanzielle Sanktionen verhängt", schrieb er in einer Pressemitteilung.

"Es gab eine obszöne Einmischung der EU in diese Kampagne, und das wird wieder passieren", sagte der Vox-Abgeordnete Hermann Tertsch gegenüber Euronews.

Obwohl die Verbindung mit der MAGA-Bewegung politisch giftig geworden zu sein scheint, sagen Analysten, dass Orbáns Niederlage keinen breiteren Rückschlag für die Rechte in Europa bedeutet.

Sinardet ist der Ansicht, dass es noch zu früh ist, dies als bedeutsamen Wandel zu sehen, weil souveränistische Kräfte vielerorts noch an Boden gewinnen und es nicht möglich ist, Schlussfolgerungen aus einer einzigen Wahl zu ziehen.

Er räumte ein, dass diese politischen Kräfte strukturell stark bleiben und in mehreren EU-Ländern, darunter Italien, die Tschechische Republik und Schweden, in der Regierung vertreten sind.

"Viktor Orbáns Niederlage ist bedeutsam, aber sicherlich nicht das Ende des Rechtspopulismus", sagte Sinardet.

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