Die fragile Waffenruhe zwischen den USA und Iran gerät am Samstag unter Druck. Teheran hat die Straße von Hormus wegen der anhaltenden US-Seeblockade erneut geschlossen.
Iran hat seine Entscheidung zur Wiederöffnung der Straße von Hormus wieder zurückgenommen und am Samstag erneut Beschränkungen für die strategisch wichtige Wasserstraße verhängt, nachdem die USA erklärt hatten, dass dies ihre Blockade nicht beenden würde. Das berichtet die Nachrichtenagentur AP.
Das gemeinsame Militärkommando des Landes teilte am Samstag mit, die „Kontrolle über die Straße von Hormus sei wieder in den vorherigen Zustand zurückgekehrt – unter strenger Führung und Aufsicht der Streitkräfte“. Zugleich wurde gewarnt, dass der Schiffsverkehr weiterhin eingeschränkt bleibe, solange die US-Blockade iranischer Häfen andauere.
Iran hatte bereits kurz vorher gewarnt: Sollten US-Kriegsschiffe Schiffe aus iranischen Häfen stoppen, könnte die Straße von Hormus – eine zentrale Handelsader, durch die normalerweise rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Rohöls und verflüssigten Erdgases transportiert wird – erneut geschlossen werden.
„Bei Fortsetzung der Blockade wird die Straße von Hormus nicht offen bleiben“, schrieb Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf auf X. Eine Passage durch die Wasserstraße werde dann eine Genehmigung Irans erfordern.
„Auf das, was sie Seeblockade nennen, wird Iran mit einer angemessenen Antwort reagieren“, sagte Außenministeriumssprecher Esmaeil Baqaei. Er bezeichnete die Blockade als „Verstoß gegen die Waffenruhe“, auf die sich Teheran und Washington für zwei Wochen geeinigt hatten, um Gespräche zu ermöglichen.
Seit Beginn der Blockade in dieser Woche haben US-Streitkräfte nach eigenen Angaben bereits 21 Schiffe zur Umkehr gezwungen. Das teilte das Zentralkommando der US-Armee in der Nacht auf X mit und veröffentlichte dazu ein Foto eines amerikanischen Lenkwaffenzerstörers im Arabischen Meer.
Diese Misstöne prägten einen Tag, den Trump in mehreren Beiträgen in sozialen Netzwerken als „GROßARTIG UND BRILLANT“ gefeiert hatte. Darin lobte er vor allem Vermittler Pakistan und Verbündete am Golf.
Ungeachtet des Streits über den Status der Wasserstraße drängte die pakistanische Führung, deren Vermittlung in der vergangenen Woche zu direkten Gesprächen zwischen Unterhändlern aus Washington und Teheran in Islamabad geführt hatte, auf einen endgültigen Friedensvertrag zur Beendigung des Kriegs.
In einem Telefoninterview sagte Trump: „Es sieht so aus, als wäre das für alle sehr gut. Und wir sind einem Abkommen sehr nahe.“ Mit Blick auf Teheran behauptete er, es gebe „überhaupt keine offenen Streitpunkte mehr“.
Damit bekräftigte der US-Präsident frühere Aussagen, wonach er nach Pakistan reisen könnte, um ein mögliches Abkommen persönlich zu unterzeichnen. Das weckte Hoffnungen auf ein weiteres Treffen in Islamabad, nachdem US-Vizepräsident JD Vance die Stadt am vergangenen Wochenende nach 21 Stunden Gesprächen verlassen hatte, die nach seinen Worten noch nicht zu einer dauerhaften Einigung führten.
Zugleich nährte Trump Zweifel. Am Samstag bekräftigte er, die US-Seeblockade aufrechterhalten zu wollen, falls kein Friedensabkommen mit Iran zustande kommt. Zugleich signalisierte er Bereitschaft, die Waffenruhe mit Teheran über das geplante Auslaufen am Mittwoch hinaus zu verlängern.
„Vielleicht verlängere ich sie nicht, aber die Blockade bleibt bestehen“, sagte Trump vor Journalistinnen und Journalisten an Bord der Air Force One.
Zerbrechliche Fortschritte
Die Ölpreise waren bereits in Erwartung eines ausgehandelten Kriegsendes gefallen. Am Freitag beschleunigte sich der Rückgang, während die Aktienkurse zulegten, weil Anlegerinnen und Anleger auf die positiven Signale setzten.
Spät am Freitag erteilten die USA eine weitere Ausnahmegenehmigung, die den Verkauf von bereits auf See befindlichem russischem Öl und von Erdölprodukten erlaubt. Das dürfte die Ölpreise durch ein größeres Angebot auf den Weltmärkten zusätzlich dämpfen.
Der Beginn einer zehntägigen Waffenruhe im Libanon und die erneute Öffnung der Straße von Hormus galten in Washington als Fortschritt auf dem Weg zu einer umfassenderen Vereinbarung zur Beendigung des Kriegs mit Iran. Teheran hatte darauf bestanden, dass ein Ende der Kämpfe zwischen der israelischen Armee und der von Iran unterstützten libanesischen Hisbollah Bestandteil jeder größeren Lösung für den regionalen Konflikt sein müsse.
Im Libanon kehrten erste vertriebene Familien in ihre Häuser im bombardierten Südbeirut und in die vom Krieg gezeichneten Städte im Süden des Landes zurück.
„Unsere Gefühle sind unbeschreiblich – Stolz und das Gefühl von Sieg“, sagte die 37-jährige Amani Atrash vor Journalistinnen und Journalisten. Sie hoffe, dass die Waffenruhe verlängert werde.
Die Kämpfe im Libanon begannen am 2. März, als die Hisbollah wenige Tage nach Ausbruch des größeren Kriegs im Nahen Osten Raketen auf Israel abfeuerte – als Vergeltung für die Tötung von Irans oberster Führungspersönlichkeit Ali Khamenei.
Trump erklärte, Washington habe Israel „verboten“, weitere Angriffe zu fliegen. Die USA würden mit dem Libanon zusammenarbeiten „und die Hisbollah-Frage in angemessener Weise behandeln“.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu warnte jedoch, der Einsatz gegen die Hisbollah sei noch nicht beendet.
„Wir haben unsere Aufgabe noch nicht vollendet“, sagte er. Ein zentrales Ziel bleibe die „Zerschlagung der Hisbollah“.
Die Hisbollah wiederum erklärte, sie sei weiterhin bereit, auf jeden israelischen Verstoß zu reagieren.