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Deutschland barfuß entdecken: Natur neu erleben auf besonderen Wanderwegen

Auf diesem von Katherine Hunt bereitgestellten Foto laufen ihre Kinder am achten August 2024 barfuß durch den „Park mit allen Sinnen“ in Gutach, Deutschland.
Das Foto von Katherine Hunt zeigt ihre barfuß laufenden Kinder im Park mit allen Sinnen in Gutach, Deutschland, am achten August zweitausendvierundzwanzig. Copyright  AP Photo/Kelvin Chan
Copyright AP Photo/Kelvin Chan
Von Angela Symons mit AP
Zuerst veröffentlicht am
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Barfußpfade in Deutschland machen Schule: In den USA entstehen nach ihrem Vorbild immer mehr Naturwege zum Gehen ohne Schuhe.

Am Rand eines Weges im malerischen Schwarzwald versinken durchnässte Stufen in knöcheltiefem Wasser und Schlamm. Wer hier unterwegs ist, muss jeden Schritt genau setzen. Das eigentlich Besondere an diesem Pfad: Er ist dafür gedacht, dass Besucher ihn ohne Socken und Schuhe gehen.

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Barfußpfade gibt es weltweit. Sie sollen Menschen über Geräusche und Sinneseindrücke der Natur näherbringen. Kühlen Schlamm zwischen den Zehen spüren, auf Kiefernnadeln treten, Meditationshöhlen, Duftstationen und dunkle Räume erkunden – all das macht aus einem gewöhnlichen Spaziergang ein intensives Erlebnis.

Nach Einschätzung von Podologen und Barfuß-Fans kann das Gehen ohne Schuhe auf unterschiedlichen Untergründen zudem das seelische Wohlbefinden und die Fußgesundheit stärken.

Darum setzen immer mehr Menschen auf den direkten Kontakt zum Boden – Schritt für Schritt.

Barfußpfade: Umwelttrend und Gesundheitsbewegung

Theorien über die Vorteile des Barfußgehens haben in den vergangenen Jahrzehnten vor allem bei Läufern und anderen Sportlern an Popularität gewonnen. Auch Umweltschützer und Vertreter alternativer Therapien für die psychische Gesundheit greifen sie auf. Die Idee selbst ist jedoch deutlich älter als ein Jahrhundert.

Sebastian Kneipp, ein deutscher katholischer Priester des 19. Jahrhunderts und früher Pionier der Naturheilkunde, empfahl Aufenthalte in der Natur, Wasseranwendungen und Barfußgehen als Bewegung, zur Anregung der Durchblutung und zur Stärkung der allgemeinen Gesundheit, einschließlich des Immunsystems. Er riet dazu, barfuß über „taufeuchtes Gras“ oder Schnee zu laufen und soll Schuhe einmal als „fußverkrümmende Maschinen“ bezeichnet haben.

Seine Philosophie inspirierte Wege und Pfade in ganz Europa, die teils als Kneipp-Pfade bekannt sind, und in geringerem Umfang auch in den Vereinigten Staaten. In Asien sollen sogenannte Reflexzonenpfade aus Steinen, Kieseln und Gras Akupressurpunkte an den Fußsohlen stimulieren – ein Konzept, das auf traditionelle Heilmethoden verweist.

Ein Schild im Park für alle Sinne, vor Ort Park mit allen Sinnen genannt, am Donnerstag, dem achten August 2024, in Gutach, Deutschland.
Ein Schild im Park für alle Sinne, vor Ort Park mit allen Sinnen genannt, am Donnerstag, dem achten August 2024, in Gutach, Deutschland. AP Photo/Kelvin Chan

Deutschlands „Park mit allen Sinnen“

Der Park mit allen Sinnen steht exemplarisch für den boomenden Wellnesstourismus im Schwarzwald. Das Mittelgebirge erstreckt sich über mehr als 6.000 Quadratkilometer. Besucher atmen klare Höhenluft, baden in Thermalquellen und lassen sich in Kurorten mit Anwendungen verwöhnen, die auf heimische Pflanzen und Kräuter setzen.

Für den Park wird Eintritt erhoben. Auf der Webseite heißt es, das barfüßige Schlendern über die rund zwei Kilometer lange Strecke mit ihren unterschiedlichen Belägen sei „ideal, um Rücken und Wirbelsäule zu trainieren, und zugleich eine perfekte Fußreflexzonenmassage an der frischen Luft“.

Leah Williams, Betreiberin des Parks The Barefoot Trail nahe Flagstaff im US-Bundesstaat Arizona, eröffnete nach einer Familienreise durch Europa einen gepflegten Barfußpfad gleicher Länge unweit der Route 66, den sie vor zwei Jahren anlegte. Für den Besuch braucht man Tickets, doch Williams führt den Park als gemeinnützige Stiftung.

Williams erzählt, ihre aus Deutschland stammende Mutter habe sie schon als Kind ermuntert, barfuß auf Bäume zu klettern und in den Wäldern und Bächen rund um Seattle zu spielen. Diese Gewohnheit nahm Williams mit ins Erwachsenenleben und gab sie an ihre eigenen Kinder weiter. Als die Familie in den Niederlanden lebte, besuchten sie einen Barfußpfad in Belgien.

„Ich fand einfach alles daran großartig. Ich sah Menschen jeden Alters, und besonders hat mich gefreut, dass auch viele Ältere im Park waren, denn so etwas sieht man hier in den Vereinigten Staaten kaum“, sagt Williams. „Da dachte ich: ‚Wow, wenn ich zurück in die Vereinigten Staaten komme, baue ich selbst so einen Park.‘“

Für Kinder, die den Park besuchen, stellt sie Unterrichtsmaterialien für Schulen, Sommerprogramme und Ferienlager bereit.

„Gute Verwalter der Natur zu sein, ist im Grunde unsere Aufgabe als Menschen“, sagt Williams. „Wir haben dafür rund fünf Hektar Land in unserem Park reserviert – für den Genuss unserer Gemeinschaft, für Menschen vor Ort, im ganzen Bundesstaat und in der Region.“

Schuhe hängen nahe dem Eingang eines Barfußpfades bei Flagstaff im Bundesstaat Arizona am Donnerstag, dem sechzehnten April 2026.
Schuhe hängen nahe dem Eingang eines Barfußpfades bei Flagstaff im Bundesstaat Arizona am Donnerstag, dem sechzehnten April 2026. AP Photo/Cheyanne Mumphrey

Barfußpfade als Sinneserlebnis

Die meisten Menschen gehen draußen nur selten barfuß. Entsprechend ungewohnt ist es zunächst, die empfindlichen Füße verschiedenen Oberflächen, Temperaturen und Berührungen auszusetzen.

„Man sollte die Gesichter der Leute sehen, wenn sie loslaufen“, sagt Williams.

Viele Parks mit Barfußpfaden ermuntern Besucher, die Wege ohne Schuhe zu gehen. Verpflichtend ist das nicht. Gäste mit Neuropathien, Diabetes oder anderen Fußproblemen können in den Parks in Arizona und in Deutschland ihre Schuhe anbehalten.

Einige Barfußpfade sprechen ganz bewusst mehrere Sinne an.

Im Park mit allen Sinnen weist ein Schild mit der Aufschrift „Bitte still sein“ auf einen Bereich hin, der als Meditationshöhle beschrieben wird. Innen steht eine lange Bank vor hohen Fenstern mit Blick in den Wald, aus versteckten Lautsprechern erklingt leise Musik.

An anderer Stelle im Park drücken Besucher rote Gummibälle, aus denen der Duft von Papaya oder Aprikosen strömt, oder sie stecken ihre Hände in eine Kiste, die mit Wildschweinfell ausgekleidet ist.

Ein Schild im Park für alle Sinne, vor Ort Park mit allen Sinnen genannt, am Donnerstag, dem achten August 2024, in Gutach, Deutschland.
Ein Schild im Park für alle Sinne, vor Ort Park mit allen Sinnen genannt, am Donnerstag, dem achten August 2024, in Gutach, Deutschland. AP PhotoAP Photo/Kelvin Chan

Schuhe aus: Barfußpfade erobern die Welt

Auch in Österreich, Dänemark, Frankreich, Ungarn, der Schweiz und im Vereinigten Königreich gibt es Barfußpfade. Manche richten sich vor allem an Einheimische und nicht an Touristen, deshalb sind sie gar nicht so leicht zu finden. Wer in der jeweiligen Landessprache nach Begriffen wie „barfuß“ oder „Barfußpfad“ sucht, wird eher fündig.

In Hongkong, Singapur und Japan verfügen einige öffentliche Parks über Kieselpfade – Wege mit fest eingebetteten, glatten Steinen, die sich für Reflexzonenmassage und Fußmassage eignen.

Ähnlich ist es in den Vereinigten Staaten: Dort gibt es sogenannte Wellnessparks und informelle Barfußwanderungen auf normalen Wegen. Weil solche Angebote in den USA jedoch noch selten sind, will Williams das Konzept von The Barefoot Trail an weiteren Orten etablieren.

Die Stiftung hat vor Kurzem rund acht Hektar Land in einem Mischgebiet aus Gewerbe- und Wohnbebauung in der Universitätsstadt Lawrence im Bundesstaat Kansas zugesprochen bekommen. Dort soll ein Park entstehen, der dem Gelände in Arizona ähnelt.

„Der Park wird Teil eines größeren neuen Geschäftsquartiers sein“, sagt Williams. „Es geht darum, solche Naturräume in den Alltag der Menschen zu integrieren und geschützte Orte zu schaffen, an denen sie sich wohlfühlen können.“

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