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Ungarns drittgrößter See verschwindet: Können Experten ihn noch retten?

Die dramatische Lage ist die Folge lang anhaltender Dürren, ausbleibender Regenfälle und jahrzehntelanger Misswirtschaft mit Wasser.
Die dramatische Lage ist Folge langer Dürreperioden, ausbleibender Regenfälle und jahrzehntelanger Misswirtschaft mit Wasser. Copyright  AP Photo/Anna Szilagyi
Copyright AP Photo/Anna Szilagyi
Von Rebecca Ann Hughes
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Die dramatische Lage vor Ort ist Folge lang anhaltender Dürre, ausbleibenden Regens und jahrzehntelanger Misswirtschaft mit Wasserressourcen.

Am Velence-See, rund vierzig Kilometer westlich von Budapest, führen Metalltreppen, die früher direkt ins Wasser gingen, heute nur noch auf den Sand. Das Ufer liegt inzwischen mehrere Meter entfernt.

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Nach Angaben von Pál Árpád Eötvös, Bürgermeister der am Seeufer gelegenen Stadt Gárdony, lag der Pegel Ende Mai nur noch rund zehn Zentimeter vom niedrigsten jemals gemessenen Stand entfernt.

Fachleute erwarten, dass diese Marke bereits Mitte Juni unterschritten wird, berichtet das lokale Nachrichtenportal Daily News Hungary.

Die dramatische Lage geht auf lang anhaltende Dürren, ausbleibenden Regen und jahrzehntelange Fehlbewirtschaftung der Wasserressourcen zurück. Das setzt das Ökosystem und den Tourismus der Region massiv unter Druck.

Ungarns drittgrößter See trocknet aus

Der Velence-See zieht im Sommer normalerweise zahlreiche Urlauberinnen und Urlauber an, die segeln oder baden.

Am 9. Juni lag der Pegel im Ort Agárd bei 56 Zentimetern, wie Daten der Nationalen Generaldirektion für Wasserwirtschaft zeigen.

Damit liegt der Wasserstand nur drei Zentimeter über dem historischen Tiefstwert von 53 Zentimetern aus dem Jahr 2022, als Ungarn von einer extremen Dürre heimgesucht wurde.

Historische Aufzeichnungen belegen, dass der Velence-See in der Vergangenheit bereits komplett ausgetrocknet ist. Die Sorge gilt heute jedoch der Häufung von Wasserknappheit.
Historische Aufzeichnungen belegen, dass der Velence-See in der Vergangenheit bereits komplett ausgetrocknet ist. Die Sorge gilt heute jedoch der Häufung von Wasserknappheit. AP Photo/Anna Szilagyi

Die heißesten Monate stehen noch bevor. In dieser Zeit kann der Pegel nach Angaben von Daily News Hungary um 20 bis 25 Zentimeter pro Monat sinken.

Bleibt ergiebiger Regen aus, könnte der Wasserstand nach Einschätzung von Expertinnen und Experten, die mit Reuters sprachen, täglich um etwa einen halben Zentimeter fallen – bis auf nur noch 30 Zentimeter zum Ende des Sommers.

Der Klimawandel treibt das Verschwinden des Sees voran. Hinzu kommt eine jahrelange schlechte Wasserbewirtschaftung, etwa das Trockenlegen von Feuchtgebieten für die Landwirtschaft, erläutert Tibor Horanyi vom Verband der Großen Seen.

Zwar zeigen historische Aufzeichnungen, dass der Velence-See schon früher völlig ausgetrocknet ist. Heute bereitet jedoch vor allem die neue Regelmäßigkeit der Wasserknappheit Sorgen.

Inzwischen übersteigt der jährliche Wasserverlust des Sees – vor allem durch Verdunstung – den Zufluss durch Niederschläge.

Tourismus und Tierwelt in Gefahr

Tourismusbetriebe, die Fahrten mit Ausflugs- oder Segelbooten anbieten, spüren die Folgen bereits. Viele haben in dieser Saison noch gar nicht geöffnet, berichtet Daily News Hungary. Einige Bootsbesitzer sind schon an den nahe gelegenen Plattensee ausgewichen.

Auch die Tierwelt leidet, erklärt der Bauingenieur Tóth Sándor, Präsident der Ingenieurkammer des Komitats Fejér, in einem Beitrag für das Nachrichtenportal G7 von Telex.

Die anhaltende Wasserknappheit schädigt die Schilfgürtel. Wasservögel und Fische verlieren zunehmend Lebensraum.

Brutvögel und ihre Küken geraten ebenfalls in Gefahr, weil frühere Brutinseln zu trockenem Land werden.

Das flachere Wasser erwärmt sich zudem schneller. Das beschleunigt Algenblüten und kann die Wasserqualität deutlich verschlechtern.

Kann der See wieder aufgefüllt werden?

Bei früheren extremen Wasserständen hat man den Velence-See mit anderen Quellen gestützt. Anfang der 1990er-Jahre wurde etwa Wasser aus dem Karstgrundwasserleiter Rákhegy in den See geleitet.

Diese Lösung gilt heute wegen des gestiegenen Bedarfs an Trinkwasser und der geschrumpften Reserven als nicht mehr tragfähig.

Fachleute drängen stattdessen darauf, die nahe gelegenen Stauseen Zámolyi und Pátkai zu sanieren, um in Regenphasen mehr Wasser speichern zu können, das anschließend in den Velence-See fließt.

Geplant sind unter anderem die Entschlammung der Becken und Einschränkungen für Aktivitäten wie die Fischerei, die die Wasserqualität beeinträchtigen.

Ein weiterer Vorschlag, den Sándor nennt, ist die Wiederverwendung des gereinigten Wassers aus den regionalen Kläranlagen.

Die Anlagen in Agárd und Csákvár liefern pro Jahr 4,3 Millionen beziehungsweise 0,3 Millionen Kubikmeter aufbereitetes Wasser, das bislang aus dem Einzugsgebiet des Sees abgeleitet wird.

Noch weiter geht die Idee, Wasser aus der Donau zuzuführen – entweder über Uferfiltratbrunnen oder durch direkte Entnahme von Oberflächenwasser. Dafür wären jedoch in beiden Fällen umfangreiche neue Infrastrukturen nötig, etwa Pumpstationen und Dutzende Kilometer Leitungen.

Bei einer direkten Entnahme von Rohwasser müsste zudem eine Vorreinigung erfolgen, damit keine Schadstoffe oder Organismen wie Algen und invasive Arten in den Velence-See gelangen.

„Nur eine gezielte Wasserzufuhr kann den Zustand des Sees nachhaltig verbessern“, schreibt Sándor. Die Umsetzung endgültiger Konzepte erfordere jedoch „äußerste Vorsicht“.

Nach Angaben von Reuters hat Umweltminister Laszlo Gajdos in der vergangenen Woche Vertreterinnen und Vertreter lokaler NGOs, Bürgermeister und Fachleute für Wasserwirtschaft getroffen, um über die Zukunft des Sees zu beraten.

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