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Empfinden Insekten Schmerzen? Forscher liefern Antworten

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Von Cagla Uren
Zuerst veröffentlicht am
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Eine neue Studie mit Grillen liefert Hinweise darauf, dass Insekten möglicherweise Schmerzen empfinden können. Die Tiere schützten verletzte Fühler über längere Zeit gezielt – ein Verhalten, das Forscher bislang vor allem von Säugetieren kennen.

Ob Insekten Schmerzen empfinden können, ist seit vielen Jahren umstritten. Eine neue Studie zeigt nun, dass Grillen ihre verletzten Fühler über längere Zeit reinigen und schützen – ähnlich wie ein verletzter Hund seine Pfote leckt. Nach Ansicht der Wissenschaftler deutet dieses Verhalten darauf hin, dass die Insekten nicht nur reflexartig reagieren, sondern möglicherweise auch ein schmerzähnliches Empfinden haben.

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Die Forschungsergebnisse wurden in der renommierten Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society veröffentlicht.

Thomas White, einer der Autoren der Studie, erklärte gegenüber dem Guardian, Schmerz sei bei diesen Insekten mehr als nur eine einfache neuronale Reaktion. Vielmehr handle es sich um ein "lang anhaltendes und unangenehmes Gefühl".

Da Wissenschaftler Schmerzen bei anderen Arten nicht direkt messen können, suchen sie laut White nach Verhaltenshinweisen. Einer davon ist das sogenannte "flexible Selbstschutzverhalten". Dabei schenkt ein Tier einer verletzten Stelle über einen längeren Zeitraum besondere Aufmerksamkeit.

"Wenn wir sehen, dass ein Hund humpelt, sich die Pfote leckt oder einen Arm schützt, denken wir sofort, dass er Schmerzen hat. Wissenschaftler suchen nach ähnlichen Verhaltensweisen bei anderen Tieren", sagte White.

Experiment mit Grillen

Für die Studie wurden Dutzende Grillen in drei Gruppen aufgeteilt. In einer Gruppe hielten die Forscher einen auf 65 Grad Celsius erhitzten Lötkolben kurz an eine Antenne der Insekten. In der zweiten Gruppe wurde dieselbe Metallspitze kalt angewendet. Die dritte Gruppe diente als Kontrollgruppe.

Thomas White erklärte, die Temperatur von 65 Grad verursache keine dauerhaften Schäden, sei aber "unangenehm".

Die überwältigende Mehrheit der mit heißem Metall behandelten Grillen richtete ihre Aufmerksamkeit auf die verletzte Antenne. Die Forscher beobachteten, dass die Insekten ihre Fühler häufiger reinigten, sich länger damit beschäftigten und nur langsam zu ihrem normalen Verhalten zurückkehrten.

"Sie waren nicht nur unruhig. Sie konzentrierten sich besonders auf die Fühler, die von dem heißen Metall berührt worden waren", sagte White.

In den anderen Gruppen kehrten die Insekten nach einer kurzen Phase der Unruhe schnell zu ihrem normalen Verhalten zurück.

"Wenn wir dieses Verhalten bei unseren Haustieren beobachten würden, würden wir sagen, dass sie Schmerzen haben."

Würde man dasselbe Verhalten bei einem Säugetier sehen, würden die meisten Menschen es als Zeichen von Schmerz interpretieren, so die Forscher.

"Wenn wir es bei unserem Hund oder bei einem Freund sehen würden, würden wir denken, dass sie Schmerzen haben", sagte White. "Warum ziehen wir bei Insekten nicht dieselbe Schlussfolgerung?"

Nach Ansicht des Forschers liegt das daran, dass Menschen Insekten häufig als distanzierte und "maschinenähnliche" Lebewesen betrachten.

Neuere Studien hätten jedoch gezeigt, dass Insekten deutlich komplexeres Verhalten zeigen als lange angenommen.

"Sie sind nicht nur kleine Maschinen. Sie können lernen, komplexe Entscheidungen treffen und zwischen verschiedenen Optionen wählen", so White.

Frühere Forschungen hätten bereits gezeigt, dass Hummeln spielerisches Verhalten zeigen und mit bunten Holzkugeln spielen. Bei gestressten Bienen sei zudem ein "pessimistisches" Verhalten festgestellt worden.

Mehr als 500 Wissenschaftler akzeptieren die Möglichkeit von Bewusstsein

Die von mehr als 500 Wissenschaftlern und Philosophen unterzeichnete New Yorker Erklärung zum Bewusstsein von Tieren erkennt die reale Möglichkeit bewusster Erfahrungen bei Wirbeltieren und vielen wirbellosen Arten – darunter auch Insekten – an.

Einige Länder haben die "Empfindungsfähigkeit" wirbelloser Tiere wie Kopffüßer und Krebstiere bereits rechtlich anerkannt.

Eine der wichtigsten Folgen der Forschung könnte laut den Autoren die ethische Debatte sein.

White wies darauf hin, dass sich ein Großteil der bisherigen Forschung zum Schmerzempfinden von Insekten auf Bienen konzentriert habe. Bei Grillen sei die Frage jedoch besonders relevant.

Grillen werden heute in Milliarden- oder sogar Billionenzahlen für Lebensmittel, Tierfutter und wissenschaftliche Forschung gezüchtet.

"Wenn sie ein besseres oder schlechteres Leben führen können, müssen wir das berücksichtigen", sagte White.

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