Wer in Deutschland auf Wärmepumpe und E-Auto umsteigt, kann laut neuem Bericht jährlich rund 1.950 Euro Energiekosten sparen. Steigende Öl- und Gaspreise könnten den finanziellen Vorteil weiter vergrößern.
Wer auf klimafreundliche Heizungen und Verkehrsmittel umstellt, kann seine Energierechnungen jedes Jahr um mehrere tausend Euro senken – und das, noch bevor Preisschocks bei fossilen Brennstoffen eingerechnet sind. Das geht aus einem neuen Bericht hervor.
Die Analyse des dänischen Klimathinktanks CONCITO zeigt: Schon Investitionen in Wärmepumpen und Elektroautos (EV) bringen Einsparungen, die fast zwei Jahren kostenloser Heizenergie in einem durchschnittlichen EU‑Haushalt entsprechen. Fachleute gehen davon aus, dass die Ersparnis noch höher ausfallen könnte, wenn die Regierungen ihre Energiesteuern anpassen und Strom verstärkt in Schwachlastzeiten genutzt wird.
Die Forschenden untersuchten fünf EU‑Staaten. Die Einsparungen bei den Energierechnungen unterschieden sich deutlich je nach lokalen Preisen und dem Bedarf der Haushalte. Überall fielen sie jedoch "beträchtlich" aus. Im EU‑Durchschnitt lagen sie bei 2.200 Euro pro Jahr.
Wärmepumpe und E‑Auto: Wie viel Ersparnis ist drin?
Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass Haushalte in Deutschland durch den Umstieg auf eine Wärmepumpe und ein E‑Auto mindestens 1.950 Euro jährlich sparen können. Das entspricht in etwa einem Jahr kostenloser Heizwärme.
In Spanien steigt die mögliche Ersparnis auf 2.000 Euro im Jahr, was etwa zweiundzwanzig Monaten Strom ohne Zusatzkosten gleichkommt.
Von den fünf untersuchten Ländern schneidet Frankreich am besten ab: Dort können Haushalte durch den Umstieg beeindruckende 3.070 Euro im Jahr einsparen.
In Polen liegt die jährliche Ersparnis bei 1.870 Euro, in Italien bei 1.780 Euro.
CONCITO weist darauf hin, dass diese Schätzungen auf Eurostat-Daten aus der Zeit vor dem Krieg gegen den Iran beruhen, nach dessen Ausbruch die Preise für Öl und Gas explodiert sind.
"Die Schätzungen können daher als eher vorsichtig gelten", heißt es in dem Bericht. "Die jüngsten Preissprünge bei fossilen Brennstoffen stärken das wirtschaftliche Argument für Elektrifizierung und erhöhen den politischen Druck, Verbraucher vor Preisschocks zu schützen."
Iran‑Krieg: Boom für erneuerbare Energien in Europa
Der Konflikt von USA und Israel im Nahen Osten hat in Europa einen Boom bei erneuerbaren Energien ausgelöst und stärkt heimische, saubere Energie.
Nach Angaben des britischen Energieanbieters Octopus Energy stiegen die Verkäufe von Wärmepumpen im Vereinigten Königreich in den ersten drei Märzwochen um mehr als 50 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vormonats. Das fällt zusammen mit der faktischen Schließung der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Seerouten für fossile Brennstoffe weltweit, über die normalerweise etwa ein Fünftel des globalen Ölhandels läuft.
Im ersten Quartal 2026 legten die Verkäufe von Wärmepumpen in Wohngebäuden in Frankreich, Deutschland und Polen im Schnitt um 25 Prozent zu, verglichen mit dem gleichen Zeitraum 2025. In Deutschland wurden inzwischen mehr Wärmepumpen als herkömmliche Gasheizungen verkauft – obwohl die Bundesregierung ihr Gesetz für klimafreundliches Heizen zuletzt wieder abgeschwächt hat.
Auch Autohändler, darunter Gebrauchtwagenbörsen, verzeichnen seit einigen Monaten ein stark wachsendes Interesse an Elektrofahrzeugen. Dazu gehört die in Amsterdam ansässige Plattform Olx, die berichtet, dass die Anfragen zu E‑Autos auf ihren Marktplätzen in Frankreich, Rumänien, Portugal und Polen deutlich gestiegen sind – mit einem Wachstum, das "in allen Märkten von Woche zu Woche weiter anzieht".
"Die Preissprünge bei fossilen Brennstoffen, die wir derzeit erleben, sind kein Zufall. Sie sind die absehbare Folge der anhaltenden Abhängigkeit Europas von Öl und Gas, von denen rund neunzig Prozent importiert werden", sagt Jens Mattias Clausen von CONCITO.
"Die Analyse zeigt, dass es die Instrumente zum Schutz europäischer Familien bereits gibt. Jetzt braucht es den politischen Willen, die Hindernisse aus dem Weg zu räumen."
Elektrifizierung: Welche Hürden bremsen noch?
Für viele Haushalte, die Heizung und Mobilität elektrifizieren wollen, zählen die hohen Anfangskosten weiterhin zu den größten Hürden.
Laut Bericht könnten gezielte Zuschüsse von 4.500 Euro die Amortisationszeit einer Wärmepumpe für einen durchschnittlichen EU‑Haushalt auf fünf Jahre verkürzen. Viele Länder, etwa das Vereinigte Königreich, bieten zusätzlich Förderprogramme für Haushalte mit niedrigem Einkommen an, um die Installationskosten abzufedern.
Auch die Preise für Elektroautos sinken und erreichen in vielen Staaten inzwischen das Niveau von Benzinern. Die größte Online‑Autobörse des Vereinigten Königreichs, Autotrader, meldete im vergangenen Monat, dass neue E‑Autos im Durchschnitt erstmals günstiger in der Anschaffung sind als vergleichbare Benzinmodelle.
Nach Angaben des britischen E-Auto-Leasinganbieters Octopus Electric Vehicles kosten viele Elektroautos inzwischen in der Leasingrate genauso viel oder sogar weniger als vergleichbare Benziner.
Zudem bieten zahlreiche EU‑Staaten Anreize für den Kauf von Elektroautos und den Aufbau von Ladeinfrastruktur.