Earth Prize 2026: Ayra Satheesh wird als europäische Preisträgerin ausgezeichnet – sie entwickelt Lösungen gegen Mikroplastik.
Mit gerade einmal achtzehn Jahren stellt sich Ayra Satheesh einem der größten Umweltprobleme unserer Zeit.
Die irische Studentin wurde heute (11. Mai) zur Europasiegerin des renommierten Earth Prize gekürt. Der Wettbewerb gilt als weltweit größte Umweltinitiative für junge Menschen und bietet Mentoring sowie 100 000 US-Dollar (85 000 Euro) Fördergelder.
Satheesh erhält die Auszeichnung für ihr Projekt Eco Purge, einen biologisch abbaubaren Kunststoff, der sich sicher zersetzt und dabei Katalysatoren freisetzt, die vorhandenes Mikroplastik aus der Umwelt abbauen helfen. Sie arbeitet bereits mit Forschenden der irischen Universitäten UCD Dublin und ATU Letterkenny sowie dem BiOrbic Bioeconomy Research Centre zusammen – obwohl sie selbst noch zur Schule geht.
Mit dem Preisgeld von 12 500 US-Dollar (10 624 Euro) will die angehende Wissenschaftlerin ihre Erfindung nun so weiterentwickeln, dass sie sich in Produkten wie Verpackungen und Kompostbeuteln einsetzen lässt. Das ist eine große Herausforderung: Biologisch abbaubare Kunststoffe lassen sich nur schwer so robust machen, dass sie den Alltag überstehen.
Earth Prize 2026: Europas Gewinnerin stellt sich vor
„Es ist ein wahr gewordener Traum“, sagt Satheesh im Gespräch mit Euronews Earth. „Ich kann noch immer kaum glauben, dass ich gewonnen habe.“
Satheesh, die in den nächsten zehn Jahren einen Doktortitel in Enzymtechnik oder Biotechnologie anstrebt, erzählt, dass sie die Idee zu Eco Purge nach einem früheren Projekt zur Überwachung der Wasserqualität hatte. Damals stellte sie fest, dass sich Mikroplastik leicht nachweisen, aber kaum entfernen lässt.
„Schon damals waren Plastik und Mikroplastik ein großes Alltagsthema“, erklärt sie und warnt, Mikroplastik sei inzwischen so allgegenwärtig, dass Forschende es sogar in Trinkwasser und Muttermilch gefunden haben.
„Ich wollte einfach verstehen, was Plastik eigentlich ist“, erzählt sie. „Dann habe ich erforscht, wie Mikro- und Nanoplastik entstehen, wie sie in unseren Körper gelangen und was sie in unserem täglichen Leben bewirken können. Danach habe ich nach Lösungen gesucht.“
Satheesh entwickelte einen pflanzenbasierten Kunststoff, der spezielle Enzyme transportieren kann. Sie bettet diese Enzyme in das Material ein. So bleiben sie stabil und werden nach und nach freigesetzt, wenn sich der Kunststoff zersetzt. Auf diese Weise können sie Mikroplastik in unterschiedlichen Umgebungen weiter abbauen, etwa im Boden, in Süßwasser und in Salzwasser.
Die Methode setzt darauf, ein Bakterium gentechnisch so zu verändern, dass es das Enzym produziert. Das ist anfangs teuer, könnte aber langfristig kostengünstiger werden. Satheesh will die Hälfte ihres Preisgeldes einsetzen, um diese Annahme zu testen. Sie will beobachten, wie sich E.coli entwickelt und wie wirksam es ist, nachdem die veränderten Bakterien zur Enzymproduktion eingesetzt wurden.
Bestätigt sich ihre Theorie, fließt der Rest des Geldes in den Ausbau der Produktion. Falls nicht, geht sie zurück ins Labor und sucht weiter nach einem Weg, wie sich dieses Ziel erreichen lässt.
Europas Plastikkrise anpacken
Als Europasiegerin appelliert Satheesh auch an multinationale Unternehmen in der EU, auf Plastik zu verzichten.
Sie weiß, dass das „sehr schwer“ umzusetzen ist. Doch sie betont, dass Recycling allein die Plastikepidemie nicht lösen wird: Von den jährlich 240 Millionen Tonnen Kunststoff werden derzeit nur rund neun Prozent tatsächlich recycelt.
Große fossile Energiekonzerne profitieren ebenfalls vom Plastikverbrauch. Petrochemische Produkte stecken in Tausenden Alltagsgegenständen und halten die Nachfrage nach Öl und Gas hoch, obwohl erneuerbare Energien zulegen.
Wiederverwendung und der möglichst häufige Einsatz von biologisch abbaubaren Kunststoffen seien trotzdem besser, als noch mehr Plastikmüll zu erzeugen, fügt Satheesh hinzu.
Am 29. Mai startet eine öffentliche Abstimmung, bei der die globale Gewinnerin oder der globale Gewinner des Earth Prize gekürt wird. Mehr über den Wettbewerb erfahren Sie hier (Quelle auf Englisch).