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Iranisches TV zeigt Schießtraining, Revolutionsgarde wirbt Kinder an

DATEI: Ein Iraner betrachtet Waffen auf einer von der Polizei organisierten Sicherheitsmesse in der Großen Moschee von Teheran, 24. September 2012
ARCHIV: Iraner betrachtet Waffen auf von der Polizei organisierter Sicherheitsmesse in der Großen Moschee von Teheran, 24. September 2012 Copyright  AP Photo
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Von Babak Kamiar & Euronews Persian
Zuerst veröffentlicht am
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Das iranische Staatsfernsehen zeigt live Waffendrills, bei denen auf Trump, Netanjahu und die Flagge der Emirate gezielt wird; die Revolutionsgarden rekrutieren dafür Kinder ab zwölf Jahren für Kontrollposten.

Das iranische Staatsfernsehen IRIB strahlt derzeit Waffenlehrgänge aus, in denen unter anderem auf die Stirn von US-Präsident Donald Trump und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu simuliert geschossen wird. In einer Livesendung feuerte ein Moderator zudem auf die Flagge der Vereinigten Arabischen Emirate.

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Die Beiträge laufen auf mehreren IRIB-Kanälen. In den Studios geben Ausbilder live Anweisungen, wie man Waffen bedient und zerlegt: darunter Kalaschnikow-Gewehre, PK-Maschinengewehre, das Scharfschützengewehr Dragunow und den Raketenwerfer RPG-7.

Der Sender zeigt außerdem Aufnahmen von Waffentrainings in Moscheen in Ahvaz, Kerman, Schiras und Zahedan. Dort erscheinen Männer, Frauen und Kinder, die demnach freiwillig gekommen sind, um zu lernen, wie sie gegen die USA und Israel kämpfen können.

Mohsen Barmahani, stellvertretender Chef des Senders, verteidigte das Programm. „In einer Kriegssituation und in einem Land, das sich gleichzeitig im Kampf gegen alle Weltmächte und Unterdrückung befindet, ist es nur natürlich, dass die staatlichen Medien in den Kriegsmodus gehen“, sagte Barmahani der Nachrichtenagentur Tasnim.

„Dass Moderatoren mit Waffen in den Sendungen auftreten, soll die Menschen an diese Lehren erinnern“, ergänzte er.

IRIB untersteht direkt dem Ayatollah. Der Gesundheitszustand des neuen Ayatollah Modschtaba Chamenei ist jedoch unklar. Laut Berichten soll er beim ersten Angriff am 28. Februar schwer verletzt worden sein.

Bei den US-israelischen Angriffen auf Teheran an diesem Tag kam sein Vater, der frühere Ayatollah Ali Chamenei, ums Leben.

Kinderrekrutierung und Tod an einem Kontrollposten

Die Ausstrahlungen fallen in eine Zeit, in der iranische Menschenrechtsorganisationen von einem Todesfall berichten. Ein elfjähriger Junge sei am vergangenen Sonntag bei einem israelischen Drohnenangriff getötet worden, als er sich an einem Kontrollposten der Revolutionsgarden in Teheran befand.

Hengaw und HRANA identifizierten das Kind als Alireza Dschafari und erklärten, sein Vater sei zum Zeitpunkt des Angriffs dabei gewesen. Beide Organisationen gaben an, iranische Sicherheitskräfte hätten den Jungen dem Kontrollposten zugeteilt. Euronews konnte diese Angaben nicht unabhängig überprüfen.

Berichte eines mit der Stadtverwaltung Teheran verbundenen Mediums sowie von Basidsch-Einheiten schilderten Alirezas Tod ebenfalls im Zusammenhang mit einem Einsatz an einem Kontrollposten.

Die Mutter des Jungen wurde mit den Worten zitiert, sein Vater habe ihn wegen Personalmangels dorthin mitgenommen. Jugendliche von fünfzehn und sechzehn Jahren oder sogar noch jüngere Kinder seien demnach regelmäßig an Kontrollposten im Einsatz.

Mehrere im Ausland ansässige iranische Medien zitierten die Basidsch-Lehrerorganisation, einen ideologischen Ausbildungstrakt der mit den Revolutionsgarden verbundenen Miliz, mit einer Bestätigung des Todesfalls.

Die Revolutionsgarden haben am 26. März offiziell eine Rekrutierungskampagne für Zivilisten gestartet und das Mindestalter für den Eintritt auf zwölf Jahre festgelegt.

Rahim Nadali, Stellvertreter der Teheraner Einheit „Mohammad Rasulullah“ der Revolutionsgarden, erklärte am selben Tag in einer Fernsehsendung, Kinder von zwölf und dreizehn Jahren hätten Interesse bekundet, an Aufklärungsstreifen und Kontrollposten mitzuwirken.

Ein Werbeplakat der Revolutionsgarden, veröffentlicht von der Nachrichtenagentur Defa Press, zeigte zwei Kinder neben Erwachsenen in Militäruniform.

Plakat zur Registrierung von Basidsch-Freiwilligen
Plakat zur Registrierung von Basidsch-Freiwilligen social media

Human Rights Watch warnte in diesem Monat, die Rekrutierungskampagne stelle „einen schweren Verstoß gegen die Rechte von Kindern dar und ein Kriegsverbrechen, wenn die Kinder jünger als fünfzehn sind“.

Die Organisation erklärte, IRGC-Vertreter Nadali habe bestätigt, dass die Rekruten für die Besetzung von Kontrollposten, für operative und nachrichtendienstliche Patrouillen, Fahrzeugkonvois und andere Sicherheitsaufgaben eingeplant seien.

Seit Beginn des Krieges haben sich Basidsch-Kontrollposten in Teheran stark vermehrt. Israelische Angriffe treffen sie immer wieder.

Der Einsatz Minderjähriger in den iranischen Sicherheitsstrukturen ist nicht neu. Im Iran-Irak-Krieg der achtziger Jahre warben die Behörden laut Schätzungen von HRW auf Basis offizieller iranischer Zahlen Hunderttausende Kinder für riskante Einsätze in den Reihen der Basidsch an. Zehntausende von ihnen kamen ums Leben.

Auch in späteren Jahren gab es Berichte über Kinderrekrutierungen, sowohl in regionalen Konflikten als auch bei innenpolitischen Niederschlagungen von Protesten.

Nach dem Römischen Statut des Internationalen Strafgerichtshofs gilt es als Kriegsverbrechen, Kinder unter fünfzehn Jahren in Streitkräfte einzuziehen oder sie aktiv an Feindseligkeiten teilnehmen zu lassen.

Iran hat zudem die UN-Kinderrechtskonvention ratifiziert und das Zusatzprotokoll unterzeichnet, das die Rekrutierung von Minderjährigen unter achtzehn Jahren für bewaffnete Konflikte verbietet.

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