Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

"Verheerend": Frankreichs letzte Orcas sollen in spanischen Zoo verlegt werden

Auf diesem Foto vom 18. April 2011 springt Schwertwal Wikie mit seinem Baby, einem vor einem Monat geborenen Weibchen, im Wasserpark Marineland in Antibes im Südosten Frankreichs.
Auf diesem Foto vom 18. April 2011 springt Schwertwal Wikie mit seinem Baby, einem vor einem Monat geborenen Weibchen, im Wasserpark Marineland in Antibes im Südosten Frankreichs. Copyright  AP Photo/Lionel Cironneau, File
Copyright AP Photo/Lionel Cironneau, File
Von Ruth Wright & Nela Heidner
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Die Tierschutzorganisation "Born Free" erklärt, dass die derzeit in Gefangenschaft lebenden Orcas im Loro Parque "wahrscheinlich weiterhin zur öffentlichen Unterhaltung und möglicherweise zur Zucht ausgebeutet werden". Eine Umsiedlung in ein riesiges Schutzgebiet in Kanada wurde abgelehnt.

Zwei Orca-Wale aus einem französischen Freizeitpark, der zu ihrem Schutz geschlossen worden war, sollen nun in einen spanischen Zoo gebracht werden, wo sie in Shows auftreten müssen. Tierschutzorganisationen haben ihre "tiefe Besorgnis" über diese Pläne zum Ausdruck gebracht.

WERBUNG
WERBUNG

In Frankreich leben Orcas (Schwertwale, Orca) nicht im offenen Meer, sondern ausschließlich in Gefangenschaft in Meerwasseranlagen bzw. Aquarien. Der bekannteste Ort ist etwa das ehemalige Marineland in Antibes, wo Tiere in künstlichen Becken gehalten werden. Der Park hat in den letzten Jahren massiv seinen Betrieb reduziert, insbesondere nach dem politischen und gesellschaftlichen Druck gegen die Haltung von Meeressäugern.

Mutter und Sohn Wikie und Keijo führten im Marineland in Antibes Kunststücke für Besucher auf – bis 2025, nachdem Frankreich zuvor Tiere als Darsteller verboten hatte. Sie sind dort immer noch in einem Becken untergebracht, neben 12 Großen Tümmlern in weiteren Becken. Es wurde viel darüber diskutiert, wohin sie verlegt werden sollten.

Sogar Euthanasie wurde als "Lösung" angeboten, bevor die französische Regierung eingriff.

Während die Regierung zuvor Pläne abgelehnt hatte, die Tiere in den Zoo Loro Parque in Puerto de la Cruz auf Teneriffa zu bringen, scheint sie nun ihre Haltung zu ändern.

Letzte Woche kündigte Mathieu Lefèvre, der französische Minister für den ökologischen Wandel, an, dass die Tiere "in den kommenden Wochen, vor Ende Juni" umgesiedelt würden.

Zwölf europäische Umweltorganisationen haben sich daraufhin schriftlich an die spanischen Behörden gewandt und ihre "tiefe Besorgnis" über die Verlegung von Wikie und Keijo in den Loro Parque zum Ausdruck gebracht.

Die britische Tierschutzorganisation Born Free erklärt, dass die Orcas dort wahrscheinlich "weiterhin zur öffentlichen Unterhaltung und möglicherweise zur Zucht ausgebeutet würden".

Die Organisation wies darauf hin, dass die französische Regierung erklärt hatte, eine wissenschaftliche Agentur in Spanien, deren Aufgabe es ist, die Eignung von Einrichtungen zu bewerten, habe "die Verlegung abgelehnt".

Nach Angaben der Agentur entsprechen die Becken im Loro Parque "nicht den Mindeststandards in Bezug auf Fläche, Volumen und Tiefe" für Wale, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet.

Vier Orcas waren dort zwischen 2021 und 2024 im Loro Parque vorzeitig gestorben.

Auch die spanischen Behörden selbst hatten die Bedingungen im Delfinarium als ungeeignet für die Unterbringung von Wikie und Keijo eingestuft.

Becken im Marineland sind für Wikie und Keijo nicht sicher

Das Schicksal der 24-jährigen Wikie und des 12-jährigen Keijo liegt letztlich in den Händen von Mathieu Lefèvre, dem französischen Minister für den ökologischen Wandel. Er hatte zuvor einem Plan zugestimmt, die Wale nach Kanada zu schicken, wo sie in einem Küstenrefugium leben sollen, das für Wale gebaut wurde, die aus Meeresvergnügungsparks in Rente gehen.

Das Schutzgebiet ist so groß wie 50 Fußballfelder und würde einen Ring aus schwimmenden Netzen umfassen, der sich vom Land aus erstreckt. Der Plan wurde jedoch gestoppt, nachdem einige Experten meinten, das Wasser in Nova Scotia, Kanada, sei zu kalt für die Wale.

Experten betonen, dass Wale und Delfine, die in Gefangenschaft aufgezogen wurden, nicht in die freie Wildbahn zurückgebracht werden können, weil ihnen die notwendigen Überlebensfähigkeiten fehlen.

Zwei Wale starben im Marineland, vier in Loro Parque

Wie die französische Zeitung Le Figaro berichtet, sagte Lefèvre am Freitag (15. Mai) bei einem Überraschungsbesuch im Marineland, er könne "den fortschreitenden Verfall" der Becken beobachten, in denen Wikie und Keijo sowie 12 Delfine leben.

Er verteidigte seine Entscheidung, die Tiere nach Teneriffa zu schicken, mit den Worten: "Ich erinnere Sie daran, dass hier bereits zwei Wale gestorben sind. Ich werde also nicht das Risiko eingehen, dass so etwas noch einmal passiert".

In einer Erklärung sagte der Präsident des Loro Parque, Wolfgang Kießling, der Zoo sei "bereit und fest entschlossen, mit den Behörden zusammenzuarbeiten, Wikie und Keijo zu helfen und zu retten und alle Ressourcen bereitzustellen, damit diese Tiere nicht sterben und dauerhaft unter Bedingungen untergebracht werden können, die ihren Schutz und ihr Wohlergehen gewährleisten". Dies erfordere jedoch die ausdrückliche Zustimmung der spanischen Regierung."

Nach Angaben der Marineland-Leitung soll der Orca-Transfer, der voraussichtlich mehrere hunderttausend Euro kosten wird, per Frachtflugzeug durchgeführt werden und muss vor Ende Juni stattfinden, da er sonst wegen der Sommerhitze verschoben werden muss.

Umzug in den Loro Parque "verheerend für Wikie und Keijo"

Charles Vinick, Geschäftsführer des Canadian Whale Sanctuary Project, das bereits für die Aufnahme der Säugetiere zugelassen war, sagt, dass die Entscheidung, die Wale in den Loro Parque zu bringen, "verheerend für Wikie und Keijo" wäre.

Der Kanadier betonte, das französische Gesetz von 2021 solle die Nutzung von Walen und Delfinen zu Unterhaltungszwecken und zur Zucht in Gefangenschaft beenden.

"Das Gesetz verbietet diese Praktiken ausdrücklich", sagte er. "Loro Parque setzt jedoch weiterhin auf leistungsorientierte Programme und Zucht, auch nach dem Tod von vier Orcas in der Einrichtung seit 2019. Die Verlegung von Wikie und Keijo in diese Umgebung birgt das Risiko, genau das System fortzusetzen, das mit dem Gesetz abgeschafft werden sollte."

Martin Böye, wissenschaftlicher Direktor der Loro Parque Fundacion, betonte daraufhin, dass, als die Orcas im Loro Parque starben, "gründliche Untersuchungen von Top-Experten mit voller Transparenz gegenüber Behörden und Interessenvertretern, einschließlich Organisationen, die unsere Vorgehensweise kritisieren, durchgeführt wurden. Die Ursachen wurden immer eindeutig identifiziert, standen nicht im Zusammenhang mit den Lebensraumbedingungen und waren nie ein Hinweis auf unseren hohen Standard bei der tierärztlichen Versorgung und der Haltung."

Sechs Orcas in Europa leben unter beengten Bedingungen

Inherently Wild ist ein "Archiv, das den unerzählten Geschichten von Orcas in Gefangenschaft gewidmet ist - wunderschönen, empfindungsfähigen Tieren, die im Herzen wild bleiben". Es beschreibt Wikie als "den jüngsten Wal, der im Alter von nur acht Jahren erfolgreich künstlich befruchtet wurde". Im Jahr 2011 brachte sie ihr erstes Kalb, Moana, zur Welt. Kurz darauf paarte sie sich mit ihrem Halbbruder Valentin. Dies führte zur Geburt ihres zweiten Kalbes, Keijo, im Jahr 2013.

Derzeit befinden sich in Europa sechs Orcas in Gefangenschaft. Dazu gehören Wikie und Keijo, sowie Morgan, Teno, Adán und Tekoa, die bereits im Loro Parque leben.

Die Datenbank von Inherently Wild enthält Einzelheiten zu den Risiken, denen Orcas in Gefangenschaft ausgesetzt sind. Sie wirft die Frage nach der Größe der Becken auf, in denen die Orcas gehalten werden: "Ein grundlegendes Problem der Gefangenschaft besteht darin, dass große, weitreichende Raubtiere in kleinen, beengten Becken gehalten werden. In freier Wildbahn sind Orcas in der Lage, bis zu 161 km am Tag zu schwimmen und bis zu 260 m tief zu tauchen. Da kein derzeitiges Orca-Becken länger als 30 Meter oder tiefer als 30 Meter ist, sind die Einschränkungen, die den Orcas auferlegt werden, drastisch.

Martin Böye, wissenschaftlicher Direktor der Loro Parque Fundacion, sagte dazu: "Im Loro Parque sorgen Umweltanreicherung, soziale Komplexität und die freiwillige Teilnahme an Aktivitäten sowohl für körperliche als auch für kognitive Stimulation. Die an unseren Tieren durchgeführten Verhaltensforschungen zeigen, dass ihre sozialen Interaktionen mit denen übereinstimmen, die in wildlebenden Populationen beobachtet werden, was darauf hindeutet, dass die wichtigsten Aspekte ihrer Verhaltensbedürfnisse erfüllt werden."

Als Antwort auf die Warnungen der Born Free-Organisation griff der Loro Parque auf ähnliche Erklärungen zurück, die Zoos grundsätzlich anbringen, wenn es Kritik gibt: Die Orcas würden nicht zu Unterhaltungszwecken ausgebeutet werden, sondern in "pädagogischen Präsentationen" eingesetzt, die "die Öffentlichkeit über die Arten, ihre Biologie und die Bedrohungen, denen sie in freier Wildbahn ausgesetzt sind, informieren sollen, mit dem Ziel, das Bewusstsein für den Schutz der Tiere und entsprechende Maßnahmen zu fördern."

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

Neuer Gasdeal verspricht flexible Energie: droht Europa längere Abhängigkeit von fossiler Energie?

Studie: Mit Wärmepumpe und E-Auto sparen Deutsche jährlich 1.950 Euro

"Moonpool", Tiefsee-Roboter und Drohnenflotte: Das plant Deutschland für die Polarstern II