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Was ist, wenn Trump die Ölinsel im Persischen Golf wirklich besetzt?

Insel Kharg
Insel Kharg Copyright  AP Photo
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Von Ferenc Szekely
Zuerst veröffentlicht am
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Die Insel Kharg ist winzig, ohne zivile Siedlungen, trotzdem ist sie für Iran lebenswichtig: Von hier laufen 80 bis 90 Prozent des Ölexports über See aus. Jetzt hat US-Präsident Trump Ansprüche an die Insel gestellt.

In einem von vielen Beiträgen erklärte Trump neue Übernahmepläne einer Insel. "In naher Zukunft werden wir die Insel Kharg und andere Punkte der Ölinfrastruktur besetzen und die iranischen Öl- und Gasmärkte vollständig unter unsere Kontrolle bringen, so wie wir es mit Venezuela getan haben …", schrieb Trump am Donnerstag in einem Beitrag auf Truth Social.

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Wenige Stunden später rückte diese Aussage wieder in den Hintergrund – im Kommunikationschaos des Präsidenten ist der Wahrheitsgehalt schwer zu erkennen. Möglich ist, dass die Drohung vor allem dazu dienen sollte, Teheran zu Zugeständnissen zu drängen.

Sollte Kharg tatsächlich ausfallen, käme Irans Ölexport zwar nicht völlig zum Erliegen, er würde aber dramatisch einbrechen. Auf der Insel stehen die größten Rohöllager, die Endpunkte der Exportpipelines, Tiefsee-Verladeterminals sowie militärische Anlagen und Luftabwehrstellungen.

Die Einnahme und dauerhafte Besetzung der 20 km² großen Insel würde der iranischen Wirtschaft gewissermaßen die Halsschlagader abklemmen. Dabei ist sie nicht größer als die Insel Norderney oder Borkum. Ein großer Teil von Irans täglicher Exportkapazität von knapp 2 Millionen Barrel ginge dort allerdings verloren. Es ist die wichtigste Einnahmequelle der Regierung in Teheran, die schwer getroffen würde, und die Umleitung der Exporte auf alternative Häfen könnte Monate oder sogar Jahre dauern.

Die USA erhielten damit die direkte Kontrolle über einen der wichtigsten strategischen Punkte im Persischen Golf, was für den Iran nicht nur einen erheblichen Prestigeverlust bedeuten würde, sondern auch große Teile von Armee und Revolutionsgarden an die Rückeroberung der Insel binden würde.

Militäroperation möglich: Schwieriger als die Eroberung wäre die Verteidigung der Insel

Die Insel liegt nur rund 25 Kilometer vor der iranischen Küste. Für die US-Marine und das Marinekorps wäre eine solche Operation grundsätzlich und technisch durchführbar.

Ein solches Szenario würde darauf beruhen, zunächst die Luftabwehr der Insel auszuschalten, Spezialkräfte einzuschleusen, Marines anlanden zu lassen und anschließend Luftunterstützung sowie einen maritimen Schutzschirm aufzubauen.

Lage von Kharg
Lage von Kharg Google maps

Die Insel zu halten wäre jedoch schwierig, weil Kharg nahe an der Küste liegt und Iran sie fortlaufend mit ballistischen Raketen, Drohnen, Marschflugkörpern, Schnellbooten, Kampfschwimmern und Spezialeinheiten angreifen könnte.

Die USA müssten auf einer winzigen Insel einen vorgeschobenen Stützpunkt in feindlicher Umgebung betreiben – keine normale Besatzung, sondern ein permanenter Belagerungszustand.

Gleichzeitig wäre das Szenario auch für den Iran eine Falle

Würde Iran versuchen, die US-Truppen mit massiven Raketen- oder Drohnenangriffen zu vertreiben, zerstörte es damit zugleich eigene Öltanks, Verladeeinrichtungen, Pipelines und Hafenanlagen. Khargs Wert liegt gerade darin, dass die Insel heute ein funktionierendes Exportzentrum ist, das bei einem intensiven Rückeroberungsversuch in ein Industrie-Trümmerfeld verwandelt werden könnte. Damit entstünde ein klassisches strategisches Dilemma.

Teheran würde daher wahrscheinlich eher die US-Versorgungslinien, Kriegsschiffe, den Tankerverkehr und amerikanische Stützpunkte in der Region mit asymmetrischen Angriffen ins Visier nehmen, statt eines der wichtigsten Instrumente der eigenen Wirtschaft in ein Schlachtfeld zu verwandeln.

Es gibt jedoch ein wichtiges Gegenargument. Sollte die iranische Führung zu dem Schluss kommen, dass die Insel auf längere Sicht verloren ist oder dass die US-Präsenz das Überleben des Regimes bedroht, könnte die sogenannte "denial strategy" zum Tragen kommen – also die Logik: "Wenn wir sie nicht nutzen können, soll sie niemand nutzen." Ähnliche Situationen gab es bereits im Krieg zwischen Iran und Irak.

In einem extremen Szenario könnte Teheran deshalb Teile von Kharg bewusst opfern, wenn die Regierung meint, den US-Streitkräften dadurch unverhältnismäßig hohe Verluste zufügen oder politischen Druck auf Washington ausüben zu können.

Zusammengefasst liegt die Besonderheit der Insel darin, dass sie für Iran nicht nur ein militärisches Objekt, sondern auch ein lebenswichtiges wirtschaftliches Instrument ist. Das könnte direkte, groß angelegte Rückeroberungsversuche tatsächlich bremsen und den Schwerpunkt der Auseinandersetzung eher auf den gesamten Persischen Golf sowie auf Angriffe gegen die regionale Präsenz der USA verlagern.

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