Der Iran schickt Experten nach Doha, weist aber Berichte über neue Verhandlungen mit den USA zurück. Nach Angriffen am Golf und Streit über die Straße von Hormus steht das jüngste Rahmenabkommen bereits massiv unter Druck.
Der Iran erklärte am Montagabend, eine Expertendelegation werde "später in dieser Woche" nach Doha reisen, um über die Umsetzung des Anfang des Monats mit den Vereinigten Staaten unterzeichneten Memorandum of Understanding zu sprechen. Zugleich betonte Teheran, der Besuch stelle keine Verhandlungen mit Washington dar.
Ein Sprecher des Außenministeriums sagte, man sei "noch nicht in die Phase eingetreten, in der über ein endgültiges Abkommen verhandelt wird". In den kommenden Tagen werde es "auf keiner Ebene Verhandlungstreffen mit der US-Seite" geben.
Widersprüchliche Signale vor Doha
Die Ankündigung folgte auf widersprüchliche Berichte darüber, ob es zu neuen Gesprächen zwischen den USA und dem Iran kommen werde.
Mehrere US-Medien hatten zuvor berichtet, beide Seiten wollten die Gespräche am Dienstag in Katar wieder aufnehmen. Washington und Teheran hätten sich demnach darauf geeinigt, ihre Angriffe einzustellen, nachdem ein Schlagabtausch das Abkommen belastet hatte.
Der Iran wies diese Darstellung zurück. Vizeaußenminister Kazem Gharibabadi erklärte, Berichte "einiger Medien" über technische Gespräche in Doha seien "nicht bestätigt".
Daraufhin reagierte US-Präsident Donald Trump binnen weniger Stunden auf seiner Plattform Truth Social. Der Iran habe "um ein Treffen gebeten", das "morgen (Dienstag) in Doha stattfinden" werde, schrieb er.
Später erklärte die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, der US-Sondergesandte Steve Witkoff und der hochrangige Berater Jared Kushner würden in dieser Woche zu "hochrangigen Treffen" nach Doha reisen.
Fragiles Abkommen nach militärischer Eskalation
Das Hin und Her zeigt, wie fragil das am 17. Juni unterzeichnete Rahmenabkommen ist. Es gibt beiden Seiten 60 Tage Zeit, um ein endgültiges Abkommen auszuhandeln. Dabei geht es um Irans Atomprogramm, mögliche Sanktionslockerungen und den langfristigen Status der Straße von Hormus.
Das Abkommen steht jedoch massiv unter Druck, seit eine iranische Drohne den unter panamaischer Flagge fahrenden Rohöltanker M/T Kiku nahe der Meerenge getroffen hatte. Das US-Zentralkommando griff daraufhin zehn iranische Militärziele an. Der Iran antwortete mit Angriffen auf US-Stützpunkte in Kuwait und Bahrain. Inzwischen haben beide Seiten einen Rückzug ihrer Streitkräfte zugesagt. Nach Angaben eines US-Vertreters können Schiffe die Wasserstraße nun wieder frei passieren.
Streit über Minenräumung in der Straße von Hormus
Für zusätzliche Spannungen sorgt die Frage der Minenräumung. Frankreich und Oman hatten nach einem Treffen zwischen Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und dem omanischen Sultan Haitham bin Tariq gemeinsame Einsätze angekündigt. Gharibabadi widersprach und beharrte darauf, dass nach dem Abkommen allein der Iran solche Operationen durchführen dürfe. "Die Lage ist sensibel und komplex. Wir raten Frankreich dringend, sie nicht mit Provokationen weiter zu verkomplizieren", schrieb er auf X.
Das auf Schiffsdaten spezialisierte Unternehmen Kpler meldete, am Samstag hätten nur 29 Schiffe die Meerenge passiert, am Sonntag seien es lediglich zwölf gewesen. Kein Schiff habe den südlichen omanischen Korridor genutzt. Nach Angaben von AXSMarine hatten 44 Schiffe ihre Positionsdaten nicht mehr öffentlich übertragen.