Mindestens fünf Mädchen unter 14 Jahren sind nach mutmaßlichen sexuellen Übergriffen im Universitätskrankenhaus Ceuta behandelt worden. Eine Notärztin bestätigt die Fälle und warnt, dass viele Kinder wegen überfüllter Heime auf der Straße schlafen und schutzlos Angriffen ausgesetzt sind.
Medizinische Quellen bestätigen, dass das Universitätskrankenhaus von Ceuta in der vergangenen Woche mindestens fünf Mädchen nach mutmaßlichen Vergewaltigungen behandelt hat. Keine von ihnen ist älter als 14 Jahre, alle sind aus Marokko in die Stadt gekommen.
Unter den mutmaßlich angegriffenen Personen soll nach bisherigen Erkenntnissen auch mindestens ein Junge sein. Dieselben Quellen gehen davon aus, dass die tatsächliche Zahl höher liegt, weil einige Opfer keine Anzeige erstattet haben. Das Krankenhaus hat bereits mehr als zehn Fälle behandelt, bei denen der Verdacht auf sexuelle Gewalt besteht.
Die spanische Nationalpolizei hat wegen der mutmaßlichen Vergewaltigung einer Minderjährigen Ermittlungen aufgenommen, die während der massenhaften Einreise von Migranten nach Ceuta gelangte. Im Krankenhaus stellten Ärzte Verletzungen fest, die mit einem sexuellen Übergriff übereinstimmen. Bislang gibt es weder Festnahmen noch genauere Angaben zu den Umständen, unter denen die Tat passiert sein soll. Die Behörden führen ihre Ermittlungen fort.
Justizkreise berichten zudem, dass mehrere versuchte Übergriffe durch das Eingreifen von Nachbarn verhindert wurden. Es liegt auch Kenntnis über weitere Fälle in Form von versuchter sexueller Gewalt vor, die nicht zur Ausführung kamen.
Ärztin berichtet: 14-jährige Mädchen leben auf der Straße
Susana Ascaso, Notärztin in der Notaufnahme des Universitätskrankenhauses von Ceuta, hat in einem Interview mit El pueblo de Ceuta (Quelle auf Spanisch) bestätigt, dass ihr Dienst Fälle von Vergewaltigungen an minderjährigen Migrantinnen betreut.
Nach ihrer Schilderung handelt es sich um Minderjährige unter 14 Jahren, die auf der Straße bleiben, weil in den Aufnahmeeinrichtungen für Kinder keine Plätze mehr frei sind. „Es geht nicht darum, dass man sie nicht aufnehmen will, es fehlt schlicht der Raum“, erklärt die Ärztin. Sie führt das Problem darauf zurück, dass die Mehrheit der Neuankömmlinge meist männliche junge Erwachsene sind.
Ascaso ordnet diese Fälle in eine Gesamtsituation ein, die sie als gesundheitliche Katastrophe beschreibt. Ihr Dienst versorgt im Schnitt zwischen 300 und 400 Migranten pro Tag, mit derselben Personalstärke und denselben Mitteln wie vor der massenhaften Ankunft Ende Juli.
Die Ärztin berichtet, dass sie die Patienten nach der Entlassung oft nirgendwohin schicken kann, weil die meisten kein Obdach haben. Sie weist außerdem auf das Risiko hin, dass Krankheiten mit epidemischem Potenzial wie Tuberkulose oder Hepatitis eingeschleppt werden, ohne dass die Notaufnahme sie zuverlässig erkennen kann. Zudem häufen sich Fälle von entgleister Diabetes und epileptischen Anfällen bei Migranten, die keinen Zugang mehr zu ihrer gewohnten Behandlung haben.
Die Medizinerin fordert öffentlich zusätzliches Personal und verlangt, dass Ceuta als Gebiet mit schwieriger medizinischer Versorgung anerkannt wird.
Berichte über Übergriffe und Warnungen von Organisationen
Im provisorischen Lager Sidi Embarek, in dem sich knapp 300 Menschen drängen, schildert der Vorsitzende der Nachbarschaftsvereinigung, Abdellah Mustafa, ähnliche Vorfälle wie die Ärztin Ascaso.
Nach seinem Bericht kommen einige Minderjährige nach sexuellen Übergriffen im Gebirge in einem Schockzustand im Lager an. Viele erstatten wegen ihres psychischen Zustands keine Anzeige. Die Nachbarn haben deshalb eine Psychologin und eine Anwältin mobilisiert, die die Betroffenen begleiten.
Die Lage hat Organisationen wie Save the Children dazu veranlasst, vor dem Risiko zu warnen, dem migrantische Mädchen und Jugendliche in Ceuta ausgesetzt sind: Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung drohen, zum großen Teil wegen fehlender Identifizierung, Unterbringung und angemessener Betreuung.
Jennifer Zuppiroli, Migrationsexpertin der Organisation, betont, dass eine Jugendliche, die allein bleibt und außerhalb jedes Schutzsystems lebt, einer Situation extremer Verwundbarkeit ausgesetzt ist.
Die spanische Nationalpolizei richtet in ihrer Identifizierungsarbeit den Blick vorrangig auf Mädchen und Kinder unter 13 Jahren, und die Ministerin für Jugend und Kindheit, Sira Rego, hat einen Wandel im Profil festgestellt: Unter den nach Ceuta gelangten Minderjährigen: befinden sich diesmal mehr Mädchen und Kinder imn einem sehr jungen Alter.