Frankreichs Kapitän Kylian Mbappé trifft vor dem WM-Halbfinale gegen Spanien zuverlässig und glänzt im Teamspiel. Auch abseits des Rasens zeigt er Haltung.
Seit Beginn der Weltmeisterschaft liefert Kylian Mbappé ein Spitzenspiel nach dem anderen. In jeder Partie weist er seiner Mannschaft den Weg. Mit acht Toren seit Beginn des Turniers und konstant starken Auftritten im Dienst der französischen Équipe ist er längst mehr als nur der Anführer auf dem Rasen.
"Man muss diese Vorstellung bekämpfen, nach der ein Fußballer einfach nur spielen und schweigen soll", sagte der junge Mann Mitte Mai dem Magazin Vanity Fair. Eine Haltung, die in der Welt des Spitzenfußballs auffällt, wo Profis sich meist so unverbindlich wie möglich äußern.
Kylian Mbappé scheut nicht davor zurück, seine Überzeugungen zu verteidigen – besonders, wenn es um Diskriminierung oder den Aufstieg der extremen Rechten geht. Jüngstes Beispiel ist seine Antwort auf die rassistischen Angriffe einer paraguayischen Senatorin.
Mitten im Turnier geriet der Kapitän der Équipe tricolore unfreiwillig in eine außersportliche Kontroverse. Er reagierte direkt auf die rassistischen Äußerungen einer Senatorin aus Paraguay, die ihn als "Trottel" und "kolonisierten Kameruner, der sich als Franzose ausgibt", beleidigt hatte. "Ich werde Menschen wie ihr niemals die Freiheit lassen, ihren Hass und ihren Rassismus in der Welt zu verbreiten", antwortete er auf der Plattform X.
Mbappé bezieht Position
Der Stürmer der Équipe tricolore zeigt sich nie zurückhaltend, wenn es darum geht, öffentlich Position zu beziehen. Viele Sportler schweigen zu ihren politischen Ansichten, er stellt sich offen gegen die extreme Rechte.
In dem Interview mit Vanity Fair äußerte er sich besorgt über einen möglichen Sieg des Rassemblement national (RN) bei der Präsidentschaftswahl 2027. "Die Leute denken manchmal, dass uns solche Probleme nicht betreffen, weil wir Geld haben, weil wir berühmt sind. Mich betrifft das. Ich weiß, was es bedeutet und welche Folgen es für mein Land haben kann, wenn Menschen wie sie an die Macht kommen", sagte er.
Mbappé betonte damals, er sei zuerst "Bürger" und erst danach Star des Fußballs. Schon 2024 bezeichnete er den Erfolg des RN im ersten Durchgang der vorgezogenen Parlamentswahlen als "katastrophal".
Mbappé als Vorbild
Mit den Jahren wird der Spieler von Real Madrid zur Stimme gegen rassistische Angriffe, von denen Fußballer regelmäßig betroffen sind. Als sein Teamkollege Vinicius Jr. von einem Gegenspieler auf dem Platz als "Affe“ beschimpft wurde, erklärte Mbappé, dieser Spieler habe es nicht "verdient", in der Champions League zu spielen.
Mbappé, der 2024 mit Schlagzeilen wegen Vergewaltigungsvorwürfen in Schweden konfrontiert war, stammt aus Bondy, einem Vorort von Paris. Sein Vater kommt aus Kamerun, seine Mutter aus Algerien. Früh wird er für viele Jugendliche in Frankreich, besonders in sozial benachteiligten Stadtvierteln, zum Symbol für Erfolg und Hoffnung.
In den Straßen seiner Heimatstadt im Département Seine-Saint-Denis, dem ärmsten Gebiet des französischen Festlandes, hält eine Wandmalerei mit seinem Porträt die Träume der Jugendlichen von Ruhm am Leben. Diese Rolle nimmt Mbappé bewusst an.
"Zum Glück kostet es uns nicht viel, zu träumen […] Vergiss das niemals, auch wenn dir jemand etwas anderes erzählt", schreibt er 2020 in einem Brief "an die Kinder von Bondy, aus der Île-de-France, aus den Vorstädten", den er mit "Kylian aus Bondy" unterschreibt.
Auf die Kritik, die Spieler der französischen Nationalmannschaft wegen ihrer Herkunft trifft, reagiert er diplomatisch: "Wir sind Franzosen! Der Franzose beschwert sich gern", sagt er und fügt hinzu: "Unser Ziel ist es, das bestmögliche Bild unseres Landes zu vermitteln."