Polens Klimaministerium hat die geplante Pflicht für Restaurants gestrichen, Gästen kostenlos Leitungswasser anzubieten. Ob Wasser gratis ausgeschenkt wird, bleibt damit den Betrieben überlassen – trotz Hitzewelle und Kritik aus der Regierungskoalition.
Polens Ministerium für Klima und Umwelt bestätigt Euronews, dass es die Klausel aus dem Gesetzentwurf streicht, die jedem Gast in der Gastronomie einen halben Liter Leitungswasser kostenlos garantieren sollte. Ob Wasser gratis ausgeschenkt wird, liegt damit weiterhin allein bei den Restaurantbetreibenden:
"Im Zuge der Abstimmungen zwischen den Ressorts hat das Ministerium für Klima und Umwelt darauf verzichtet, in den Entwurf des Gesetzes über Verpackungen und Verpackungsabfälle [...] eine Regelung aufzunehmen. Diese hätte Restaurants sowie Unternehmen, die in Kantinen, Bars, Cafés und anderen gastronomischen Einrichtungen Speisen zubereiten und servieren, verpflichtet, ihren Kundinnen und Kunden in fest eingerichteten Lokalen mit Sitzplätzen kostenlos Leitungswasser zur Verfügung zu stellen."
"Der Entwurf des Gesetzes über Verpackungen und Verpackungsabfälle, der am 8. Juli 2026 dem Ausschuss für Europafragen zur Beratung vorgelegt wurde, enthält keine Regelung in diesem Bereich", teilt das Ministerium Euronews in einer Stellungnahme mit.
Die Vorschrift, Cafés, Bars und Restaurants zum kostenlosen Ausschank von Leitungswasser zu verpflichten, sollte Teil der Novelle des Gesetzes über den Umgang mit Verpackungen und Verpackungsabfällen sein, das vom Ministerium für Klima und Umwelt vorbereitet wird. Der Entwurf sieht außerdem stabilere Müllgebühren und mehr umweltfreundliche Verpackungen im Handel vor.
Die Linkspartei, Mitglied der Regierungskoalition, hatte bereits im September 2025 angekündigt, einen Änderungsantrag zum Regierungsentwurf einzubringen. Damit sollte sichergestellt werden, dass "jeder Restaurantgast auf Wunsch Anspruch auf einen halben Liter Wasser gratis hat".
"So fördern wir einerseits die Nutzung von Leitungswasser, andererseits senken wir den Verbrauch von Flaschenwasser", betonte damals Paweł Kowal, Berichterstatter der Fraktion für das Projekt.
Der Passus ist inzwischen aus dem Gesetzentwurf gestrichen. Es ist unklar, ob das Klimaministerium oder ein anderes Ressort ihn in einem neuen Gesetz oder einer weiteren Novelle wieder aufgreifen will.
Kritik an der Gratis-Leitungswasser-Regelung hatte Anfang August dieses Jahres der Abgeordnete der regierenden Koalicja Obywatelska (KO), Robert Dowhan, in einer parlamentarischen Anfrage geäußert. Die Bereitstellung von kostenlosem Leitungswasser für Gäste gehe "über den Standard hinaus, den das EU‑Recht vorsieht" und verursache zusätzliche Kosten für Unternehmer, argumentierte er.
"Die Frage des Geschirrs – Glas oder Plastik? Wenn Plastik, wie entsorgt man es, und wenn Glas, wer übernimmt Spülen und Trocknen? Muss ein Null‑Beleg für die Leistung ausgestellt werden? Wie hoch sind die Kosten? Muss der Gast etwas bestellen oder reicht es, sich ins Restaurant zu setzen? Welche Strafen drohen, wenn kein Wasser ausgeschenkt wird? Ist Leitungswasser in jeder Stadt gleich? Es heißt, pro Person müsse ein halber Liter bereitstehen. Bekommen Gäste weniger, gibt es dann eine Strafe, und bei mehr wird es auf die Rechnung gesetzt?" fragte der Abgeordnete.
Auf die Medienberichte und die Haltung des Ministeriums reagieren Politiker sowie Internetnutzer. Adrian Zandberg, Chef der linksgerichteten Partei Razem, kommentierte auf X ironisch, "ein Glas Wasser für 16 Złoty ist das Fundament unserer Wirtschaft".
Die stellvertretende Razem‑Vorsitzende Aleksandra Owca schrieb auf X, "das ist ja nicht einmal mehr eine Regierung der warmen Wasser aus dem Hahn".
Europa: Regelungen uneinheitlich
Die Europäische Union empfiehlt, Leitungswasser in gastronomischen Betrieben zu fördern. Sie schreibt den Staaten aber nicht vor, es kostenlos anzubieten. Eine Pflicht ist im EU‑Recht nicht geregelt.
In Spanien verpflichtet ein Gesetz aus dem Jahr 2022 alle gastronomischen Betriebe, kostenlos Leitungswasser anzubieten. Portugal verfolgt einen ähnlichen Ansatz und stärkt damit den Verbraucherschutz. Restaurants dürfen dort nach den jüngsten Rechtsvorschriften weder Gebühren für Leitungswasser verlangen noch die Ausgabe auf Wunsch einer Kundin oder eines Kunden verweigern.
In Italien besteht nach einem Urteil des Kassationsgerichts keine Pflicht, Gästen kostenlos Leitungswasser zu servieren.
In Frankreich schützt seit 1967 das Prinzip der carafe d'eau die Gäste. Restaurantbetreiber müssen kostenlos eine Karaffe mit Leitungswasser zum Essen servieren, sofern ein vollständiger Menügang bestellt wird.
In Deutschland, Belgien und den Niederlanden gibt es keine entsprechende gesetzliche Verpflichtung. In England und Wales schreibt das Recht vor, dass Wasser in Lokalen verfügbar sein muss, die Alkohol ausschenken.
Wochenbeginn mit extremer Hitze
Bei großer Hitze empfiehlt das Wetteramt IMGW, regelmäßig viel zu trinken – am besten stilles Wasser.
Zu Wochenbeginn erwarten die Meteorologen auch für Polen ungewöhnlich hohe Temperaturen von bis zu 37 Grad Celsius. Besonders betroffen ist der Süden des Landes.