In der Slowakei schränkt die Regierung von Robert Fico LGBTQ-Rechte ein. Auf der Pride in Bratislava sagt eine Teilnehmerin, viele Menschen seien sehr homophob.
In Bratislava fand die 16. Pride-Parade in einem angespannten Klima statt.
Das zentrale Motto in diesem Jahr lautete "Mut". Die Organisatorinnen und Organisatoren wollten am Beispiel Ungarns zeigen, dass eine LGBTQI-Gemeinschaft, die für ihre Rechte eintritt, politische Veränderungen anstoßen kann.
Hauptorganisator Martin Macko sagte Euronews: "Die Welt wird immer offener, doch die slowakischen Gesetze grenzen immer mehr aus. Das Parlament hat vor Kurzem eine Verfassungsänderung beschlossen, die von den ungarischen Regeln inspiriert ist. Demnach dürfen gleichgeschlechtliche Paare nicht heiraten, und der Staat erkennt nicht einmal an, dass es trans Menschen gibt."
Eine Teilnehmerin der Pride, die anonym bleiben wollte, erklärte: "Die meisten Menschen hier sind sehr homophob."
Ministerpräsident Robert Fico hatte die Ehe für alle mit der "Ehe zwischen Hund und Katze verglichen. Und durch eine Gesetzesänderung 2025 gilt in der Slowakei nur die Ehe zwischen Mann und Frau. "Diese Reihe von Gesetzesänderungen stellt einen Versuch dar, ein Umfeld zu stärken, das den Rechten von LGBTIQ+-Personen zunehmend feindlich gegenübersteht, und untergräbt die Gleichstellung der Geschlechter, die Rechtsstaatlichkeit und ganz allgemein den Schutz der Menschenrechte in der Slowakei", erklärte Rado Sloboda, Direktor von Amnesty International Slowakei.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer versammelten sich auf dem Freiheitsplatz (Námestie slobody) nahe dem Amtssitz der slowakischen Regierung in Bratislava. Nach dem Kulturprogramm setzte sich am Nachmittag der Umzug durch die Innenstadt in Bewegung. Die Route entsprach weitgehend der Strecke vom Vorjahr. Am Ende kehrten die Menschen zum Ausgangspunkt zurück, wo bis zum Abend Konzerte stattfanden.
"Vom Mut sichtbar zu sein und für die Rechte einzustehen"
Eine der wichtigsten Stationen war auch in diesem Jahr die ehemalige Bar Tepláreň, in der im Oktober 2022 ein rechtsextremer Angreifer zwei Menschen erschossen hatte. Die Teilnehmenden gedachten dort erneut der Opfer. Ihr Tod gilt als Wendepunkt in der Geschichte der LGBTIQ-Gemeinschaft in der Slowakei.
Zu den Hauptrednerinnen gehörte diesmal Silvia Porubänová, Geschäftsführerin des Slowakischen Nationalen Menschenrechtszentrums. Sie sagte, die Gesellschaft sei immer stärker gespalten. Gerade deshalb seien Sichtbarkeit und der Einsatz für Rechte von großer Bedeutung.
"Das Schlüsselwort des diesjährigen Pride ist Mut. Mut, sichtbar zu sein, wir selbst zu sein und für unsere Rechte einzustehen. Die meisten von uns haben das Gefühl, dass wir in schwierigen Zeiten leben und dass unsere Gesellschaft immer stärker polarisiert ist.“
Eine gespaltene Gesellschaft
An der Pride in Bratislava nahmen auch ausländische Politikerinnen und Politiker teil. Nach Einschätzung der französischen Europaabgeordneten Mélissa Camara sind Angriffe auf die Rechte von Frauen und queeren Menschen häufig ein Vorzeichen für breitere Attacken auf demokratische Institutionen.
Aus Sicherheitsgründen gaben die Veranstalter auch diesmal die genaue Route im Vorfeld nicht bekannt. Die Polizei sicherte das Gebiet mit großem Aufgebot, so dass die Demonstration ohne Zwischenfälle verlief.
Parallel zur Pride fand erneut der konservative Marsch "Hrdí na rodinu" ("Wir sind stolz auf die Familie") statt, der das traditionelle Familienmodell propagiert. Die Teilnehmer zogen unter dem Motto "Die Ehe schützt Kinder" durch die Stadt. Sie trugen rote Luftballons, auf denen "Mama und Papa für immer" stand.