Die Einsatzkräfte riefen Alarmstufe Rot aus, die höchste Warnstufe: Am Montagmorgen brach Mittelamerikas aktivster Vulkan "Fuego" aus, die Lage spitzte sich bis zum Abend weiter zu.
Hunderte Menschen, die an den Hängen des Vulkans Fuego in Guatemala leben, mussten am Dienstag ihre Häuser verlassen. Zuvor hatte eine heftige Eruption Lava und Aschewolken in die Luft geschleudert.
Der Zivilschutz rief die höchste Warnstufe Rot aus, nachdem der aktivste Vulkan Mittelamerikas am Montagmorgen ausgebrochen war. Bis zum Abend verschärfte sich die Lage weiter.
Lavaströme flossen den 3.763 Meter hohen Vulkan hinab, der weniger als 100 Kilometer von Guatemala-Stadt entfernt liegt. Die Asche stieg bis zu sechs Kilometer in den Himmel.
„Seit dem frühen Morgen war er aktiv. In der Nacht kam dann die Alarmmeldung, dass wir evakuieren müssen“, sagte der Bewohner Alejandro Garcia der Nachrichtenagentur AFP.
Viele Dorfbewohner verließen aus Angst eigenständig ihre Häuser, berichtete Garcia. Er schilderte erschreckende Szenen, in denen die Lava langsam die Berghänge hinunter kroch.
Die Feuerwehr brachte nach eigenen Angaben mindestens 500 Bewohner der Dörfer El Porvenir und Las Lajitas in die weiter östlich gelegene Gemeinde San Juan Alotenango.
Die Evakuierten übernachten in einem Gemeindezentrum, wo provisorische Betten aufgebaut wurden. Wie viele Menschen in andere nahegelegene Orte gebracht wurden, ist noch unklar.
„Wenn es eine Möglichkeit gäbe, in ein anderes Haus zu ziehen, wäre das besser, denn man hat ständig Angst. Der Vulkan kündigt sich nie an“, sagte Lidia Ortiz in der Notunterkunft zu AFP.
Im weiter südlich gelegenen Escuintla nahmen die Behörden nach eigenen Angaben weitere Dutzende Familien mit Kindern auf.
Ausbruch hält seit 23 Stunden an
Die rote Warnstufe gilt für die Regionen Sacatepéquez, Chimaltenango und Escuintla mit zusammen 1,6 Millionen Einwohnern.
Zivilschutzchefin Claudine Ogaldes rief gefährdete Familien dazu auf, freiwillig in die Notunterkünfte zu kommen.
„Dort finden Sie Betreuung, Unterstützung und sichere Bedingungen, solange die vulkanische Aktivität anhält“, schrieb sie auf X.
Das Vulkanologie-Institut des Landes warnte vor heißen Geröll- und Schlammströmen an den Hängen des Fuego. Besonders gefährdet seien die Gemeinden an den West- und Südhängen.
Bis Dienstagmorgen spuckte der Fuego bereits seit 23 Stunden ununterbrochen Lava und Asche. Die Stärke des Ausbruchs habe jedoch leicht nachgelassen, erklärte die Behörde.
„Wir haben uns daran gewöhnt, dass der Vulkan ständig aktiv ist, aber dieses Mal war es wirklich zu viel“, so die 50-jährige Bewohnerin Sonia Vasquez.
Auf den internationalen Flughafen der Hauptstadt wirkte sich der Ausbruch bislang nicht aus. Das Bildungsministerium setzte den Präsenzunterricht in Gemeinden innerhalb von zwei nahe am Vulkan gelegenen Bezirken aus.
Die Polizei sperrte vorübergehend eine nahegelegene Straße nach Antigua, der kolonialen Touristenstadt und UNESCO-Welterbestätte, und öffnete sie später wieder.
Guatemala liegt am Pazifischen Feuerring und erlebt häufige Erdbeben- und Vulkanaktivität.
In den vergangenen Jahren hat es wegen Ausbrüchen des Fuego mehrere derartige Massenevakuierungen gegeben.
Bereits im vergangenen Jahr brachten die Behörden mehr als 500 Menschen in Sicherheit, nachdem der Fuego Gas und Asche ausgestoßen hatte.
Ein weiterer Ausbruch im Jahr 2023 zwang rund 1.200 Menschen zur Flucht.
Im Jahr 2018 starben 215 Menschen, eine ähnliche Zahl gilt als vermisst. Damals überzogen Lavaströme die Hänge des Fuego und zerstörten ein Dorf.