Mehr als vier Jahre nach Beginn des russischen Großangriffs auf die Ukraine stockt die Diplomatie. Beide Seiten intensivieren Fernangriffe, immer öfter sterben auch Zivilisten.
Die Ukraine hat in der Nacht zwei russische Ölraffinerien angegriffen, die Hunderte Kilometer von der Grenze entfernt liegen. Das sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj am Donnerstag. Gleichzeitig beschoss Russland in der Ukraine einen Bahnhof und ein Frachtschiff.
Beide Seiten haben ihre Angriffe über große Entfernungen in den vergangenen Monaten verstärkt. Die Zahl der getöteten Zivilisten steigt deutlich.
Kyjiw setzt so viele Drohnen gegen Russland ein wie noch nie. Moskau antwortet ebenfalls mit einer Rekordzahl an Raketenangriffen.
Nach Angaben Selenskyjs traf die Ukraine Raffinerien in den Regionen Baschkortostan und Jaroslawl, rund 700 Kilometer von der Front entfernt. Diese Angriffe "stärken die Aussichten für die Diplomatie", sagte Selenskyj.
"Russland muss den Frieden wählen", ergänzte er. Er veröffentlichte dazu ein Video aus russischen sozialen Netzwerken, das schwarzen Rauch über einer Ölanlage zeigt.
Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums hat die Armee in der Nacht 605 ukrainische Drohnen abgeschossen.
"Massivster" Angriff seit Beginn des Krieges
Der Gouverneur der Region Jaroslawl nördlich von Moskau, wo Selenskyj zufolge eine Raffinerie getroffen wurde, sprach von 92 abgeschossenen Drohnen. Es sei der "massivste" Angriff auf die Region seit Beginn des Krieges, sagte er.
In der ebenfalls nördlich von Moskau gelegenen Region Twer traf eine Drohne ein Logistikzentrum des Onlinehändlers Wildberries. Der russische E-Commerce-Konzern steht seit dem vergangenen Monat besonders im Visier.
Bei russischen Raketenangriffen auf Kyjiw am Vortag kamen mindestens 17 Menschen ums Leben. Die Geschosse zerstörten Lagerhallen mehrerer Einzelhändler. Beobachter werteten den Beschuss weithin als direkte Antwort auf die ukrainische Kampagne gegen Wildberries, das oft als "Russlands Amazon" bezeichnet wird.
Ukrainische Luftverteidigung ohne großen Erfolg
Kyjiw konnte keine der abgefeuerten Raketen abschießen. Selenskyj forderte deshalb dringend zusätzliche Luftverteidigungssysteme.
Neue russische Angriffe in der Nacht töteten zwei Menschen am Bahnhof Lozowa in der nordöstlichen Region Charkiw.
Außerdem traf das russische Militär im Schwarzen Meer ein Frachtschiff mit ukrainischem Weizen. Eine Person kam dabei ums Leben, wie der Gouverneur der Region Odessa mitteilte.
Mehr als vier Jahre nach Beginn der russischen Invasion in der Ukraine stockt die Diplomatie. Beide Staaten setzen immer stärker auf Angriffe über weite Entfernungen. Die Zahl der zivilen Opfer nimmt weiter zu.