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Pandora Gate-Skandal: Influencer "Stuu" an Polen ausgeliefert

Stuart B., im polnischen Internet als Stuu bekannt, ist in Polen gelandet.
Stuart B., im polnischen Internet als Stuu bekannt, ist in Polen gelandet. Copyright  instagram Stuart Kluz-Burton (@stuuburton)
Copyright instagram Stuart Kluz-Burton (@stuuburton)
Von Glogowski Pawel
Zuerst veröffentlicht am
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Stuart K.-B., im Netz als Stuu bekannt, ist aus Großbritannien nach Polen überstellt worden. Am Donnerstagabend, 13. August, landete der 34‑jährige YouTuber in Warschau, wo ihn die Polizei übernahm und in Untersuchungshaft brachte.

Damit endet eine fast drei Jahre dauernde Geschichte. Sie begann mit einer Online-Recherche der polnischen Influencer Sylwester Wardęga und Mikołaj „Konopskyy” Tylko und entwickelte sich zu einem der aufsehenerregendsten Verfahren gegen Polens Influencer-Szene.

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Auslieferung von Stuu: So verläuft seine Rückkehr nach Polen

Der Sprecher der Warschauer Staatsanwaltschaft, Piotr Skiba, bestätigte, dass Stuu von polnischen Behörden nach Warschau gebracht wurde. Er sitzt nun in einem der dortigen Untersuchungsgefängnisse und muss sich auf weitere Vernehmungen und Verfahrensschritte einstellen.

Das britische Auslieferungsverfahren zog sich über viele Monate hin. Im Juli 2026 bestätigte ein britisches Gericht endgültig die Entscheidung, den Mann nach Polen zu überstellen.

Warum Polen Stuu aus Großbritannien zurückholt

Die Wurzeln des Falls reichen in den Herbst 2023 zurück. Damals erschütterte die Affäre Pandora Gate das Internet – eine Serie von Enthüllungen über Beziehungen populärer Onlinestars zu Minderjährigen.

Ins Rollen brachten die Affäre die polnischen Influencer Sylwester Wardęga und Mikołaj „Konopskyy” Tylko. In ihren Veröffentlichungen präsentierten sie Informationen und Belege über Kontakte von Influencern zu sehr jungen Mädchen. Im Zentrum der ersten Beiträge stand Stuu.

Nach den vorgelegten Unterlagen soll Stuu Kontakt zu Mädchen gehabt haben, die jünger als fünfzehn Jahre waren. Einer der geschilderten Fälle betraf eine 13-Jährige. Das Treffen mit dem Fan soll im Dezember 2015 stattgefunden haben, obwohl das Mädchen selbst auf den großen Altersunterschied hingewiesen hatte. Nach ihrer Darstellung nahm Stuu sie mit in ein Hotel, legte sich mit ihr ins Bett, umarmte sie und kitzelte sie. Erst als sie widersprach, habe er aufgehört. Zuvor soll er sie gebeten haben, das Treffen geheim zu halten, aus Angst, Kooperationen mit Firmen und Agenturen zu verlieren.

Pandora Gate beschäftigt Justiz und Medien

Aus einem Streit innerhalb der Influencer-Szene wurde schnell mehr. Staatsanwaltschaft, Polizei und Politiker griffen den Fall auf, weitere Personen meldeten sich mit eigenen Schilderungen und Informationen über das Umfeld der populären Onlinestars.

Der damalige Premierminister Mateusz Morawiecki erklärte mitten im Parlamentwahlkampf 2023:

„Ich habe den Diensten befohlen, sich sofort mit dem Fall zu befassen und erwarte entschlossene und schnelle Maßnahmen. Ich warne alle, die Kindern Schaden zufügen wollen: Euch wird eine Strafe treffen, die härteste, die möglich ist.“

Stuart K.-B. betonte, er sei „nirgendwohin geflohen”, und warf den damaligen Staats- und Regierungschefs vor, seinen Fall in der Öffentlichkeit verzerrt dargestellt und kommentiert zu haben.

Im Februar 2024 reichte er gegen Sylwester Wardęga eine private Klage wegen Verleumdung ein. Im August 2026 fand eine Güteverhandlung statt, die jedoch ohne Einigung endete.

Welche Vorwürfe die Staatsanwaltschaft gegen Stuu erhebt

Die Ermittlungen der Warschauer Staatsanwaltschaft führten im Oktober 2023 zu einem Beschluss, Stuu formell anzuklagen. Die Ermittler werfen ihm sexuelle Handlungen gegenüber Mädchen unter fünfzehn Jahren sowie das Verabreichen von Alkohol an Minderjährige vor. Nach den Feststellungen der Anklagebehörde sollen die beschriebenen Vorfälle im Sommer 2015 und im August 2018 stattgefunden haben.

Nach dem polnischen Haftbefehl drohen Stuu für die genannten Taten bis zu zwölf Jahren Freiheitsstrafe.

Als die Ermittlungen in Polen begannen, hielt sich Stuu bereits in Großbritannien auf. Im Oktober 2023 beantragte die Staatsanwaltschaft seine vorläufige Festnahme, der zuständige Richter stimmte zu. Es wurde zudem ein Haftbefehl zur internationalen Fahndung erlassen und das Verfahren zur Rückführung des YouTubers nach Polen eingeleitet.

Kurze Zeit später nahmen britische Behörden ihn in Großbritannien fest.

Britisches Gericht legt Hintergründe im Fall Stuu offen

Die Verteidigung von Stuu versuchte, die Auslieferung nach Polen zu verhindern. Ein Argument lautete, das Verfahren gegen ihn könne politisch motiviert sein.

Die Begründung des britischen High Court (Quelle auf Polnisch) vom 17. Juli 2026 zeigt, dass der Fall deutlich komplexer war, als es in vielen Medienberichten schien. Die Verteidigung verwies unter anderem darauf, dass das polnische Verfahren kurz vor den Parlamentswahlen 2023 an Fahrt aufgenommen habe. Der Haftbefehl datiert auf den 15. Oktober, dem Tagder Wahlen. Zuvor hatten sich unter anderem Premier Mateusz Morawiecki und der damalige Justizminister Zbigniew Ziobro öffentlich mit dem Fall befasst. Gegen Ziobro, der sich derzeit in den USA aufhält, bemüht sich Polen inzwischen selbst um eine Auslieferung, weil ihm unter anderem die Leitung einer organisierten kriminellen Vereinigung vorgeworfen wird.

Das britische Gericht räumte ein, dass das politische Interesse an dem Fall ein realer Grund zur Sorge sei und die Aussagen der Politiker mit dem Wahlkampf zusammenhängen könnten. Es sah jedoch keine Beweise dafür, dass Politiker auf eine konkrete richterliche Entscheidung Einfluss genommen hätten.

Die Verteidigung kritisierte außerdem die Art, wie die Ermittlungen geführt wurden. So soll der Anwalt von Stuu nach einer Verhandlung nur fünf Minuten Zeit gehabt haben, die Akten einzusehen. Es gab zudem Einwände gegen die Art der Zeugenvernehmungen.

In den Unterlagen findet sich auch die Schilderung eines Angriffs auf Stuu in Großbritannien im Februar 2025, den zwei Polen gefilmt haben sollen.

Trotz dieser Einwände kam der High Court zu dem Schluss, dass nicht belegt sei, Stuu drohe in Polen kein fairer Prozess. Das Gericht verwies außerdem auf die veränderte politische Lage in Polen und darauf, dass es keine Hinweise gebe, die heutigen Verantwortlichen würden versuchen, das Verfahren zu beeinflussen.

Stuu vor dem Skandal: Von Minecraft zum Millionenpublikum

Stuart K.-B. wurde in Großbritannien geboren und wuchs dort auf. Im Jahr 2014 zog er nach Polen. Zunächst trat er als „Polski Pingwin“ auf und veröffentlichte vor allem Inhalte rund um Minecraft. Später nannte er sich Stuu, erweiterte sein Programm um Lifestyle- und Comedy-Videos und baute seinen Kanal auf mehr als vier Millionen Abonnenten aus.

Die 2023 bekannt gewordenen Informationen lösten besonders heftige Reaktionen aus, weil sein Publikum über Jahre hinweg vor allem aus sehr jungen Zuschauern bestand.

Stuu zog sich aus dem Netz zurück und kehrte nach Großbritannien zurück. Sein Anwalt erklärte, er müsse sich um seine kranke Mutter kümmern.

Drei Jahre nach Ausbruch von Pandora Gate

Die 2023 veröffentlichten Informationen wurden zum Ausgangspunkt eines umfassenden Strafverfahrens.

Der Sprecher der Warschauer Staatsanwaltschaft, Piotr Antoni Skiba, teilte mit, dass Stuu inzwischen in einem Warschauer Untersuchungsgefängnis sitze. Vernehmungen und weitere Verfahrenshandlungen mit seiner Beteiligung sollen in der kommenden Woche stattfinden.

Erstmals seit Beginn des Verfahrens können polnische Ermittler den Beschuldigten nun direkt mit den Beweisen konfrontieren, die sie im Rahmen der Ermittlungen zu Pandora Gate gesammelt haben.

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