Der Russe Georgij Pirogow soll Polens Geheimdienst Daten zu Waffenprojekten geliefert haben. Der russische Inlandsgeheimdienst FSB berichtet über das Urteil, nachdem der polnische Premierminister die Festnahme eines russischen Staatsbürgers bekannt gegeben hatte.
Das Moskauer Stadtgericht hat den russischen Staatsbürger Georgij Pirogow wegen Spionage für polnische Geheimdienste zu 23 Jahren Strafkolonie verurteilt. Am Freitag teilte das Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB mit, dass das im Juli gefällte Urteil nun rechtskräftig sei.
Pirogow wird Hochverrat vorgeworfen. Nach Darstellung des FSB verließ er das Land nach Beginn des großangelegten russischen Einmarschs in die Ukraine und nahm im April 2022 in Polen Kontakt zu einem Vertreter des Militärgeheimdienstes des polnischen Verteidigungsministeriums auf. Danach soll er den Auftrag erhalten haben, vertrauliche Informationen über die Entwicklung russischer Waffen zu sammeln und weiterzugeben, die im Krieg gegen die Ukraine eingesetzt werden. Der FSB legt nicht offen, wann und auf welchem Weg Pirogow nach Russland zurückkehrte.
Über die Vollstreckung des Urteils informierten die russischen Behörden über ihnen loyale Medien einen Tag, nachdem Polens Regierungschef Donald Tusk erklärt hatte, am 7. August sei in Warschau ein russischer Staatsbürger wegen des Verdachts festgenommen worden, einen Mord in der polnischen Hauptstadt vorbereitet zu haben.
Tusk zufolge wurde der Verdächtige von russischen Geheimdiensten angeworben. Der polnische Premier betonte, er könne wegen geltender Beschränkungen nicht sagen, gegen welche Person sich das geplante Attentat richtete. Er erklärte lediglich, das potenzielle Opfer sei zum Ziel geworden, weil Moskau in ihm eine Bedrohung sah: „Er war für das System von Präsident Wladimir Putin unbequem.“
Spionage- und Hochverratsvorwürfe
Der Prozess gegen Pirogow begann im Mai dieses Jahres und fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Der FSB wirft ihm vor, Kontakte in der russischen Rüstungsindustrie genutzt zu haben, um geheime Informationen über Produktion und Einsatz von Raketenkomplexen sowie persönliche Daten von Menschen mit Zugang zu Staatsgeheimnissen zu beschaffen.
Nach Angaben in der vom FSB veröffentlichten Anklageschrift soll Pirogow außerdem die ukrainische Armee unterstützt haben. Demnach überwies er per Kryptowährung Geld an die Streitkräfte der Ukraine, kaufte Ausrüstung und organisierte deren Transport von Polen in die Ukraine.
Das oppositionelle russischsprachige Onlineportal „Mediazona“ meldet (Quelle auf Russisch), Pirogow sei 2024 festgenommen worden. Nach Beginn des großangelegten russischen Angriffs auf die Ukraine sei er nach Georgien umgezogen und habe als Industriekletterer gearbeitet. Im Sommer 2024 reiste er dienstlich nach Usbekistan und galt anschließend als verschwunden, wie seine Angehörigen, Journalisten und Menschenrechtsorganisationen berichteten. Im Juli 2024 wurde bekannt, dass er wegen eines Hochverratsverfahrens im Moskauer Untersuchungsgefängnis „Matrosskaja Tishina“ sitzt. Unabhängige russische Medien betonen, sie wüssten nicht, wer ihn unter welchen Umständen festgenommen und nach Russland gebracht hat.
Im vergangenen Jahr verurteilten russische Gerichte wegen Spionage oder Hochverrats fast 500 Menschen, darunter auch ukrainische Staatsbürger. Seit Beginn des großangelegten Krieges gegen die Ukraine hat die Staatsführung in Moskau die einschlägigen Gesetze deutlich verschärft.