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Flussbaden in Spree, Rhein und Donau? Was wir von der Schweiz lernen können

Flussbaden in Spree, Rhein und Donau? Was Deutschland von der Schweiz über badbare Flüsse lernen kann
Flussbaden in Spree, Rhein und Donau? Was Deutschland von der Schweiz über badbare Flüsse lernen kann Copyright  Copyright 2008 AP. All rights reserved.
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Von Franziska Müller
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In Basel können sich Schwimmer abends im Fluss nach Hause treiben lassen. In vielen deutschen Flüssen ist das Schwimmen jedoch verboten. Dabei fließt der Rhein auch hierzulande. Warum gehen zwei Länder damit so unterschiedlich um?

In Basel hat es 32 Grad. Auf der Brücke essen Menschen Eis, während unter der Brücke immer wieder Schwimmer auftauchen, die sich im Rhein treiben lassen. Denn in Basel darf man im Fluss schwimmen, trotz internationaler Frachtschifffahrt und anderer Freizeitaktivitäten.

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"Ein Teil des Flusses im Innenstadtbereich ist durch Bojen markiert", erklärt Tim Edler Euronews. Badegäste, Freizeitnutzer und die Schifffahrt existieren hier direkt Seite an Seite. Tim Edler ist Mit-Gründer von Flussbad Berlin, einem Verein, der die Spree in Berlin "badbar" machen möchte. Er war zuletzt beim Swimmable Cities European Forum in Basel. Ziel dieses Netzwerks ist es, Stadtgewässer wieder zugänglich und sauber genug zum Baden zu machen.

Und in Basel ist das bereits Realität, wenn nicht sogar "eines der zentralen Features der Stadt", wie Edler beschreibt. Die Stadt in der Schweiz gelte durchaus als das Mekka des Flussschwimmens in Großstädten. "Der Rhein ist für viele Menschen, die hier leben und arbeiten, ein wichtiger Teil ihres Alltags", sagt auch der Basler Regierungspräsident Conradin Cramer dem SRF.

Flussbaden ist kein Naturgeschenk

Mitte August haben es rund 4.500 Menschen vorgemacht. Auch Tim Edler war beim Rheinschwimmen mit dabei, einer jährlichen Veranstaltung in Basel. Die rund zwei Kilometer lange Schwimmstrecke führt vom Kleinbasel flussabwärts bis zur Johanniterbrücke. Das sichere Baden funktioniere durch klare Regeln und gute Information, erklärt Christoph Bosshardt, Leiter des Basler Standortmarketings gegenüber dem SRF.

Sauberes Wasser allein genüge nicht. "Duschen, Treppen, Einstiegsstellen, Rettungskonzepte und klare Regeln sind ebenso wichtig", so Bosshardt zu dem Schweizer Medienunternehmen. In Basel sei die Infrastruktur entlang des Rheins über Jahre gezielt ausgebaut worden.

Schwimmer im Rhein bei Basel.
Schwimmer im Rhein bei Basel. Copyright 2006 AP. All rights reserved.

Infolge eines schweren Brands im Jahr 1986 in der Lagerhalle einer Basler Chemiefabrik sind nicht nur Chemikalien, sondern auch tonnenweise giftiges Löschwasser in den Rhein geflossen. Es folgte ein Ökozid – und ein Umdenken, wie der Fluss künftig genutzt werden soll. Basel hat nicht einfach zufällig einen sauberen und badbaren Rhein, sondern über Jahrzehnte darauf hingearbeitet. Auch Edler sagt: "Das ist eine Sache, die man durch beharrliches und konzentriertes Verändern erarbeiten kann".

Warum der Rhein in Basel badbar ist, in Köln und Düsseldorf aber nicht

Das grundlegende Problem sieht Edler, der auch das Baden in der Berliner Spree einführen will, beim Umgang mit den Gewässern. "Die wichtigste Voraussetzung, die in Basel besteht, ist nicht Wasserqualität, Uferbereiche, Häfen, Anlagen, sondern es ist die Bereitschaft, den Menschen auch eine eigenverantwortliche Nutzung zu erlauben", so Edler.

Denn auch in Basel ist man sich bewusst, dass der Rhein durchaus starke Strömungen hat und als schnelles Gewässer Risiken birgt. Die Stadt sowie die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) Sektion Basel stellen Karten zur Verfügung, auf denen sichere Bereiche gekennzeichnet sind.

Auf der Webseite der Stadt Basel sind Hinweise zu Pegelstand und Wassertemperatur zu finden. So soll das Wasser mindestens 18 Grad Celsius warm sein, immer in Begleitung geschwommen werden und die gekennzeichneten Schwimmbereiche nicht verlassen werden. In Basel ist man sich also bewusst, dass Flussschwimmen Gefahren birgt.

Die Schwimmer im Fluss lassen sich mit ihren sogenannten Wickelfischen treiben.
Die Schwimmer im Fluss lassen sich mit ihren sogenannten Wickelfischen treiben. Copyright 2006 AP. All rights reserved.

"Die Verwaltung und die Politik haben nicht die Aufgabe, die Menschen vor diesen Gefahren absolut abzuschirmen, sondern sollten eher die Voraussetzungen zu schaffen, dass man diesen Gefahren in einer angemessenen Weise begegnen kann", findet Edler. Konkrete Informationen sowie klare Regeln sind für ihn die bessere Option im Gegensatz zu Verboten.

Basel liegt im Dreiländereck von Schweiz, Frankreich und Deutschland. Der Rhein markiert hier sogar die unmittelbare Grenze. Würde man von Basel einige hundert Meter weiter schwimmen, "dann schwimmen Sie nach Frankreich, da ist es verboten und gegenüber in Deutschland ist es auch verboten", sagt Edler Euronews. Es handle sich zwar um denselben Fluss, aber er werde unterschiedlich wahrgenommen.

Warum scheitert Flussbaden in Deutschland?

Denn in Deutschland ist der Rhein bisher weit entfernt vom großen öffentlichen Schwimmbad. Knappe 500 Kilometer nördlich von Basel liegt Köln. Hier und auch im benachbarten Düsseldorf ist das Baden und Schwimmen im Rhein im gesamten Stadtgebiet strikt verboten. Bei Missachtung drohen Bußgelder in Höhe von bis zu 1.000 Euro.

Die Verbote gelten in den Großstädten seit vergangenem Spätsommer 2025. Die Stadt Köln begründet es mit zahlreichen tödlichen Badeunfällen. "Der Rhein ist vor allem deshalb so gefährlich, weil man die Strudel- und Sogwirkung nicht sieht, die unter anderem durch Schiffe entstehen", erklärt die Stadt. Düsseldorf und andere Anrainer-Städte haben das Verbot ebenso ausgesprochen.

Edler stellt hier jedoch die Frage, warum das Baden so gefährlich ist. Denn insbesondere der Rhein ist der Schifffahrt gewidmet, das Flussbett teilweise angepasst. Dafür wurden sogenannte Buhnen oder Kribben gebaut, ins Wasser ragende Kiesflächen oder Steinwälle. Insbesondere hier entstehen Strömungen mit einer Sogwirkung Richtung Fahrrinne.

"Wenn Menschen von dieser Buhne, die da im Wasser steht, hineinfallen, sind sie automatisch in einem Bereich tödlicher Strudel", warnt auch Edler. "Das ist wirklich brandgefährlich", schätzt er ein und hält ein Badeverbot erstmal für sinnvoll. Langfristig argumentiert er jedoch dagegen: "Die Frage ist allerdings, diese Buhnen sind ja nicht vom Himmel gefallen".

Schifffahrt hat in Deutschland Priorität

"Wir haben in erster Linie erstmal eine Verwaltung, die also in einem Innenstadtbereich den Fluss so ausbaut, dass er alleine den Prinzipien der Schifffahrtsoptimierung folgt", erklärt Edler. Der Rhein sei bei vielen deutschen Großstädten nicht badetauglich, weil er lediglich wirtschaftlich ausgelegt werde.

"Es ist ein Skandal, dass diese Verbote nicht gekoppelt werden mit einer Auflage, einer Verbesserung der Situation", so Edler. Das Badeverbot ist für Edler nicht das eigentliche Problem. Problematisch sei vielmehr, dass die gefährlichen Uferbedingungen geschaffen wurden und danach lediglich das Baden verboten wird.

Edler zufolge hätte man ein Verbot mit Bedingungen an die Verwalter des Rheins, in diesem Fall den Bund aussprechen müssen: "[Baden] müssen wir verbieten, aber in fünf Jahren, lieber Bund, hast du das Ufer so umgestaltet, dass wir die Menschen da wieder anlassen können", schlägt Edler an die Bundesverwaltung gerichtet vor.

Denn tatsächlich gab es insbesondere im Stadtgebiet Köln früher mehrere Badestellen. "Der städtische Verwaltungsbericht zählt für das Jahr 1913 in Köln insgesamt sechs Landesbadeanstalten, fünf Flussbadeanstalten und ein Strandbad auf", erklärte die Stadt. Die Bereiche, in denen geschwommen werden durfte, wurden abgetrennt und gesichert. Auch heute suche man nach Flächen, an denen Ausnahmen möglich seien. Diese Prüfungen würden eine Weile dauern.

Historisch gewachsen, heute unverändert

Der Konflikt zwischen Schifffahrt und der Flussverwaltung durch das Bundesverkehrsministerium und einem gesellschaftlichen Anspruch der Badenutzung besteht auch in Berlin. Insbesondere hier kritisiert Edler das Badeverbot scharf: "Die Spree in Berlin ist ein Fluss, wo man sagen kann, der dient schon längst nicht mehr dem Transport, sondern eigentlich der Erbauung."

Edler zufolge werde die Spree und auch der Spreekanal mit der falschen Zielvorstellung verwaltet, dass sie in erster Linie ein Schifffahrtsweg sein sollten. Es gilt ein pauschales Badeverbot. Die Spree ist zwar weiterhin eine Bundeswasserstraße und wird auch von Güterschiffen genutzt. Im innerstädtischen Berlin spielt der klassische Gütertransport allerdings eine vergleichsweise kleine Rolle. Prägend ist heute vor allem die Fahrgast- und Freizeitschifffahrt.

Der Verein Flussbad Berlin e.V. demonstriert für sicheres Baden in der Spree.
Der Verein Flussbad Berlin e.V. demonstriert für sicheres Baden in der Spree. Anette Hauschild: Ostkreuz; courtesy of Flussbad Berlin e.V.

Der Senat gibt beispielsweise an, dass die Fahrgastschifffahrt etwa 60 Prozent der CO²-Emissionen der Berliner Binnenschifffahrt verursacht. Wenn ein erheblicher Teil der heutigen Nutzung lokal und touristisch ist, stellt sich für Edler die Frage, ob die Berliner Spree weiterhin mit denselben Prioritäten verwaltet werden sollte wie eine überregional wichtige Güterverkehrsroute.

"Das pauschale Verbot, was in Berlin besteht, behindert jegliche Projekte, jegliche Initiativen, jegliche positive Entwicklung des Gewässers", so Edler, der Potenzial für öffentliche Badeflächen in der Spree sieht. Mit seinem Verein Flussbad Berlin will er darauf aufmerksam machen und ruft monatlich zum Protest-Schwimmen auf, so auch wieder am 20. August. Gerade in der Zeit des Wahlkampfes für die Abgeordnetenhauswahl sind auch Vertreter der Parteien vor Ort.

Edler spricht von Fördergeldern in Höhe von bis zu einer Million Euro, die nicht genutzt werden können, weil das Pauschal-Verbot ein Pilotprojekt unterbindet. "Wir haben zum Beispiel konkret Fördergeld für eine Pilotbadestelle im Spreekanal, in dem ja kein Schiffverkehr mehr stattfindet", so Edler, "diese Investition kann aber nicht verwirklicht werden, weil das Schwimmen im Spreekanal verboten ist". Das Verbot nimmt den politischen und praktischen Anreiz, überhaupt Voraussetzungen für sicheres Baden zu schaffen.

Dabei sind die Gelder Teil des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK) Berliner Mitte. Damit soll das historische Zentrum aufgewertet werden. Doch die Verwaltung stößt bei der Umsetzung an Grenzen, an denen der Senat und schlussendlich auf die Bundesebene mitentscheiden müsste.

Edler ärgert sich über den Stillstand. "Wenn wir es in der Gesellschaft nicht hinkriegen, die Idee, dass Wasser zur Stadt als öffentlicher Raum den Menschen gehört, zu entwickeln, dann ist es fast unmöglich, Projekte in dieser Richtung durchzusetzen". Dabei ist er sich sicher, dass Flussschwimmen früher oder später auch in vielen deutschen Städten Einzug halten wird.

Denn es sei bereits Thema in allen wohlhabenden entwickelten Bereichen, vor allem in Städten in Europa. So hat eine Veranstaltung von Swimmable Cities, die auch das Forum in Basel verantstaltet haben, bereits in Rotterdam stattgefunden. Überlegungen gab es auch im Zuge der Olympischen Spiele in Paris sowie London oder Amsterdam.

Flussschwimmen als Europa-Trend

"Diesen Bewusstseinswechsel, den müssen wir hier noch vollziehen", so Edler. "Die anderen Voraussetzungen, die hygienische Qualität, die Schifffahrt etc., das sind alles machbare Probleme." Aber in Europa sei der Gemeingebrauch von Gewässern – insbesondere in der Stadt – eine Frage der Zeit. "Es gehört sich nicht mehr, dass der Fluss in der Mitte dieser Städte eigentlich eine giftige Kloake ist, sondern sondern man möchte den Fluss als öffentlichen Raum erlebbar und nutzbar machen", stellt Edler klar.

In Paris darf diesen Sommer am Canal Saint-Martin Sonntag nachmittags geschwommen werden. Zu diesen Zeiten sind auch Rettungsschwimmer da. "Die Stimmung vor Ort war sehr entspannt und es kommen alle möglichen Menschen zusammen", erklärt Janett Koch, die ebenso Mitglied im Verein Flussbad Berlin ist.

"Das Wasser war sehr angenehm und roch gut. Ich hatte ausreichend Platz zum Schwimmen", beschreibt Koch ihre Erfahrung. Ein bisschen Zick-Zack-Schwimmen müsse man schon. "Es war eine Wohltat sich an einem heißen über 30°C warmen Tag abkühlen zu können. Danach steigt man beschwingter wieder in die Metro", erzählt Koch weiter.

Der Zugang zum Kanal ist ihr zufolge einfach. "Im Canal Saint-Martin braucht es nur ein paar Leinen zum Abstecken der Badezone und einen Ponton mit Badeleitern". Es gibt außerdem ein Prognosesystem für die Wasserqualität. "Aus meiner Sicht könnte Paris die Badeaktivitäten gerne über Juli/August hinaus ermöglichen", lautet Kochs Fazit.

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