Loader
Finden Sie uns
Werbung

Angriff auf französische Nonne in Jerusalem: Israelischer Siedler muss in Psychatrie

Strengreligiöse Juden blicken auf Klagemauer und Felsendom, zwei heilige Stätten, in Jerusalems Altstadt bei Hitze am elften August 2025. (AP Photo/Mahmoud Ille)
Strengreligiöse Juden schauen in der Altstadt von Jerusalem auf Klagemauer und Felsendom während einer Hitzewelle am Montag, elf. August 2025. Foto: AP/Mahmoud Ille Copyright  AP Photo
Copyright AP Photo
Von Euronews
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

Der Vorfall ereignete sich am 28. April, als eine 48-jährige Nonne in Ordenskleidung nahe dem Davidsgrab und unweit der Altstadt von Jerusalem unterwegs war und angegriffen wurde.

Der Prozess vor einem Gericht in Jerusalem gegen den israelischen Siedler Yona Simcha Schreiber ist ohne eine Verurteilung zuendegegangen. Ihm war vorgeworfen worden, eine französische katholische Nonne angegriffen zu haben. Der Vorfall ereignete sich Ende April 2026 nahe dem König-David-Grab in der Altstadt des besetzten Ostjerusalems.

WERBUNG
WERBUNG

Ein psychiatrisches Gutachten kam zu dem Schluss, dass Schreiber zum Zeitpunkt des Angriffs in einem psychotischen Zustand gewesen sei und seine Handlungen weder habe verstehen noch steuern können. Das Gericht ordnete seine Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung für bis zu sechs Jahre an, mit der Möglichkeit einer Verkürzung je nach gesundheitlicher Entwicklung.

Die Entscheidung erging rund vier Monate nach dem Angriff, der in Israel und Frankreich Empörung ausgelöst hatte. Überwachungskameras hielten fest, wie der 36-jährige Schreiber aus der Siedlung Peduel im besetzten Westjordanland die Nonne nahe dem Davidgrab auf dem Zionsberg in Jerusalem attackierte.

„Nicht strafrechtlich verantwortlich“

Das Gericht zweifelte nach eigenen Angaben nicht daran, dass der Angriff stattgefunden hat und dass Schreiber die ihm zur Last gelegten Taten begangen hat. Richter Ofer Teschler sah die vorgelegten Beweise als ausreichend an, um seine Täterschaft zu belegen. Gleichzeitig berücksichtigte er das Gutachten des leitenden Psychiaters, der Schreiber während des Angriffs in einem psychotischen Zustand sah.

Dem Gutachten zufolge leidet Schreiber an Schizophrenie. Sein psychischer Zustand wirkte sich direkt auf sein Verhalten in der Situation aus. Der Arzt kam zu dem Schluss, dass der Angeklagte in diesem Moment weder die Bedeutung seiner Handlungen erfassen noch sich selbst davon abhalten konnte. Auf dieser Grundlage wurde er nach den Regeln zur psychischen Unzurechnungsfähigkeit von der strafrechtlichen Verantwortung befreit.

Die Freistellung bedeutet nicht, dass das Gericht den Angriff verneinte oder Schreiber für unschuldig an der Tat hielt. Sie beruht allein darauf, dass ihm wegen seines Geisteszustands zum Zeitpunkt der Tat keine strafrechtliche Schuld zugerechnet wird.

Nach dem Beschluss kann seine Unterbringung in der psychiatrischen Einrichtung bis zu sechs Jahre dauern. Das entspricht dem Höchstmaß der Strafe für die schwerste der gegen ihn erhobenen Anklagen. Die Dauer ist jedoch kein festes Hafturteil. Eine Fachkommission prüft seinen Zustand regelmäßig und entscheidet, ob er weiter dort bleiben muss oder vor Ablauf der sechs Jahre entlassen werden kann.

Von Kameras dokumentierter Angriff

Die Aufnahmen der Überwachungskameras zeigen, wie Schreiber von hinten auf die Nonne zuläuft und sie mit Wucht zu Boden stößt. Dann versetzt er ihr einen Tritt, während sie noch am Boden liegt. Ein Passant versucht einzugreifen und wird selbst geschlagen. Die Nonne erlitt durch den Angriff Prellungen und weitere Verletzungen.

Ermittlungen ergaben, dass die Nonne vorher keinen Kontakt zu dem Angreifer hatte. Die Staatsanwaltschaft hob in der Anklage hervor, dass sie aufgrund ihrer Ordenskleidung klar als christliche Nonne erkennbar war.

Die Staatsanwaltschaft in Jerusalem war zunächst von einem aus Hass gegen eine religiöse Gruppe motivierten Angriff mit Körperverletzung ausgegangen und hatte zusätzlich einfache Körperverletzung angeklagt. Nach Vorlage des psychiatrischen Gutachtens änderte sich der weitere juristische Verlauf des Verfahrens.

Der Angriff auf die französische Nonne in Jerusalem löste breite Reaktionen in staatlichen und kirchlichen Kreisen aus, besonders nachdem die Videoaufnahmen des Übergriffs verbreitet wurden. In Frankreich verurteilte Außenminister Jean-Noël Barrot den Vorfall und bezeichnete ihn als „niederträchtigen Akt“. Er äußerte die Sorge der Regierung in Paris über zunehmende Feindseligkeit gegenüber Christinnen und Christen im Heiligen Land und forderte, den Täter zur Rechenschaft zu ziehen.

Das französische Konsulat in Jerusalem verlangte ebenfalls, alle notwendigen rechtlichen Schritte gegen den Beschuldigten einzuleiten. Es bekundete seine Solidarität mit der Nonne und der dominikanischen Gemeinschaft, der sie angehört.

Auf israelischer Seite bezeichnete das Außenministerium den Angriff als „schändlichen Akt“ und bekräftigte sein Bekenntnis zum Schutz der Religions- und Kultfreiheit aller Gemeinschaften. Die Polizei erklärte ihrerseits eine Politik der „Null Toleranz“ gegenüber Angriffen auf Geistliche und veröffentlichte Videoaufnahmen von der Festnahme des Verdächtigen.

Pfarrer Olivier Poquion, Leiter der Französischen Schule für Bibel und Archäologie, an der die Nonne als Forscherin arbeitet, sprach von einem „grundlosen sektiererischen Angriff“. Er betonte, die Frau sei ihrer regulären akademischen Tätigkeit nachgegangen, als sie attackiert wurde.

Die Hebräische Universität Jerusalem zeigte sich ebenfalls schockiert und erklärte, der Vorfall offenbare bedenkliche Formen der Feindseligkeit gegenüber Christinnen und Christen in der Stadt. Wadie Abu Nassar, Berater der Kirchenleitungen im Heiligen Land, warnte, dass der Hassdiskurs extremistischer Gruppen sich in manchen Fällen bereits in Angriffen auf Geistliche und christliche Symbole niederschlage.

Serie von Angriffen auf christliche Symbole

Der Angriff auf die Nonne ereignete sich vor dem Hintergrund weiterer Zwischenfälle, die eine Debatte über Übergriffe auf christliche Symbole in der Region ausgelöst haben. Dazu gehört die Zerstörung einer Jesus-Statue im überwiegend maronitischen Dorf Dibl im Süden des Libanon.

In einem online verbreiteten Video ist zu sehen, wie ein israelischer Soldat die Statue mit einem schweren Hammer zerschlägt. Sie stand im Hof eines Hauses einer christlichen Familie am Rand des Dorfs. Die Bilder lösten eine Welle der Empörung aus. Das israelische Militär bestätigte anschließend die Echtheit der Aufnahmen und dass der Soldat zu seinen Truppen gehört.

Der damalige israelische Außenminister Gideon Sa’ar nannte den Vorfall „beschämend“, entschuldigte sich und betonte, das Verhalten entspreche nicht den Werten der israelischen Armee.

In einem weiteren Zwischenfall im Süden des Libanon zeigt ein Video einen israelischen Soldaten, der eine Zigarette raucht und eine zweite in den Mund einer Statue der Jungfrau Maria steckt. Auch dieser Clip führte zu heftiger Kritik. Das israelische Militär erklärte, ein solches Verhalten „weiche völlig“ von den Werten ab, die es von seinen Soldaten erwarte, und kündigte eine Untersuchung mit möglichen Disziplinarmaßnahmen an.

Das gerichtliche Entscheidung wühlt auf

Der Anwalt der Nonne, Zaki Sahlia, stellte Fragen zu den Umständen des Angriffs. Dass der Täter gezielt eine Nonne in Ordenskleidung auswählte, werfe aus seiner Sicht Fragen nach dem Motiv auf. Er kritisierte zudem die Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung Schreibers, falls die zuständige Kommission eine Verbesserung seines psychischen Zustands feststellt.

Die Verteidigung betonte dagegen, der psychische Zustand des Angeklagten sei der ausschlaggebende Faktor für sein Verhalten gewesen. Die Entscheidung des Gerichts bedeute keine Freilassung, sondern verpflichte zur Behandlung in einer spezialisierten Einrichtung.

Angesichts wachsender Sorgen über Angriffe auf Christinnen und Christen kündigten die israelischen Behörden Maßnahmen an, die den Umgang mit solchen Vorfällen verbessern sollen. Der neue israelische Botschafter für Belange der christlichen Welt, George Deek, erklärte, die Polizei habe einen englischsprachigen Beamten eingesetzt, der im Fall eines Vorfalls als erste Ansprechperson für Mitglieder der christlichen Gemeinschaft dienen soll. So sollen Reaktionen schneller erfolgen.

Deek betonte, die Behörden arbeiteten an praktischen Lösungen, um diese Entwicklung einzudämmen oder zu stoppen. Die Angelegenheit genieße hohe Priorität auf offizieller Ebene.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

China: Video zeigt Schlammlawine am Hafen von Gyirong

Angriff auf französische Nonne in Jerusalem: Israelischer Siedler muss in Psychatrie

Europäische Regierungen fordern Stopp von Israels E1-Siedlungsprojekt