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Invasive "Blaukrabben" in der Adria: Fischer wollen exportieren statt verbrennen

Blaue Krabben in einer Kiste in einer Verarbeitungsanlage in Scardovari im Po-Delta in Italien, 21. August 2026.
Blaukrabben sind in einer Kiste in einem Verarbeitungsbetrieb in Scardovari im Po-Delta in Italien am 21. August 2026 zu sehen. Copyright  AP
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Von Francesca Baroni
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Nach gescheiterten Bekämpfungsplänen machen die Muschelzüchter und Fischer an der Adria aus der Krise eine Chance – mit Exporten und lokaler Gastronomie.

Seit mehr als zwei Jahren kämpft der Fischzüchter und Fischer im Po-Delta an der Adria gegen die Plage der Blaukrabbe (Callinectes sapidus). Mit viel Mühe und öffentlichen Mitteln versuchten vor allem Muschelzüchter verzweifelt, das Hindernis zu beseitigen: Sie fingen die Blaukrabben ein und ließen fast 2,3 Millionen Kilo Krabben verbrennen - in der unrealistischen Hoffnung, die invasive Art auszurotten und die begehrten Venusmuscheln (Vongole veraci) zu retten.

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Inzwischen hat diese passive Abwehr einer echten "stoischen Wende“ Platz gemacht. "Höre auf, dir Sorgen zu machen über Dinge, die du nicht ändern kannst. Konzentriere dich auf das, was in deiner Macht steht. Mit diesem berühmten Aphorismus machte Kaiser Mark Aurel deutlich, dass die wahre Gelassenheit darin besteht, sich an das Unabänderliche anzupassen.

Die Muschelzüchter haben erkannt, dass sich die unaufhaltsame Vermehrung der Krabben, begünstigt durch hohe Wassertemperaturen und den steigenden Salzgehalt im Delta, durch Ausrottungsaktionen nicht stoppen lässt.

Sie hörten auf, gegen etwas anzukämpfen, das sie nicht kontrollieren konnten. Stattdessen entschieden sie sich, die Plage in eine Chance zu verwandeln.

Katastrophe als Chance: Blaukrabben werden exportiert

"Wir mussten die Strategie ändern und aus diesem Desaster eine Chance machen“, erklärt Paolo Mancin, Präsident des Consorzio Pescatori del Polesine, des Verbandes der Fischzuchtbetriebe. Die Zahlen der Krise ließen kaum eine Wahl: Die Erlöse der Muschelzüchter sind um 75 Prozent eingebrochen und im Zeitraum 2024-2025 auf 15 Millionen Euro gesunken. Die Mitglieder der Genossenschaft haben sich fast halbiert, von 1.500 auf 850. Venusmuscheln machen nur noch rund 10 Prozent der Einnahmen aus.

Die Antwort lautete, die Exportwege zu öffnen. Statt die Krabbenfänge mit hohen Kosten zu verbrennen, werden die in den Lagunen Venetiens ausgelegten Reusen heute geleert, um die Krabben, abgekocht und tiefgefroren, direkt nach Sri Lanka zu schicken.

Dort wird dank einer strategischen Partnerschaft mit dem Unternehmen Taprobane Seafoods das Krabbenfleisch von spezialisierten Fachkräften von Hand herausgelöst und zu Filets und Zubereitungen verarbeitet. Von Sri Lanka aus geht die Ware auf internationale und europäische Märkte, nur ein kleiner Teil gelangt zurück nach Italien. Durch diesen Perspektivwechsel rechnet der Verband damit, in diesem Jahr 20 Millionen Euro Umsatz zu erreichen und viele Betriebe vor der Pleite zu bewahren.

Regulierung, Ausbreitung und gescheiterte Ausrottung

Die Umstellung der Betriebe erfolgt mit Unterstützung der italienischen Behörden.

Mit dem jüngsten Dekret des Landwirtschaftsministeriums MASAF zur Anerkennung der Schäden in der Aquakultur im Jahr 2025 wurden regionale Entschädigungsprogramme aufgelegt, um die Umsatzverluste der Fischer auszugleichen.

Gleichzeitig haben die Institutionen ihre erfolglosen Ausrottungspläne beiseitegelegt.

Ökologische Erhebungen des Umweltinstituts ISPRA (Istituto Superiore per la Protezione e la Ricerca Ambientale) bestätigen, dass die Blaukrabbe sich inzwischen nicht nur im Mittelmeer, sondern bis zu den Flussmündungen am Tyrrhenischen Meer ausbreitet.

Selbst Hoffnungen auf biologische Eindämmung - etwa durch das jüngste Aussetzen von 150.000 jungen Oktopussen entlang der Adriaküste durch die Universität Bologna - scheitern an der enormen Fortpflanzungskraft der Blaukrabben. Damit bestätigt sich, dass die einzige nachhaltige Antwort die Anpassung des Menschen an den Klimawandel ist.

Blaukrabben in Italiens Gastronomie?

Der asiatische Export stabilisiert zwar kurzfristig die Bilanzen, doch die entscheidende Auseinandersetzung findet in der italienischen Esskultur statt. Restaurants im Po-Delta bieten bereits Menüs an, die ganz der Blaukrabbe gewidmet sind. Ein Beispiel ist Stefania Marchesini, die Inhaberin des Yogi Bar & Ristorante in Porto Tolle.

Die frühere Fischerin, die elf Jahre lang auf See war, hat sich der neuen Herausforderung aus Leidenschaft und aus wirtschaftlicher Notwendigkeit gestellt. Sie zahlt den lokalen Fischern einen Aufpreis für die Blaukrabben und serviert sie in traditionellen Rezepten: als frittierte Bällchen, als cremig gerührte Krabben auf Polenta oder als delikate moeche, Krabben mit weicher Schale.

Trotz kultureller Vorbehalte vieler Gastronominnen und Gastronomen trägt Marchesini ihren Kampf bis auf internationale Messen wie die Alimentaria in Barcelona. Sie ist überzeugt: "Wenn man erst verstanden hat, wie man sie zubereitet, werden die Gäste erkennen, dass es sich um ein hervorragendes Produkt handelt."

Lässt sich ein Problem nicht beseitigen, besteht echte Weisheit darin, zu lernen, sich an das Unabänderliche anzupassen.

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