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„Formidabler Räuber“: Italiens Forscher setzen auf Kraken gegen Blaukrabbenplage

Italien züchtet Kraken im Kampf gegen invasive Blaukrabben
Italien züchtet Kraken im Kampf gegen invasive Blaukrabben Copyright  Nick Brice via Unsplash
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Von Ruth Wright mit AFP
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Die italienische Regierung steht seit Längerem unter Druck, wegen der explodierenden Blaukrabben-Population im klimawarmen Meer den Notstand auszurufen.

Italienische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler züchten inzwischen Kraken – im jüngsten Kapitel eines langen Kampfes gegen invasive Blaukrabben. Die Tiere mit ihren scharfen, bläulich schimmernden Scheren haben nach Schätzungen Schäden von rund 200 Millionen Euro in der Fischerei angerichtet.

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Von einem Fischtrawler in der Adria aus setzen die Forschenden behutsam Tausende winzige Kraken aus. Sie hoffen, so eine invasive Krabbenart in Schach zu halten, die die lokalen Fischgründe verwüstet hat.

„Wir haben uns für den Kraken entschieden, weil er in freier Wildbahn ein gefürchteter Räuber von Krustentieren ist“, sagt der Forscher Antonio Casalini der Nachrichtenagentur AFP.

Eine einzige Blaukrabbe legt Millionen Eier

Die Blaukrabbe stammt von der nordamerikanischen Atlantikküste. In das Mittelmeer gelangte sie vor Jahrzehnten, vermutlich mit dem Ballastwasser von Schiffen. Im Jahr 2023 explodierten die Bestände. Berühmt gewordene Meeresfrüchte aus dem Po-Delta verschwanden, etwa Miesmuscheln, „vongole veraci“ – eine Venusmuschelart – und rosa Austern.

Als Hauptverdächtiger gilt der Klimawandel. „Mit wärmerem Wasser sind die Krabben aktiver und gefräßiger geworden“, sagte der Fischer Bellan 2023 der Agentur AP. Kühlt das Wasser ab, fressen und vermehren sie sich weniger – in den vergangenen Jahren ist jedoch das Gegenteil passiert.

„Normalerweise, zu bestimmten Jahreszeiten, lebt diese Krabbe nicht gut, wenn das Wasser unter etwa zehn Grad Celsius sinkt. Inzwischen findet sie aber zwölf Monate im Jahr ideale Temperaturen“, erklärt Enrica Franchi, Meeresbiologin an der Universität Siena.

Seitdem suchen Behörden und Fischereiverbände nach Wegen, die Schalentiere zu nutzen oder loszuwerden – bis hin dazu, Containerladungen in die USA zu schicken, wo sie als Delikatesse gelten.

Die Behörden in der Region Emilia-Romagna um Bologna erklärten vergangenes Jahr, die Art habe dort seit 2022 fast 17 Millionen Euro Schaden verursacht.

Der Bauern- und Fischereiverband Coldiretti schätzt den Schaden für ganz Italien auf rund 200 Millionen Euro. Besonders betroffen ist neben Emilia-Romagna auch die nördliche Region Venetien.

„Sie frisst alles, auch junge Muscheln, die auf dem Meeresboden liegen“, sagt der Fischer und Muschelzüchter Davide Sanulli über die Krabbe.

Die bis zu einem Kilogramm schweren Tiere sind hervorragende Schwimmer und haben kaum natürliche Feinde – genau das wollen die Forschenden nun ändern.

Projekt Octo-Blu: Krakenbabys ziehen in künstliche Unterwasserhöhlen

Ein Team der Universität Bologna setzt darauf, dass der Gewöhnliche Krake die wachsende Population der Blaukrabbe eindämmen kann – eines gefräßigen Krustentiers, das die Schalentierproduktion in der Adria verwüstet.

Das Projekt „Octo-Blu“ startete vergangenes Jahr und wird von der Region Emilia-Romagna finanziert. Ziel ist es, die Zahl der Kraken zu erhöhen und so ein Gegengewicht zu den hartschaligen Eindringlingen zu schaffen.

Das Team zieht die Jungkraken in weißen Wassertanks in einem Labor im Hafenort Cesenatico auf. Sind sie groß genug, schöpfen die Forschenden Tausende Tiere in einen großen Plastiksack und bringen sie aufs Meer hinaus, manchmal an Bord von Sanullis robustem blauem Fischkutter.

Dort setzen sie die Jungtiere in der Nähe von Unterwasser-Riffen aus, wo die Gruppe künstliche Höhlen aus Zement und Ton angelegt hat. Sie sollen den Kraken beim Ansiedeln helfen.

Seit Juni haben sie rund 80.000 Tiere freigelassen. Bis Ende August wollen die Forschenden diese Zahl verdoppeln – in der Hoffnung, dass zumindest ein Teil zu ausgewachsenen Kraken heranwächst.

„Die Idee ist, nahe der Küste eine kleine Gemeinschaft zu etablieren, die die Ausbreitung der Blaukrabbe besser eindämmen kann“, sagt der Aquakulturtechniker Casalini.

Streit um Methode: Sind Seebarsche bessere Krabbenjäger?

Das Projekt hat allerdings offensichtliche Schwächen.

Der Gewöhnliche Krake lebt ungern in den warmen, sandigen Lagunen, in denen die Blaukrabbe den größten Schaden anrichtet. Sein direkter Einfluss dort dürfte daher gering bleiben – dessen sind sich die Forschenden bewusst.

Andere Fachleute schlagen vor, Seebarsche einzusetzen, die Krabben noch effektiver jagen könnten. Das Team der Universität Bologna prüft zudem, ob Aale – gefräßige Fresser von Krustentier-Eiern – die Arbeit der Kraken ergänzen können.

Dennoch könnte das Pilotprojekt, wenn es anderswo nachgeahmt wird, helfen, die Blaukrabben-Population und ihre Folgen für die Meeresumwelt an der Adriaküste zu begrenzen, sagt Casalini.

„Blaukrabben haben ein unglaubliches Fortpflanzungspotenzial und eine sehr hohe Fruchtbarkeit“, sagt Pietro Emmanuele, ebenfalls Forscher an der Universität Bologna. Eine einzige Krabbe lege Millionen Eier, von denen die meisten schlüpfen.

Nur ein Teil der Jungtiere erreicht zwar das Erwachsenenalter. Fängt ein Krake aber auch nur ein einziges Weibchen, kann das schon einen Unterschied machen, betont er.

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