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Anthropic: KI könnte bis 2030 15 Prozent Wachstum und Massenarbeitslosigkeit bringen

Archivfoto: Person am Computer im National Cybersecurity and Communications Integration Center des US-Heimatschutzministeriums in Arlington, Virginia, August 2018
ARCHIV: Eine Person arbeitet im National Cybersecurity and Communications Integration Center des Heimatschutzministeriums in Arlington, Virginia, August 2018. Copyright  AP Photo/Cliff Owen
Copyright AP Photo/Cliff Owen
Von Quirino Mealha
Zuerst veröffentlicht am
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Anthropic stellt Wirtschaftsmodell vor: KI treibt US-Wirtschaft bis 2030 laut drei Szenarien vom kaum spürbaren Effekt bis zum Boom mit 15 % BIP-Wachstum und Jobverlust für fast ein Fünftel der Büroangestellten.

Das Unternehmen hinter Claude hat seine mögliche Wirtschafts­wirkung erstmals in Zahlen gefasst.

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Das Ökonomie-Team von Anthropic hat am Mittwoch ein Fachpapier und ein interaktives Tool veröffentlicht. Das Modell betrachtet die Wirtschaft als Bündel von Aufgaben, die KI unangetastet lässt, unterstützt, vollständig automatisiert oder ganz neu schafft. Es zeigt, was unterschiedliche Fortschritts- und Nutzungsraten für Wachstum, Löhne und Jobs in den USA bedeuten könnten.

Die Autorinnen und Autoren betonen, dass es sich nicht um Prognosen handelt. Im Papier heißt es: „Die Szenarien sind keine Vorhersagen, und wir verbinden mit ihnen keine Wahrscheinlichkeiten.“

Im zurückhaltenden Szenario bleibt KI eine eher unbedeutende Technologie.

Das Bruttoinlandsprodukt liegt 2030 eins Komma sechs Prozent über dem Wert ohne KI. Das jährliche Wachstum steigt auf zwei Komma vier Prozent. Die kognitive Beschäftigung – also Management-, Vertriebs-, Fach- und Bürotätigkeiten – sinkt um ein halbes Prozent. Die Arbeitslosenquote verändert sich kaum.

Im substanziellen Szenario verdoppelt sich die normale Wachstumsrate der Wirtschaft auf fünf Komma vier Prozent. KI kann dann etwa die Hälfte aller Wissensarbeit übernehmen. Die meisten Aufgaben erledigen Menschen aber weiterhin ohne KI-Hilfe.

Das BIP liegt dann acht Komma drei Prozent höher. Die kognitive Beschäftigung sinkt um drei Komma neun Prozent. Die Arbeitslosigkeit unter Büroangestellten steigt auf vier Komma fünf Prozent. Die Löhne entwickeln sich auseinander: Gehälter im kognitiven Bereich gehen leicht zurück, alle anderen Beschäftigten gewinnen fast sechs Prozent hinzu.

Das extreme Szenario hat historisch kein Vorbild.

Die Jahreswachstumsrate erreicht 15,4 Prozent. Das BIP liegt am Ende 32,4 Prozent über dem Pfad ohne KI. Die Wirtschaft würde sich etwa alle viereinhalb Jahre verdoppeln.

Gleichzeitig bricht die kognitive Beschäftigung um 21,5 Prozent ein. Die Arbeitslosenquote in dieser Gruppe steigt auf 17,9 Prozent. Insgesamt klettert die Erwerbslosigkeit auf elf Komma neun Prozent – mehr als in einer üblichen Rezession. Löhne im Bürobereich fallen um 11,5 Prozent, andere Löhne springen um 33,6 Prozent nach oben.

Am deutlichsten sind die Zahlen zur Verteilung der Gewinne.

Der Anteil der Arbeit am Volkseinkommen sinkt von 60 Prozent auf 45,2 Prozent. Die Kapitaleinkommen steigen um mehr als 80 Prozent.

Die Maschinen würden die Wirtschaft massiv bereichern, die Gewinne aber klar von Beschäftigten hin zu Vermögensbesitzern verschieben.

Was die Öffentlichkeit erwartet – und was der Chef sagt

Anthropic hat das Modell mit einer Umfrage des Instituts Morning Consult unter US-Erwachsenen aus dem August ergänzt.

Laut dem Papier decken sich die Erwartungen der typischen Befragten mit dem substanziellen Szenario. Demnach wäre das BIP 2030 um etwa acht Prozent höher, die kognitive Beschäftigung ginge um rund vier Prozent zurück.

Damit wirkt der eigene CEO des Unternehmens als Ausreißer. Dario Amodei warnte im Mai 2025, bis zu die Hälfte der einfachen Bürojobs könne innerhalb von fünf Jahren verschwinden. Die Arbeitslosigkeit könne auf 10 bis 20 Prozent steigen. Diese Werte passen klar zum extremen Szenario, nicht zur mittleren Variante.

Entscheidend könnte die Nutzung sein, nicht allein die Fähigkeit der Systeme.

„Wenn KI erstaunliche Dinge kann, aber niemand sie nutzt, hat sie keinen wirtschaftlichen Effekt“, sagte Anton Korinek, der bei Anthropic die wirtschaftlichen Studien zu transformativer KI leitet.

Mitgründer Jack Clark rechnet mit schnellen technischen Fortschritten, aber mit langsamerer Verbreitung. Er sagte dem US-Sender NPR: „Die Verbreitung der Technologie wird wahrscheinlich schwieriger, als viele denken.“

Das Szenario, das fehlt

Für Aufmerksamkeit sorgt auch, was im Modell nicht vorkommt.

Alle Pfade setzen eine weiter funktionierende Wirtschaft voraus. Es gibt kein Szenario, in dem KI auf die Weise katastrophal schiefgeht, vor der die Branche selbst immer wieder warnt.

Diese Lücke wirkte in dieser Woche besonders auffällig. Der 27-jährige Forscher Jacob Coxon, zuvor bei OpenAI und Anthropic tätig, trat am Dienstag zurück und veröffentlichte einen Thread, in dem er seine Gründe erklärte.

„Keines der beiden Unternehmen handelt verantwortungsvoll“, schrieb Coxon. Er fügte hinzu: „Sie rasen direkt auf sich selbst verbessernde Superintelligenz zu.“

Er behauptete zudem, Kolleginnen und Kollegen seien intern überzeugt, die Technologie „könnte uns bis zum Ende des Jahrzehnts alle töten“, während Führungspersönlichkeiten ihre Formulierungen öffentlich abschwächen. Den Ansatz der Branche nannte er „ein überhebliches Glücksspiel, das nicht vom Slack eines Privatunternehmens gestartet werden sollte“.

Anthropic selbst hat offengelegt, dass Claude-Modelle in diesem Jahr unerlaubten Zugriff auf reale Systeme von drei Organisationen erlangten. Ob solche Vorfälle in ein ökonomisches Modell gehört, ist eine berechtigte Frage.

Auf Nachfrage erklärt Claude selbst, solche Risiken gehörten nicht in das Modell.

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